Weißflog, Ahonen und Co. - Die Legenden der Vierschanzentournee

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Eine Tournee wird zum Mythos!

Die Vierschanzentournee ist der jährliche Höhepunkt im Veranstaltungskalender des Skispringens. Natürlich streben die besten Springer nach olympischen Gold und Weltmeistertiteln. Aber ein Triumph bei der Vierschanzentournee steht mindestens auf der gleichen Stufe - wenn nicht vielleicht sogar noch etwas höher.

Bestes Beispiel dafür sind die beiden ehemaligen DSV-Adler Martin Schmitt und Sven Hannawald. Rein von den Erfolgen ist Schmitt der erfolgreichere Springer. Er gewann zwei Mal den Gesamtweltcup, holte sich Olympisches Gold und vier WM-Titel. Hannawald kommt lediglich auf eine olympische Goldmedaille und zwei WM-Titel. Dazu hat er bedeutend weniger Weltcupsiege auf dem Konto als Schmitt und konnte auch nie im Gesamtweltcup triumphieren.

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Aber er hat den Sieg bei der Vierschanzentournee errungen - und das als erster Springer überhaupt mit Siegen bei allen vier Einzelspringen. Bis heute wird diese erfolgreiche Phase des deutschen Skispringen immer noch mit dem Grand Slam Hannawalds in Verbindung gebracht.

Die Vierschanzentournee ist eben doch mehr als nur eine Abfolge von vier Weltcupspringen - sie ist ein Mythos der Helden hervorbringt. Einige Springer macht sie sogar zu Legenden ihres Sports.

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SPORT1 präsentiert die erfolgreichsten Springer (drei Sige und mehr) bei der Vierschanzentournee.

5 Siege: Janne Ahonen

Tournee-Siege: 1999, 2002, 2005, 2006, 2008

Janne Ahonen war nie der Mann der großen Worte. Legendär ist sein Interview nach dem Springen in Garmisch-Partenkirchen bei der Vierschanzentournee 2007/08. Mit 139 Meter hatte er einen neuen Schanzenrekord aufgestellt. Der hielt aber nur kurz. Gregor Schlierenzauer sprang zwei Meter weiter und entriss dem Finnen den Rekord wieder.

Darauf angesprochen kam von Ahonen lediglich ein "Ich bin sehr zufrieden mit dem Sprung", nur um mit einigen Sekunden Pause noch ein "Ich bin ein wenig enttäuscht" hinterherzuschieben.

Statt vor den Mirkos zeigte Ahonen seine Klasse lieber auf der Schanze - und das besser als jeder andere. Auch 2008 stellte er seine Fähigkeiten wieder unter Beweis. In Oberstorf und Garmisch-Partenkirchen musste er sich noch den beiden Österreichern Schlierenzauer und Thomas Morgenstern geschlagen geben. Die beiden abschließenden Springen konnte er aber für sich entscheiden und damit seinen fünften und letzten Triumph feiern.


Aufgrund widriger Witterungsbedingungen musste das Springen in Innsbruck in diesem Jahr entfallen, weshalb in Bischofshofen zwei Wettbewerbe stattfanden. Vor allem das zweite Springen auf der Paul-Außerleitner-Schanze zeigte seine ganze Klasse. Während mit Gregor Schlierenzauer, Tom Hilde und Simon Ammann gleich reihenweise Top-Springer dem Wind zum Opfer fielen und sogar den zweiten Durchgang verpassten, flog Ahonen gewohnt sicher auf Rang drei und legte damit das Fundament für seinen Rekordsieg.

Im zweiten Durchgang krönte er seine historische Leistung mit seinem achten Einzel- und fünften Gesamtsieg bei der Tour.

4 Siege: Jens Weißflog

Tournee-Siege: 1984, 1985, 1991, 1996

In Deutschland ist das Skispringen auch eng mit dem Namen Jens Weißflog verbunden. Bereits zu DDR-Zeiten war der Mann aus Steinheidel-Erlabrunn ein fleißiger Medaillen- und Titelsammler. Auch bei der Vierschanzentournee setzte er die erfolgreiche Tradition der DDR-Springer fort und konnte bereits zwei Gesamtsiege bei der Tour feiern.

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Sein wichtigster Triumph war aber 1991. Zum ersten Mal war nach der Wiedervereinigung ein gesamtdeutsches Team am Start, das mit Jens Weißflog und Dieter Thoma zwei Top-Springer in seinen Reihen hatte. Bereits beim ersten Springen in Oberstdorf holte sich Weißflog den Sieg und übernahm die Führung in der Gesamtwertung. Diese sollte er auch nicht mehr hergeben.


Am Ende lag er über 14 Punkte vor dem Zweitplatzierten Österreicher Andreas Felder. Thomas komplettierte als Dritter die starke DSV-Leistung.

3 Siege: Björn Wirkola

Tournee-Siege: 1967, 1968, 1969

Björn Wirkola war der erste Springer, dem das Triple gelang. Helmut Recknagel war daran noch knapp gescheitert, aber der Norweger war von 1967 bis 1969 nicht zu bezwingen. Ganze zehn Mal konnte er in seiner Karriere im Rahmen der Tournee ein Einzelspringen für sich entscheiden.

Aber sein Meisterstück war der erste Triumph. Drei der vier Springen beendete er ganz oben auf dem Treppchen. Lediglich beim ersten Springen in Oberstdorf musste er dem DDR-Springer Dieter Neuendorf den Vortritt lassen. Danach war der Norweger aber nicht mehr zu halten und holte sich mit überragenden 910 Punkten den Sieg. Sepp Lichtenegger, der auf Rang zwei der Gesamtwertung landete, hatte bereits über 60 Punkte Rückstand auf Wirkola.

