An Tankstelle ausgesetzt: Verstappens steiniger Weg zum Ruhm

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An Tankstelle ausgesetzt: Verstappens steiniger Weg zum Ruhm
An Tankstelle ausgesetzt: Verstappens steiniger Weg zum Ruhm

Dass Max Verstappen jetzt zu den ganz Großen seiner Zunft zählt, durften seine Fans schon zwei Tage nach dem Triumph im spannendsten Titelkampf aller Zeiten bestaunen. (DATEN: Die Fahrerwertung der Formel 1)

Da postete nämlich sein Rennstall Red Bull auf Twitter ein Foto, das den frisch gekürten Weltmeister dabei zeigt, wie er seine Schuhe vor den anstehenden Reifentests anzieht. Das waren keine gewöhnlichen Treter, sondern golden verzierte Schuhe.

Es ist ein Bild, das für einen Champion angemessen ist, mag man denken. Doch zu Verstappen passt es nicht. Für die Glamour-Schlagzeilen sind normalerweise andere zuständig im Formel-1-Zirkus. (DATEN: Die Teamwertung der Formel 1)

Die Stärken von Max Verstappen

Verstappen ist eher für seine brachiale Gangart auf den Rennstrecken dieser Welt bekannt. Im Duell Rad an Rad mit dem Gegner hat er seine Stärken. Er hält dagegen, egal gegen wen und bei welcher Geschwindigkeit.

Diese Einstellung war es, die ihm auch im Titelkampf 2021 mit Mercedes-Star Lewis Hamilton geholfen hat. Austeilen konnte er, aber er musste auch einstecken in diesem beinharten Duell um die Krone des Motorsports.

In Silverstone krachte es erstmals zwischen den beiden Rivalen. Während Hamilton anschließend zum Sieg fuhr, musste Verstappen nach einem heftigen Einschlag ins Krankenhaus. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Formel 1)

Doch er kam zurück, schon zwei Wochen später in Ungarn war er wieder da – und fuhr in die Punkte.

Bis zum Showdown in Abu Dhabi sollten noch häufiger die Fetzen fliegen zwischen den beiden Piloten und deren Teams. Am Ende aber blieb Verstappen in der alles entscheidenden Szene cool, überholte Hamilton in der letzten Runde des letzten Rennens und setzte sich die Krone auf.

Es war der vorläufige Höhepunkt einer Karriere, die früh begann, aber auch immer wieder von Rückschlägen geprägt war.

Vater lässt Verstappen an der Tankstelle stehen

Den ersten erlebte er schon im Jahr 2012, als er gerade einmal 15 Jahre alt wurde. Im letzten Lauf der Kart-WM in Italien schied er nach einem zu riskanten Manöver aus und verspielte damit den Titel. Doch das Schlimmste kam für ihn erst noch.

„Ich war traurig und mein Dad war wirklich enttäuscht“, erzählte Verstappen im Red-Bull-Podcast Talking Bull: „Auf dem Weg nach Hause saßen wir dann im Auto und ich wollte darüber sprechen, er aber nicht. Plötzlich hielt er bei einer Tankstelle an und sagte, dass ich aussteigen sollte. Dann ist er einfach weggefahren!“

Vater Jos entgegnete: „Ich wusste, dass seine Mutter nur wenige Kilometer hinter uns war, also stand er dort nicht lange herum. Ich tat es, weil ihm alles immer so leicht fiel und ich wollte, dass er einmal richtig spürte, wie es ist, zu verlieren.“

Es ist ein Gespräch, das viel aussagt über die Verstappens. Vater Jos - zu aktiven Zeiten Teamkollege von Michael Schumacher - erkannte das Talent seines Sohnes schon früh und bastelte zielstrebig an dessen Karriere. Als Max vier war, setzte ihn Jos zum ersten Mal ins Kart.

Dort reifte Verstappen junior schnell zu einem der besten Piloten. 2013 wurde er Europa- und Weltmeister im Kartsport. Ein Jahr später schon bekam er beim niederländischen Rennstall Van Amersfoort Racing ein Cockpit für die Formel-3-Meisterschaft.

Auch sein Förderer dort, Teambesitzer Frits van Amersfoort, erkannte gleich das Potenzial seines jungen Landsmannes. Ihm war aber auch klar, dass Verstappen damals noch etwas zu ungestüm unterwegs war.

Förderer van Amersfoort: „Noch nie so einen Draufgänger gesehen“

„Ich habe noch nie jemanden gesehen, der so ein Draufgänger ist wie der Max. Aber das kann natürlich auch mal nach hinten losgehen“, sagte Van Amersfoort, der auch die Karriere des jungen Mick Schumacher vorantrieb, einmal bei SPORT1.

Tatsächlich wurde Verstappen auch in der Formel 1, in der er mit 17 Jahren als jüngster Pilot der Geschichte debütierte, den Ruf des „Mad Max“ nie so richtig los.

Ob nach seinem heftigen Abflug in Monaco 2015 oder seiner Kollision mit Sebastian Vettel drei Jahre später in Shanghai: Immer wieder musste sich Verstappen anhören, dass er es bei allem Potenzial manchmal doch übertreibt mit seinem Risiko.

Doch er lernte aus diesen Fehlern, wusste sein fahrerisches Talent immer besser zu nutzen und fand schließlich auch den Mix aus nötiger Aggressivität und Kontrolle.

Red Bull schafft Anschluss an Mercedes

Dazu kam, dass auch sein Red-Bull-Team seit 2019 mit dem Einstieg von Honda als neuen Motorenpartner immer schneller und damit dem Platzhirsch Mercedes immer häufiger gefährlich wurde.

Vor zwei Jahren und in der letzten Saison musste Verstappen den beiden Mercedes-Fahrern noch den Vortritt lassen. In diesem Jahr aber hat er seine erste wirklich realistische Chance genutzt und sich zum Weltmeister gekrönt.

Mit 24 Jahren ist er zwar nur der viertjüngste Weltmeister der Formel-1-Geschichte. Doch eine Ära kann er in diesem Alter allemal noch prägen. Hamilton wurde im Alter von 23 erstmals Weltmeister.

Dass Verstappen dafür bereit ist, hat er nur wenige Sekunden nach seinem Triumph von Abu Dbabi seinen Helfern von Red Bull noch aus dem Auto heraus in den Funk geschrien: „Das ist unglaublich Jungs. Können wir das bitte in den kommenden zehn bis 15 Jahren zusammen machen?“

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