Widerstand gegen Rekord-Reform formiert sich - "Werde jeden juristische Wege nutzen"

SID
Widerstand gegen Rekord-Reform formiert sich - "Werde jeden juristische Wege nutzen"

Der Reformplan zur Änderung der internationalen Leichtathletik-Rekordlisten ruft teilweise heftigen Widerstand hervor. Al Joyner, Witwer der 1998 verstorbenen 100- und 200-m-Weltrekordhalterin Florence Griffith-Joyner, will im Fall einer Zurücksetzung der Weltrekorde rechtliche Mittel prüfen. Die Bestmarken von "Flo-Jo" von 10,49 Sekunden (100 m) und 21,34 (200 m) aus dem Jahr 1988 sind bis heute unerreicht.
"Das entehrt meine Familie. Ich werde mich mit Händen und Füßen dagegen wehren", sagte der Dreisprung-Olympiasieger von 1984 dem Wall Street Journal: "Ich werde jeden juristischen Weg nutzen, den ich finden kann. Ich werde dafür kämpfen, als ob ich für eine olympische Medaille trainieren würde."
Zustimmung gab es dagegen von der Niederländerin Dafne Schippers. "Jeder weiß, dass die 1980er Jahre nicht die besten Jahre der Leichtathletik waren. Und viele Rekorde sind aus dieser Zeit", sagte die Weltmeisterin und Europarekordlerin über 200 m der Daily Mail: "Es wäre gut, wenn wir diese Zeit hinter uns lassen könnten."
Zuvor hatten sich Rekordhalter aus Großbritannien gegen den vom europäischen Leichtathletik-Verband EAA vorgestellten Plan gewehrt. Marathon-Weltrekordlerin Paula Radcliffe hatte erklärt, ihr Ansehen werde dadurch "beschädigt" und sie fühle sich durch das Vorhaben "verletzt". 
Colin Jackson, Inhaber des Hallen-Weltrekords über 60 m Hürden, erklärte in der BBC: "Sie wollen Erinnerungen stehlen." Auch Steve Cram, Europarekordler über 2000 m und über die Meile, äußerte Kritik: "Es wird nichts verändern. Es wird die Leute nicht davon abbringen, zu betrügen."
Das Council der EAA hatte sich am Wochenende für eine neue Rekordliste auf europäischer Ebene ausgesprochen. Der Vorschlag soll auch auf Weltrekorde ausgeweitet werden, eine entsprechende Entscheidung könnte auf dem Kongress des Weltverbandes IAAF im August fallen. IAAF-Präsident Sebastian Coe hat bereits angekündigt, den Plan zu unterstützen.
Nach dem Willen der EAA sollen die bisherigen Bestleistungen in eine Art historische Liste überführt werden, aber nicht mehr als aktuelle Rekorde gelten. Hintergrund ist, dass laut EAA viele Bestleistungen unter Dopingverdacht stehen und die Vergleichbarkeit mit heutigen Leistungen nicht gegeben sei.
Zudem sollen neue Kriterien gelten, damit ein Rekord in Zukunft anerkannt wird. Unter anderem muss der Athlet im Vorfeld eine Mindestanzahl von Trainingskontrollen absolviert haben, die Dopingproben beim entsprechenden Wettbewerb müssen für Nachtests zehn Jahre eingefroren werden. 
Ob derzeit bestehende Rekorde, die bereits jetzt den zukünftigen Kriterien entsprechen, weiter bestehen bleiben könnten, wurde noch nicht entschieden. Vor dem Jahr 2005 aufgestellte Rekorde erfüllen die Kriterien allerdings nicht.








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