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Auch nach seiner Karriere als Skispringer feierte der Modelathlet noch sportliche Erfolge. Als Stürmer bei Rosenborg Trondheim gewann er 1971 im Fußball noch das norwegische Double aus Meisterschaft und Pokal. Wegen seiner Erfolge wurde ihm im gleichen Jahr auch der Egebergs Aerespris verliehen. Damit werden norwegische Sportler ausgezeichnet, die in mehreren Sportarten herausragende Leistungen vollbringen.

3 Siege: Helmut Recknagel

Tournee-Siege: 1958, 1959, 1961

Helmut Recknagel sorgte für den ersten deutschen Erfolg bei der Vierschanzentournee und wurde auch der erste Dreifach-Tournee-Sieger. Die Ehre des ersten Triples ist ihm aber verwehrt geblieben. Mit dem für die Bundesrepublik startenden Max Bolkart verhinderte ausgerechnet ein Landsmann diesen ersten historischen Erfolg des DDR-Springers.

In der Erinnerung der Wintersportfans wird Recknagel aber als erster deutsche Tournee-Sieger immer präsent sein. Vor allem, da er diesen Premierenerfolg auf so spektakuläre Art und Weise erringen konnte. Nach seinem Sieg am Holmenkollen 1957 zählte der Mann aus Steinbach-Hallenberg auch bei der Tournee 1957/58 zum Favoritenkreis. Diese bestätigte er mit seinem zweiten Platz beim Auftaktspringen.


In Oberstdorf schien dann aber alles aus und vorbei. Durch einen Sturz im zweiten Durchgang landete Recknagel lediglich auf dem 35. Rang und handelte sich über 25 Punkte Rückstand ein. Fans und Experten hatten den Deutschen für die Gesamtwertung abgeschrieben.

Was dann kam, war eine bis dahin noch nie gesehene Aufholjagd. Mit seinem Sieg in Innsbruck verkürzte er den Rückstand auf 17 Punkte. Zum Abschluss in Bischofshofen holte er sich seinen zweiten Tagessieg und konnte doch noch am Führenden Nikolai Kamenski vorbeiziehen.

Alle Sieger der Vierschanzentournee

1953: Josef Bradl (Österreich)
1954: Olaf B. Björnstadt (Norwegen)
1955: Hemmo Silvennoinen (Finnland)
1956: Nikolai Kamenski (Sowjetunion)
1957: Pentti Uotinen (Finnland)
1958: Helmut Recknagel (DDR)
1959: Helmut Recknagel (DDR)
1960: Max Bolkart (BRD)
1961: Helmut Recknagel (DDR)
1962: Eino Kirjonen (Finnland)
1963: Toralf Engan (Norwegen)
1964: Veikko Kankkonen (Finnland)
1965: Torgeir Brandtzäg (Norwegen)
1966: Veikko Kankkonen (Finnland)
1967: Björn Wikola (Norwegen)
1968: Björn Wikola (Norwegen)
1969: Björn Wikola (Norwegen)
1970: Horst Queck (DDR)
1971: Jiri Raska (Tschechoslowakei)
1972: Ingolf Mork (Norwegen)
1973: Rainer Schmidt (DDR)
1974: Hans-Georg Aschenbach (DDR)
1975: Willi Pürstl (Österreich)
1976: Jochen Danneberg (DDR)
1977: Jochen Danneberg (DDR)
1978: Kari Ylianttila (Finnland)
1979: Pentti Kokkonen (Finnland)
1980: Hubert Neuper (Österreich)
1981: Hubert Neuper (Österreich)
1982: Manfred Deckert (DDR)
1983: Matti Nykänen (Finnland)
1984: Jens Weißflog (DDR)
1985: Jens Weißflog (DDR)
1986: Ernst Vettori (Österreich)
1987: Ernst Vettori (Österreich)
1988: Matti Nykänen (Finnland)
1989: Risto Laakkonen (Finnland)
1990: Dieter Thoma (Deutschland)
1991: Jens Weißflog (Deutschland)
1992: Toni Nieminen (Finnland)
1993: Andreas Goldberger (Österreich)
1994: Espen Bredesen (Norwegen)
1995: Andreas Goldberger (Österreich)
1996: Jens Weißflog (Deutschland)
1997: Primoz Peterka (Slowenien)
1998: Kazuyoshi Funaki (Japan)
1999: Janne Ahonen (Finnland)
2000: Andreas Widhölzl (Österreich)
2001: Adam Malysz (Polen)
2002: Sven Hannawald (Deutschland)
2003: Janne Ahonen (Finnland)
2004: Sigurd Pettersen (Norwegen)
2005: Janne Ahonen (Finnland)
2006: Janne Ahonen (Finnland) / Jakub Janda
2007: Anders Jacobsen (Norwegen)
2008: Janne Ahonen (Finnland)
2009: Wolfgang Loitzl (Österreich)
2010: Andreas Kofler (Österreich)
2011: Thomas Morgenstern (Österreich)
2012: Gregor Schlierenzauer (Österreich)
2013: Gregor Schlierenzauer (Österreich)
2014: Thomas Diethart (Österreich)
2015: Stefan Kraft (Österreich)
2016: Peter Prevc (Slowenien)
2017: Kamil Stoch (Polen)
2018: Kamil Stoch (Polen)
2019: Ryoyu Kobayashi (Japan)

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