"Guardiola hat bei ihm aufgegeben": Zweifel an Sané wachsen

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"Guardiola hat bei ihm aufgegeben": Zweifel an Sané wachsen
"Guardiola hat bei ihm aufgegeben": Zweifel an Sané wachsen

"Für mich ist es bis jetzt zu wenig" - mit solchen Sätzen muss Leroy Sané derzeit leben.

Gesagt hat ihn Markus Babbel, der im EM-Doppelpass über den Offensiv-Star des FC Bayern sprach, der sich derzeit mit dem DFB-Team auf die Europameisterschaft vorbereitet. "Ich habe ihn bei Manchester City gesehen, da hat er herausragend gespielt und da war er wirklich ein Unterschiedsspieler", führte der frühere Nationalspieler und Bundesliga-Trainer aus. Das sei beim Rekordmeister aber noch nicht der Fall gewesen - im Gegenteil:

"Er hat für mich noch viel zu wenig Einfluss auf das Spiel. Du siehst das Potenzial. Du hoffst bei ihm immer, dass er explodiert, aber die Explosion hat nicht stattgefunden. Mit dieser Qualität hast du immer deine ein, zwei Situationen. Aber es ist Joshua Kimmich, der ihn anscheißt, es ist Thomas Müller, der ihn anscheißt, es ist Niklas Süle, der ihn anscheißt - also die Bayern-Spieler, die nach einem Jahr sagen: 'Hast du es immer noch nicht kapiert? Das kann doch nicht so schwer sein.' Er muss auch im Kopf besser werden, um es schneller zu verinnerlichen und besser umzusetzen."

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Sané wirkt im DFB-Team isoliert

Im Testspiel gegen Dänemark hatte Kimmich Sané gut hörbar zurechtgewiesen. Ein Satz, der fiel: "Hör auf zu jammern, Alter!"

Im SPORT1-Interview erklärte das Mentalitätsmonster, dass er den Wortwechsel gar nicht "als Disput wahrgenommen" habe: "Es war eine Situation, bei der ich das Gefühl hatte, dass wir pressen können. Leroy hat sich dann anders entschieden. Aber solche Situationen passieren auf dem Spielfeld sehr oft. Ich bin der Meinung, dass wir in Sachen Kommunikation noch einen draufpacken können. Es ist wichtig, dass wir viel miteinander sprechen."

Trotzdem blieb hängen, dass Sané beim DFB-Team wie bei den Bayern ein Sorgenkind darstellt. Auch Süle hatte den 25-Jährigen zuvor im Spiel angebrüllt und Sané wirkte im Trainingslager isoliert - und ab und zu fast lustlos.

Es sind klare Parallelen zu seinem ersten Jahr bei den Bayern zu erkennen. Er ließ sein Potenzial zwar immer wieder aufblitzen, seine Einstellung, seine Mentalität und sein Defensivverhalten waren allerdings immer wieder Kritikpunkt - bei Medien, Fans, Mitspielern und Trainer Hansi Flick.

Das ist auch der Grund dafür, dass Babbel mit seiner scharfen Kritik nicht alleine dasteht. Das wurde in der Runde des EM-Doppelpass schnell deutlich.

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Reif und Basler üben Kritik

"Bei seiner Qualität, die er hat, zeigt mir Sané einfach zu wenig in der Offensive oder in den entscheidenden Situationen", sagte SPORT1-Experte Mario Basler. Wegen Sanés großartiger Fähigkeiten und seines Speeds sieht er einen Platz in der Startelf allerdings als alternativlos an. Daher findet sich Sané auch in Baslers Wunsch-Elf für die EM.

"Wenn er seine Schnelligkeit und seine Technik auf den Platz bringt, muss er nur zwei, drei gute Aktionen haben, die würden mir in der Offensive schon reichen, weil er damit auch ein oder zwei Tore vorbereiten oder selbst schießen kann", glaubt der 30-malige Nationalspieler.

SPORT1-Experte Marcel Reif ist vor allem Sanés Unzuverlässigkeit ein Dorn im Auge. "Bei seinem Renommee muss er verlässlicher sein. Es muss ein Tiefstniveau geben, unter das er nicht kommen darf. Am Ende geht es um ein Team, das als Einheit dasteht. Sie versuchen es immer wieder und sie mögen ihn. Er ist ja kein falscher Fuffziger. Er muss eben auch mal verlässlich zurückzahlen", kritisierte die Kommentatoren-Legende.

Reif hält Sané zudem für keinen sonderlich guten Schüler: "Pep Guardiola hat bei ihm aufgegeben, sonst wäre Sané jetzt nicht bei den Bayern. Er hat ihn mit einem fröhlichen Lächeln ziehen lassen. Er war ihm nicht lernfähig genug."

Stellt sich die Frage, ob Sané bei Joachim Löw zuhört und lernt.

Löw sieht Verbesserungen bei Sané

"Dass es mal einen Disput gibt, das möchte ich ja auch", sagte der Bundestrainer zu den neuerlichen Unstimmigkeiten rund um Sané bei der Pressekonferenz am Sonntag: "Die Spieler müssen reden, wir wollen kritische und lautstarke Einforderungen auf dem Platz. Das ist Kommunikation, das ist normal. Es ist wichtig, dass Spieler zu anderen was sagen und Wachsamkeit einfordern."

Im Umkehrschluss kann man also davon ausgehen, dass auch Löw bei Sané in manchen Situationen die nötige Wachsamkeit und Einstellung vermisst. Er stellt aber auch klar, dass sich der Flügelflitzer in dieser Hinsicht verbessert hat:

"Er hat im letzten Jahr gelernt, dass er nachgehen und defensiv arbeiten muss. Leroy ist offensiv schnell und kann gut dribbeln. Er ist ein anderer Spieler wie ein Emre Can, der immer mit dem Körper arbeitet. Jeder muss aber Defensivarbeit machen. Das ist eine Voraussetzung. Wenn Fehler passieren, dann muss ich nachgehen. Da hat er sich verbessert und das ist erfreulich."

Löw hatte Sané für die WM 2018 überraschend nicht nominiert. Nun hat er womöglich einen neuen Weg gefunden, wie er mit dem hochtalentierten Sorgenkind umgehen kann. Der Bundestrainer weiß, dass ein motivierter Sané jederzeit den Unterschied ausmachen kann. Die Ansprache ist daher von größter Bedeutung.

Das sieht auch Kevin-Prince Boateng so, der Sané laut eigener Aussage gut kennt. Es gebe Spieler, "da musst du draufhauen. Andere musst du streicheln. Und es gibt wieder andere, für die musst du eine Vaterfigur sein. Wenn es bei Leroy so aussieht, als wäre er lustlos, dann ist vielleicht irgendwas nicht in Ordnung", sagte der erfahrene Starspieler der Bild am Sonntag.

Er empfiehlt, "sich mit ihm hinzusetzen und zu fragen, was das Problem ist, anstatt draufzuhauen. Denn er ist wirklich ein Spieler, der ein Spiel alleine entscheiden kann."

Man kann sich sicher sein, dass Löw dieses Gespräch sucht oder bereits gesucht hat. Dann ist Sané an der Reihe - der Druck auf ihn wächst. Er muss bei der EM zeigen, dass er sich mit einer guten Einstellung und einem aufopferungsvollen Kampf in ein Team einfügen kann. Das Turnier ist für die Karriere des gebürtigen Esseners richtungsweisend. Das gilt nicht nur für die Nationalmannschaft.

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