Wie zwielichtige Unternehmer von der Corona-Angst profitieren

Willy FlemmerFreier Autor für Yahoo
Yahoo Finanzen

Mit der Ausbreitung des Coronavirus steigt die Nachfrage nach Hygieneartikeln wie Mundschutz und Desinfektionsmittel. Manche zwielichtige Unternehmer wittern in der Angst vor der Infektionskrankheit das große Geschäft.

Das Geschäft mit Hygieneprodukten wie Gesichtsmasken und Desinfektionsmittel blüht in Zeiten von Coronavirus. (Bild: Getty Images)
Das Geschäft mit Hygieneprodukten wie Gesichtsmasken und Desinfektionsmittel blüht in Zeiten von Coronavirus. (Bild: Getty Images)

Mit der Angst vor dem Coronavirus steigt auch die Zahl jener, die aus der Infektionskrankheit Profit schlagen wollen. Das Angebot abseits des seriösen Handelns mit Hygieneartikeln reicht von zwielichtigen Unternehmern bis zu skrupellosen Spekulanten. Die Nachfrage nach Hygienemittel lässt ihr Kalkül aufgehen. Viele kaufen die begehrten Desinfektionsartikel, Atemschutzmasken, Einweghandschuhe und dergleichen Produkte zu marktüblichen Preisen auf und bieten sie zu Wucherpreisen meist im Internet an.

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Abzocke auf Online-Marktplätzen

Ein beliebter Online-Marktplatz für Spekulanten ist auch Ebay. Auf dem Portal bietet ein Händler eine 1000 Milliliter-Flasche des Desinfektionsgels Sterillium von Hersteller Bode für 166 Euro an. Zum Vergleich: Der herkömmliche Preis liegt bei rund neun Euro, wie auch ein Twitter-User anmerkt. Sein Kommentar zu einem ähnlichen Online-Angebot: "Unfassbar. Das Geschäft mit der Angst. Nehmt Wasser und Seife. Ist billiger."

Auch auf dem Onlinemarkt von Amazon finden sich entsprechende Hygieneartikel zu horrenden Preisen. Dort verkauft etwa der Händler Hartmann eine 500 ml Flasche Sterillium für 39,99 Euro. Einige Nutzer sind empört. "Da sollte sich der Verkäufer schämen", schreibt ein User. "Die Bevölkerung hat Angst vor der Epidemie durch den Corona Virus. Der Verkäufer ....." Als Reaktion auf die Wucherangebote hat Amazon Medienberichten zufolge zahlreiche Hygieneprodukte aus dem Sortiment genommen.

Wer in Drogerie-Märkten und in Apotheken vor leeren Regalen steht und wem die Preise auf den Online-Märkten zu hoch sind, kann sein Glück auf Flohmärkten versuchen. Auf einem Markt im hessischen Griesheim wurde auch ein Twitter-Nutzer fündig. Eine 500 ml Flasche Sterillium und die gleiche Menge des Desinfektionsmittels Becillol verkaufte ein Händler dort für 15 Euro.

Kriminelle am Werk

Das Geschäft mit Corona ruft nicht nur zwielichtige Geschäftsleute auf den Plan, die sich mit ihren unternehmerischen Praktiken in der ethischen und gesetzlichen Grauzone bewegen. Auch etliche offenkundige Kriminelle wollen mit der Angst vor der Infektionskrankheit das Geschäft ihres Lebens machen.

Einige lässt die Gier sogar in Krankenhäusern einbrechen, wo sie Hygieneartikel stehlen. In einem Krankenhaus in Sulingen (Kreis Diepholz) haben Diebe die Tage nach Polizeiangaben 1.200 Mundschutzmasken entwendet. Sie dürften bald auch auf dem einen oder anderen Floh- und Schwarzmarkt auftauchen. Auch die Universitätsklink Münster meldet einen ähnlichen Fall.

So unmoralisch bis kriminell manches Geschäftsgebaren ist, so überzogen ist vielfach die Reaktion auf das Coronavirus. Experten mahnen zur Ruhe. Zumal Desinfektionsmittel, Atemschutzmasken und ähnliche Hygieneartikel nicht zwingend notwendig sind zum Schutz vor der Infektionskrankheit. Das bestätigte auch Dr. Jürgen Gebel vom Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. "Im Grunde, wenn keine Kranken im Haushalt sind, reicht eine normale Reinigung", sagt er. "Da braucht man kein Desinfektionsmittel."

Unser Appell

Daher auch unser Appell an alle Menschen, die sich wegen des Coronavirus Sorgen machen: Versuchen Sie auf die begründete Angst vor der Infektionskrankheit nicht irrational zu reagieren. Hören Sie lieber auf die Meinung von Experten, bevor Sie Opfer von Spekulanten werden, die mehr als Ihre Gesundheit Ihr Geld interessiert. Denn es gibt Menschen, die aufgrund von Erkrankungen aber auch altersbedingt auf Desinfektionsmittel dringend angewiesen sind.


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