Werners Berufung ins DFB-Team: Der Lohn harter Arbeit

Die Aufstellungen der beiden Mannschaften sind bekannt. Deutschland setzt auf den Debütanten aus Leipzig im Sturm. Im Tor steht ein Barca-Legionär.

Timo Werner hat noch nie einen Tropfen Alkohol getrunken, wenn die Jungs feiern gehen, ist er der Fahrer. Zu den schwäbischen Weinbergen hat er dennoch eine besondere Beziehung - dort scheuchte ihn sein Vater schon seit seiner Kindheit hinauf: "Bis zum Erbrechen."

Dies wird dem erstmals für die Nationalmannschaft nominierten Stürmer zuletzt geholfen haben, als er unverhofft das Schnellabhärtungs-Programm für junge Fußballer durchlitt. Mit einer ganz üblen Schwalbe im Spiel gegen Schalke 04 hat er sich das allerdings selbst eingebrockt.

Die Beschimpfungen hat der 21-Jährige ertragen. Dass er auch noch für einen verhassten Kommerzverein wie RB Leipzig spielt, verstärkte die Empörung noch. "Ich habe mehrfach mitgeteilt, dass ich einen Fehler gemacht habe", betonte der pfeilschnelle Werner nun in der Welt am Sonntag genervt: "Ich finde, dass man damit nicht allzu hysterisch umgehen sollte."

Zumindest Joachim Löw scheint ganz gelassen zu sein. Der Bundestrainer fand großen Gefallen an Werners Spielweise, an der weinberggestählten Laufstärke und den bisher 14 Bundesliga-Treffern. "Potenzial zur Weltklasse" habe Werner gar.

Für Timo Werner ist verfrühter Lorbeer kein Grund zur Aufregung. Schließlich ist er jüngster Doppeltorschütze der Bundesliga, jüngster Spieler mit 100 Bundesliga-Einsätzen und in so ziemlich jeder Kategorie jüngster Spieler des VfB Stuttgart.

In der Schule musste er als 17-Jähriger für Fünftklässler posieren. In Stuttgart wurde er schnell zum "neuen Mario Gomez" hochgejubelt - seit Dienstag sitzt er mit ihm im DFB-Bus. Ein Traum wird wahr.

Mit Gomez verbindet ihn auch eine Erfahrung: Jene, in der Flaute zum Chancentod niedergeschrieben zu werden. "Ich habe eine negative Seite des Fußballs erlebt", berichtet er, "aber ich wusste, dass es wieder besser wird."

Red Bulls Weg in die Nationalmannschaft

Das wurde es. In Leipzig "habe ich den Abschluss wiedergefunden", sagt Werner, niemand ist bei RB zu finden, der nicht Hymnen auf den jungen Mann singen würde. Werner habe eine unglaubliche Mentalität, sagt Trainer Ralph Hasenhüttl: "Er ist im Sturm die beste Aktie im deutschen Fußball."

Löw hofft auf eine weitere Kurs-Explosion. Und auch Red Bull. Der Energy-Drink-Gigant hat die Liga dank Leipzig längst im Sturm erobert, Werner öffnet ihm nun auch die Tür ins Allerheiligste: Er wird wohl der erste deutsche Nationalspieler für RasenBallsport.

Premiere ausgerechnet in Dortmund?

In der Öffentlichkeit ist Timo Werner glatt, Privates über ihn ist selten zu erfahren. Erst muss immer die Leistung stimmen. Auch das ist eine Lehre der Tage im Weinberg. Bescheiden betont er: "Wenn ich mein erstes Länderspiel machen darf, ist das eine Riesenehre."

So wird es am Mittwoch gegen England (20.45 Uhr im LIVE-TICKER) wohl kommen. In Dortmund, wo die deutschlandweite Anfeindung gegen das Leipziger Fußball-Projekt im Februar überkochte. Timo Werner war nicht dabei, er ahnt jedoch, dass ihn nicht die pure Begeisterung tragen wird. "Ich weiß nicht, ob jetzt der perfekte Zeitpunkt ist, aber ich muss damit umgehen; egal, was passiert", sagt er.

Dabei kommt ihm zugute, Zeitungsartikel über seine Person generell zu ignorieren.

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