Jetzt erntet Werner sogar schon Mitleid

Maximilian Lotz
·Lesedauer: 3 Min.
Jetzt erntet Werner sogar schon Mitleid
Jetzt erntet Werner sogar schon Mitleid

Ungläubig sank Timo Werner in die Hocke.

Die Hände auf den Rasen gestützt, verharrte der Stürmer mit gesenktem Haupt für einige quälend lange Sekunden im Fünfmeterraum der Nordmazedonier.

Und am liebsten wäre Werner wohl im Boden versunken. Denn statt 2:1 stand es nach jener denkwürdigen Szene in der 80. Minute weiter 1:1, nach fünf weiteren Minuten hieß es 1:2 und die peinliche Pleite in der WM-Qualifikation gegen den Außenseiter Nordmazedonien war perfekt.

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Werners vergebene Großchance stand damit sinnbildlich für einen verkorksten Abend der deutschen Nationalmannschaft. "Er macht sich selbst die größten Vorwürfe. Normalerweise macht er so eine Chance", sagte Bundestrainer Joachim Löw, der mit den Händen in den Hüften an der Seitenlinie stand und seinen Augen kaum trauen konnte. (SERVICE: Die Tabelle der WM-Qualifikation)

Löw: Werner-Fehlschuss "war ein Knacks für die Mannschaft"

"Das war ein Knacks für die Mannschaft, dass wir die Chance ausgelassen haben. Wir müssen das aufzeigen und darüber sprechen", ergänzte Löw.

Die internationale Presse ging mit dem deutschen Angreifer hart ins Gericht. Die englische Daily Mail schrieb beispielsweise von "einem schrecklichen Fehlschuss". Das Konkurrenzblatt Daily Mirror wurde noch deutlicher: "Deutschland wurde von Nordmazedonien gedemütigt, als Timo Werner einen todsicheren Ball auf klägliche Art und Weise verschoss."

Die Szene war zugleich bezeichnend für Werners momentane Formkrise. Dabei schien der Angriff wie gemalt für einen erlösenden Befreiungsschlag. Nach einem Pass von Serge Gnabry war Ilkay Gündogan plötzlich frei durch, Werner lief sich im Zentrum gut frei, der Querpass kam perfekt, Werner musste eigentlich nur noch einschieben. Eigentlich. Denn mit dem linken Fuß traf er den Ball nicht richtig, das Spielgerät hoppelte rechts am Tor vorbei.

Von den Kollegen hallten umgehend "Weiter, Timo!"-Rufe durch das Duisburger Stadion. (SERVICE: Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

Gündogan: "Tut mir leid für Timo"

"Das tut mir leid für Timo. Er ist derjenige, der das Tor am allermeisten machen will", sagte Gündogan bei RTL.

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Ein Tor im DFB-Dress hätte Werner sicherlich gutgetan. Zumal der 25-Jährige in den WM-Qualifikationsspielen seinen Stammplatz eingebüßt hatte. Nach zwei zwölf-, und 13-minütigen Kurzeinsätzen gegen Island und Rumänien durfte Werner nun immerhin über eine halbe Stunde ran.

Doch der Ex-Leipziger nutzte nicht nur seine eine Großchance nicht, er blieb auch sonst blass. Werner kam nur auf zehn Ballaktionen und verlor seine einzigen beiden Zweikämpfe.

Werner auch beim FC Chelsea in einer Formkrise

Werners Formkrise, die ihn zuletzt auch beim FC Chelsea begleitete, setzte sich damit nahtlos in der Nationalmannschaft fort. Für rund 53 Millionen Euro war Werner aus Leipzig an die Stamford Bridge gewechselt, doch die hohen Erwartungen konnte er bislang nicht erfüllen - weder unter Frank Lampard, noch unter dessen Nachfolger Thomas Tuchel.

Seine bisherige Saisonbilanz ist für einen Stürmer überschaubar: In 28 Premier-League-Spielen gelangen ihm fünf Tore und acht Assists, in 14 Einsätzen in diesem Kalenderjahr gelang ihm nur ein Treffer.

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"Die Zeit, in der ich nicht getroffen habe, war die schlimmste meiner Karriere, weil ich noch nie so viele Chancen verpasst habe", sagte Werner kürzlich. Er sei in seiner Karriere "nie so lange ohne Tor geblieben". Von Ende November bis Mitte Februar wartete Werner bei den Blues zwischenzeitlich auf einen Treffer - für einen Stürmer eine Ewigkeit.

Sein letztes Tor für die Nationalmannschaft bejubelte Werner ebenfalls im November, beim 3:1 gegen die Ukraine. (SERVICE: Spielplan & Ergebnisse der WM-Qualifikation)

Nach dem Fehlschuss vom Mittwoch wird seine Durststrecke im DFB-Dress mindestens bis Anfang Juni weitergehen, wenn die letzten Tests vor der EM anstehen. Bis dahin sollte Werner seine Formkrise in den Griff kriegen, sonst dürften für ihn auch die Gelegenheiten, seine Flaute in der Nationalelf zu überwinden, schwinden.