Die einen mehr, die anderen weniger: Wie viel verdienen die Deutschen?

Willy FlemmerFreier Autor für Yahoo
Yahoo Finanzen

Das Durchschnittsgehalt in Deutschland steigt. Andererseits ist die Schere zwischen Arm und Reich noch immer groß. Auch ist die Verdienstlücke zwischen den Geschlechtern noch nicht geschlossen. Wir zeigen, wie es hierzulande mit den Gehältern steht.

Symbolbild: Getty Images
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Macht Geld glücklich oder unglücklich? Auf jedenfalls beruhigt es die Nerven. "Valuta anstatt Valium", sagte der deutsche Mediziner und Aphoristiker Gerhard Uhlenbruck zu dem Thema. Das ist ein Grund, warum die Verdienstmöglichkeit bei der Entscheidung junger Menschen für ein Studium oder eine Ausbildung, eine Branche oder einen Beruf eine wichtige Rolle spielt. Doch wie viel verdienen Arbeitnehmer hierzulande im Durchschnitt eigentlich? Muss man studiert haben, um am Ende des Monats genug Geld auf dem Konto zu haben? Hat die Region, in der man arbeitet, eine Auswirkung auf die Höhe des Gehalts? Gibt es ihn noch und wenn ja, wie hoch ist der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen? Nachfolgend beantworten wir diese und andere Fragen.

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Das Durchschnittsgehalt der Deutschen

Die gute Nachricht: Das Durchschnittsgehalt steigt in Deutschland kontinuierlich. Laut dem Statistischen Bundesamt verdiente ein vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer im Jahr 2019 im Schnitt 3994 Euro brutto im Monat. Das sind mehr als 100 Euro im Vergleich zum Vorjahr, als es ein Vollzeit-Arbeitnehmer auf 3880 Euro brutto gebracht hatte. Im Jahr 2008 lag das durchschnittliche Bruttogehalt bei 3103 Euro. Sonderzahlungen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld hat das Amt für diese Statistik nicht berücksichtigt.

Wie viel ein vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer in Deutschland verdient, hängt von mehreren Faktoren ab. (Symbolbild: Getty Images)
Wie viel ein vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer in Deutschland verdient, hängt von mehreren Faktoren ab. (Symbolbild: Getty Images)

Die Reichen und die Armen

Weniger erfreulich ist die Tatsache, dass die Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland nach wie vor groß ist. Das Durchschnittsgehalt ergibt sich eben aus Gehältern unter und solchen über dem Mittelwert. Dabei gibt es deutlich mehr Menschen, die weniger als solche, die mehr verdienen. Laut dem Statistischen Bundesamt hatten in 2014 zwei von drei vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmern (63 Prozent) ein unterdurchschnittliches Gehalt, bei nur einem Drittel (37 Prozent) lag der Verdienst über dem Wert. Das Besondere: Dieses eine Drittel habe "so hohe Verdienste, dass der Durchschnittswert für alle Beschäftigte 'nach oben' gezogen" wurde, so das Amt.

Die Wessis und die Ossis

Auch das Lohngefälle zwischen West- und Ostdeutschland ist noch lange nicht geebnet. Laut den Experten des Statistischen Bundesamtes verdiente 2019 ein vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer im Westen durchschnittlich 54.550 Euro brutto im Jahr – einschließlich Sonderzahlungen. Im Osten lag der Bruttojahresverdienst bei 41.534 Euro. Dort kriegt ein Vollzeitbeschäftigter also nur drei Viertel des Gehalts im Westen.

Ärzte verdienen unter den Akademikern am meisten. (Symbolbild: Getty Images)
Ärzte verdienen unter den Akademikern am meisten. (Symbolbild: Getty Images)

Die Akademiker

Es ist keine große Erkenntnis, dass Akademiker in Deutschland mehr verdienen als Beschäftigte mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung. 2014 kamen Akademikerberufe auf ein Bruttostundengehalt von durchschnittlich 27 Euro. Arbeitnehmer mit einer Berufsausbildung brachten es auf 16 Euro. Unter den Hochschulabsolventen verdienen die Ärzte am meisten, die Götter in Weiß werden mit einem Bruttogehalt von 92.300 Euro im Jahr auch göttlich entlohnt. Das berichtet die Zeitung Welt unter Berufung auf eine Analyse des Jobportals Stepstone. Auf Platz zwei der bestverdienenden Akademiker befinden sich mit einem jährlichen Bruttogehalt von 76.400 Euro Vermögensberater, Controller und andere Finanzexperten. An dritter Stelle liegen Juristen, die es im Schnitt auf 70.000 Euro bringen.

Die Ausgebildeten

Aber auch in so manchem Ausbildungsberuf lässt sich reichlich Geld verdienen. Zu den Spitzenverdienern in diesem Bereich zählen zum Beispiel die Fluglotsen. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit verdienen Vollzeitbeschäftigte in diesem Arbeitsfeld zwischen 6400 und 8900 Euro brutto im Monat. Es ist ein stattliches Gehalt für eine ebenso komplexe wie verantwortungsvolle Arbeit. Um Fluglotse zu werden, braucht es Abitur und fließende Englischkenntnisse. Außerdem müssen Bewerber einen anspruchsvollen Auswahltest bestehen.

Frauen verdienen auch in Deutschland weniger als Männer. (Symbolbild: Getty Images)
Frauen verdienen auch in Deutschland weniger als Männer. (Symbolbild: Getty Images)

Die Branchen

Akademiker verdienen mehr, Beschäftigte mit einer Berufsausbildung weniger – so einfach ist die Sache dann doch wieder nicht. Denn auch die Branche ist für die Höhe des Verdienstes ausschlaggebend. Die lukrativsten Branchen waren laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2019 die "Energieversorgung", "Information und Kommunikation" sowie "Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen". Hier hätten Vollzeitbeschäftigte im Monat durchschnittlich zwischen 5137 und 5393 Euro brutto verdient. Am anderen Ende des Spektrums befindet sich das Gastgewerbe, wo Arbeitnehmer letztes Jahr mit 2451 Euro entlohnt wurden.

Die Lücke zwischen den Geschlechtern

Auch das ist eine ernüchternde Erkenntnis des Statistischen Bundesamts: Der Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen in Deutschland wird nur schleichend geringer. Im Jahr 2019 haben Frauen 20 Prozent weniger verdient als Männer. Das ist nur ein Prozentpunkt unter den Werten der Jahre 2016 bis 2018. Im Schnitt wurden Frauen im vergangenen Jahr mit 17,72 Euro brutto in der Stunde entlohnt, Männer brachten es auf 22,16 Euro. Als Gründe für die noch immer nicht bereinigte Gender Pay Gap nennen die Statistiker unter anderem, dass deutlich mehr Frauen als Männer in Teilzeit und in Minijobs beschäftigt sind. 2018 war fast jede zweite erwerbstätige Frau (47 %) im Alter von 20 bis 64 Jahren in Teilzeit tätig. Unter den Männern betrug der Anteil 9 Prozent.

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