Werder hat es leider nicht anders verdient

Matthias Becker
Sport1

Es war ein Bild des Jammers, das Florian Kohfeldt nach der Niederlage von Werder Bremen bei Mainz 05 abgab.

Verzweiflung im Gesicht, die Arme schlenkerten umher, immer wieder wendete sich Kohfeldt beim Interview zur Seite, griff sich an den Kopf. Der ganze Kerl die pure Verzweiflung.

Wenn am kommenden Samstag kein Wunder geschieht, wird Werder zum zweiten Mal aus der Bundesliga absteigen. Und leider hat es der Klub nicht anders verdient.

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Das klingt hart – und tut auch weh. Wer in den 80er-Jahren mit dem Fußball groß geworden ist, verbindet mit den Bremern vor allem positive Erinnerungen. Ein Verein der schönen Fußball spielte, spektakuläre Flutlicht-Dramen auf internationaler Bühne aufführte und Symphatieträger wie Wynton Rufer, Thomas Schaaf oder Ailton hervorbrachte. Und dem es gelang, Titel zu gewinnen und sich als Gegenpol zum übermächtigen FC Bayern zu inszenieren.

Es ist noch nicht so lange her, da war der SV Werder die zweite Kraft im deutschen Fußball, spielte dauerhaft in der Champions League und zog in ein Europapokalfinale ein (2009 verlor man das letzte UEFA-Cup-Finale gegen Schachtjor Donezk).

Doch die glorreichen Zeiten sind lange vorbei. Dass ausgerechnet in dieser Saison die 40 Jahre andauernde Ära von Werder in der Bundesliga wahrscheinlich enden wird, ist besonders bitter. Hatte man vor der Saison unter dem Eindruck von Platz 8 vor einem Jahr sogar mit einem Platz unter den Top 6 geliebäugelt.

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Die Werte eines Absteigers

Sportlich gesehen ist der Abstieg aber alternativlos. Die Bremer haben im eigenen Stadion desaströse sechs Punkte geholt. Nur aufgrund ihrer Auswärtsstärke und der Schwäche von Fortuna Düsseldorf haben sie mit mickrigen 28 Punkten überhaupt noch eine Chance, den Relegationsplatz zu erreichen.

Schon jetzt ist klar, dass Werder die schlechteste Saison der Vereinsgeschichte spielen wird, seit 13 Spieltagen in Folge steht der Klub auf einem Abstiegsplatz und hat schon 68 Gegentore kassiert, so viele wie seit der Abstiegssaison vor 40 Jahren nicht mehr. Es sind schlicht und ergreifend die Werte eines Absteigers.

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Coach Kohfeldt bekam trotz der sportlichen Misere von der Vereinsführung immer Rückendeckung. Die eklatante Schwäche beim Verteidigen von Standardsituationen konnte er seinem Team aber in all der Zeit nicht austreiben. Ob ein Trainerwechsel den Absturz wirklich verhindert hätte, ist letztlich aber auch nur Spekulation.

Am Ende wird es am kommenden Samstag traurige Bilder aus Bremen geben, auch wenn keine Zuschauer im Stadion sind. Werders Abstieg wird ein Verlust für die Liga sein, ein bedeutender Einschnitt in ihrer Geschichte – aber eben doch verdient.

Wenn nicht doch noch das allergrößte aller Werder-Weser-Wunder geschieht.

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