"Weiße Flagge keine Option" - Haie kämpfen gegen Finanzkollaps

SID
·Lesedauer: 3 Min.

Uwe Krupp wollte die Kölner Haie im deutschen Eishockey eigentlich zurück an die Spitze führen, doch wegen der Coronakrise muss er jetzt vielmehr um die Existenz des Traditionsklubs bangen.

"Wir können nicht zu 100 Prozent sagen, dass wir dabei sind", sagte der frühere Bundestrainer der Kölnischen Rundschau deutlich.

Durch den bereits zweimal verschobenen Saisonstart in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) klafft beim achtmaligen Meister eine finanzielle Lücke im siebenstelligen Bereich. Für den Fall eines Saisonbeginns herrscht große Ungewissheit in der Domstadt, die Krupp "sehr nahe geht", wie er dem Kölner Stadt-Anzeiger sagte.

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Die Probleme der Haie stehen sinnbildlich für die finanziell prekäre Situation der Klubs, die anders als der Fußball viel geringere TV-Gelder erhalten. Ohne Fans aber fehlen 80 Prozent der Einnahmen.

Hoffen auf Unterstützung der Fans

"Der bedeutendste Teil unserer wirtschaftlichen Grundlage wird entzogen", schrieben die Kölner. KEC-Geschäftsführer Philipp Walter sagte der Rundschau daher, dass "unser Geschäftsmodell im Grunde verboten ist".

So bleibt den Haien zunächst nichts anderes übrig, als bei seinen treuesten Anhängern "betteln" zu gehen. Sie hoffen inständig auf die Unterstützung ihrer Dauerkarteninhaber und der Kölner Bevölkerung und wollen 100.000 virtuelle Tickets verkaufen, um den "Fortbestand des Eishockeystandorts Köln" zu sichern.

Laut Vereinsmitteilung vom Donnerstag tragen Spieler, Trainer und Mitarbeiter zudem mit einem Gehaltsverzicht von bis zu 60 Prozent in der Coronakrise zum Ausgleich der finanziellen Schieflage bei.

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Trotz der fatalen finanziellen Situation präsentieren sich die Haie "kämpferisch". Dies sei "Teil unserer DNA", sagte Walter und betonte: "Die weiße Flagge zu hissen, ist für uns keine Option. Das ist ein klares Bekenntnis, um den Eishockey-Standort Köln zu erhalten."

Nicht nur aufgrund der Notlage in der Domstadt scheint die Liga zerrissener denn je: Während acht der 14 Klubs ab dem 11. November beim von der Telekom initiierten MagentaSport Cup zumindest ansatzweise wieder im Wettkampfmodus gegeneinander antreten, kämpfen die anderen Teams ums blanke Überleben.

Auch anderen Vereinen droht der Kollaps

Die Haie sind dabei lediglich das prominenteste Beispiel. Auch die anderen fünf abwesenden Klubs aus Augsburg, Ingolstadt, Iserlohn, Nürnberg und Straubing geben die herrschende Ungewissheit als Hauptgrund für den Verzicht am Vorbereitungsturnier an.

"Die Telekom unterstützt die Teilnehmer zwar finanziell, doch reicht das für uns leider bei Weitem nicht aus, die entstehenden Kosten zu decken", teilten beispielsweise die Augsburger Panther mit.

Zu allem Übel kommt das vom Bund zur Verfügung gestellte Hilfspaket über 200 Millionen Euro nicht richtig bei den Klubs der großen Profiligen sowie den Verbänden an. Bis zum 19. Oktober waren gerade erst gut ein Achtel beantragt worden.

Auf das Problem wies Andreas Michelmann als Sprecher der Interessensbündnisses "Teamsport Deutschland" hin.

"Schwierigkeiten gibt es bei denjenigen, die keine Anträge stellen können, weil die jeweiligen Steuerberater und Wirtschaftsprüfer die Anträge stellen sollen und das tun sie natürlich nur, wenn sie der Meinung sind, dass es rechtens ist. Das betrifft insbesondere die Drittligaklubs im Fußball und einen Teil der Eishockey-Klubs."