Warum sich Willi Weber und Michael Schumacher wirklich getrennt haben

Christian Nimmervoll
motorsport.com

Mehr als 20 Jahre lang war Willi Weber Manager von Michael Schumacher. Doch 2010, als der siebenmalige Weltmeister mit Mercedes nach dreijähriger Pause in die Formel 1 zurückgekehrt ist, war Weber nicht mehr an seiner Seite. Schumacher managte sich von da an selbst und legte seine Betreuung immer stärker in die Hände von Medienberaterin Sabine Kehm.

Weber hatte eigentlich noch bis 2014 einen Vertrag als "Mister 20 Prozent" von Schumacher, wie er in einem Interview mit 'motorsport.com' verrät. Der wahre Grund, warum sich die beiden zumindest auf geschäftlicher Basis getrennt haben, war bisher nur wenigen bekannt. Jetzt packt Weber über seine Sicht der Dinge aus.

Zwei Faktoren haben eine Rolle gespielt, so erklärt es der 78-Jährige. Erstens: Weil er das Comeback für einen schweren Fehler gehalten hat. "Mit Verlaub gesagt: Das war, auch im Nachhinein gesehen, das Dümmste, was er machen konnte", so Weber in einem Highlight-Clip aus dem exklusiven Interview, das am Freitagabend als YouTube-Premiere veröffentlicht wurde.

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"Mir hat er gesagt, ihm ist langweilig, er muss fahren. Dann sag' ich: 'Michael, was willst du? Du kannst nur verlieren. Du kannst nicht mehr gewinnen. Du hast alles gewonnen. Du bist der beste Rennfahrer der Welt. Du stehst auf dem höchsten Sockel, den es überhaupt gibt. Du kannst jetzt nur noch verlieren.'" Aber: "Er wollte einfach nicht hören."

Weber: Keine Lust mehr auf Koffer packen und Jetlag

"Das Zweite war", sagt Weber über die Trennung, "dass ich nach den Jahren der Abstinenz in der Formel 1 nicht mehr Koffer packen wollte, keinen Jetlag mehr haben wollte, nicht mehr 24 Stunden im Flieger sitzen wollte. Das war mir alles zu viel. Ich hab' mir das alles vorgestellt und hab' ihm angeboten, dass ich keine Überseerennen mitmache, sondern ich betreue ihn in Europa."

"Dann kam er immer wieder und hat gesagt: 'Willi, ich hab's mir überlegt, ich tu' mich allein managen. Ich mach das alles selber.' Da hab' ich gesagt: 'Michael, auch das ist ein Riesenfehler. Lass es sein!' 'Nein, nein, ich mach das. Wenn du nicht mitgehst, dann mach ich das selber.'"

Weber soll dann, sagt er, vorgeschlagen haben: "Wenn du unbedingt möchtest, lass uns als Freunde auseinandergehen." Schumacher zog das Comeback durch; Weber war anfangs noch beim einen oder anderen Rennen dabei, zog sich dann jedoch komplett aus der Formel 1 zurück. "Ich hab' ihm das Allerbeste gewünscht, was es gibt. Aber ich wusste auch, dass es in die Hose geht", sagt er.

Weber: Verhältnis zu Schumacher blieb trotz Trennung intakt

Schumacher schaffte in den drei Jahren bei Mercedes immerhin noch eine Pole-Position (Monte Carlo 2012, wegen Strafe auf P5 zurückversetzt) und einen Podestplatz (Valencia 2012). An den Glanz vergangener Tage konnte er aber nicht anknüpfen. In der Fahrer-WM blieb er dreimal hinter seinem damaligen Teamkollegen Nico Rosberg.

Weber sieht sich zwar in seiner Einschätzung, Schumacher vom Formel-1-Comeback abgeraten zu haben, bestätigt. Genugtuung empfindet er deswegen aber nicht. Und sein Verhältnis zu Schumacher habe darunter auch nicht gelitten: "Ganz im Gegenteil", sagt er. Man habe sich weiterhin "oft gesehen" und "viel telefoniert". Über andere Themen, abseits der Formel 1 ...

Ein knapp 20-minütiger Highlight-Clip aus dem exklusiven Interview mit Willi Weber über Michael Schumacher ist seit Freitagabend unter anderem auf dem YouTube-Kanal von Motorsport-Total.com verfügbar. Das komplette Interview über rund eine Stunde wird am 26. Juni im Rahmen des Formel-1-Podcasts Starting Grid veröffentlicht.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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