Welche Rennen kann die Formel 1 2020 noch nachholen?

Adam Cooper
motorsport.com

Frühestens im Mai wird die Formel 1 wieder ihren Betrieb aufnehmen. Die Rennen von Australien, Bahrain, Vietnam und China wurden bereits offiziell verschoben. Gerüchte im Paddock sprechen sogar von einem Saisonstart in Baku, dann würden auch die Grands Prix in den Niederlanden, Spanien und Monaco betroffen sein.

Die Formel 1 und die FIA stehen nun vor der großen Aufgabe, zumindest einige der verschobenen Events wieder in den - ohnehin schon vollen - Kalender zu quetschen. Denn die Austragung ist vor allem finanziell lukrativ: Promoter zahlen rund 25 bis 30 Millionen Dollar für ihre Slots - manche Überseerennen sogar deutlich mehr. Jeder ausgefallene Event bringt somit einen deutlichen Verlust mit sich.

Ein möglicher Saisonstart in Baku stand am Donnerstagabend auf der Liste, als sich die Teambosse mit Formel-1-Sportchef Ross Brawn getroffen haben, um die akute Krise zu besprechen. Die Absage von Australien stand dabei natürlich ganz oben, doch es war klar, dass auch Bahrain und Vietnam folgen würden. Das ist mittlerweile offiziell bestätigt.

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Jetzt geht es darum, wie man einige dieser Events retten kann. Eine offensichtliche Lösung wäre zumindest ein weiteres Rennen im August, wo die Formel 1 ihre traditionelle Sommerpause mit drei freien Wochenenden abhält - inklusive eines festgelegten Shutdowns der Fabriken von zwei Wochen.

Eines dieser freien Wochenenden zu verlieren, bringt natürlich Konsequenzen mit sich. Hunderte Leute haben bereits ihren Familienurlaub gebucht, weil es für sie der einzige freie Slot im Jahr ist. Die Formel 1, die Teams, die FIA und die Medien werden ihr Personal vertrösten müssen, wenn sie Umbuchungen vornehmen müssen.

Eine kürzere Sommerpause dürfte für die Teams akzeptabler sein als in anderen Saisons, weil die Mitarbeiter nicht so ausgelaugt sind wie sonst. Sie könnten im April oder Mai zusätzlich frei haben - anstatt im August.

Europa: Zandvoort mit oberster Priorität

Die Europarennen lassen sich natürlich einfacher in den Kalender fügen. Und welches Rennen dort an erster Stelle stehen würde, ist nicht schwer. Monaco mag zwar das prestigeträchtigste Rennen haben, aber es zahlt der Formel 1 nichts dafür. Formel-1-Boss Chase Carey muss die kostbaren Slots mit Rennen füllen, die Geld in die Kassen spülen.

Zudem wäre das Fürstentum nicht gerade erpicht darauf, seinen traditionellen Platz im Mai zu verlieren. Denn der Grand Prix bringt massive Einschränkungen in der Stadt mit sich. Sollte das Rennen also im Mai nicht stattfinden, dann voraussichtlich gar nicht.

Auch Barcelona dürfte sehr wahrscheinlich keine zweite Chance bekommen. Einerseits besitzt man nur einen Einjahresvertrag und fällt eine Lücke aus, andererseits belasten Finanzprobleme die Strecke seit einiger Zeit. Die Promoter dürften über einen August-Termin nicht allzu erfreut sein und sich vermutlich froh, wenn sie nicht dazu eingeladen werden.

Die Probleme in den Niederlanden

Damit bleibt Zandvoort. Und aus offensichtlichen Gründen wird Chase Carey hart dafür arbeiten, dass der Große Preis der Niederlande in den Kalender passt. Ein logischer Termin wäre der 9. August, eine Woche nach Ungarn. Alternativ gibt es den 23. August, der aber in einem Triple-Header mit Spa und Monza endet. Zwei Wochenenden mit Verstappen-Fokus in Folge wäre vielleicht selbst den Hardcore-Fans zu viel.

Doch August würde für Zandvoort eigentlich gut passen. Einst war es der traditionelle Termin des Rennens, zudem würde das Wetter besser sein als am 1. Mai. Zudem hätte die Strecke noch einmal drei Monate, um alles fertigzustellen.

Chase Carey stehen einige arbeitsreiche Wochen bevor

Chase Carey stehen einige arbeitsreiche Wochen bevor <span class="copyright">LAT</span>
Chase Carey stehen einige arbeitsreiche Wochen bevor LAT

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Eine weitere unattraktive Option wäre, Abu Dhabi auf seinem Slot zu belassen und ein Rennen am 22. November einzufügen. Dann hätte man einen Triple-Header, der in Brasilien beginnt. Zumindest würde die Saison dann aber wie geplant enden. Freie Plätze gibt es noch am 4. und 18. Oktober, dann hätte man aber vier Rennen in Folge. Es gibt einfach nicht genügend Platz.

Wenn man in Baku beginnt und dann Zandvoort in den Sommer und ein Überseerennen ans Saisonende legt, dann hätte man einen gesunden Kalender von 17 Rennen. Keine schlechte Quote, wenn einige Sportevents 2020 komplett ins Wasser fallen.

Ein Teamchef sagte am Freitag, dass 18 das Ziel wäre, doch das würde ernsthafte Kompromisse und möglicherweise einige unerwartete Verschiebungen bestehender Termine mit sich bringen. Es wird nicht einfach werden ...

Mit Bildmaterial von LAT.

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