“Vollblutrussin”: Wimbledons schlimmster Alptraum

Als Reaktion auf den Krieg in der Ukraine hatte Wimbledon Spieler aus Russland und Belarus ausgeschlossen. Nun gewinnt ausrechnet eine gebürtige Moskauerin das Turnier.

“Vollblutrussin”: Wimbledons schlimmster Alptraum
“Vollblutrussin”: Wimbledons schlimmster Alptraum

Genau dieses Szenario sollte im Tennis-Mekka von Wimbledon verhindert werden.

Als Reaktion auf den russischen Angriff auf die Ukraine hatte der veranstaltende All England Lawn Tennis and Croquet Club allen Spielern aus Russland und Belarus die Startberechtigung entzogen.

Selbst Daniil Medvedev, aktuell die Nummer eins der Welt, war von der harten Entscheidung betroffen. Dieser zeigte jedoch Verständnis für die „verzwickte Situation“.

Die größte Angst der Wimbledon-Organisatoren war es, dass das britische Königshaus einer Sportlerin oder einem Sportler aus Russland oder Belarus die Trophäe überreichen muss - und dies zu Propagandazwecken ausgenutzt wird.

Wimbledon erlebt Worst-Case-Szenario

Genau so ist es nun gekommen!

Im Einzel-Wettbewerb der Frauen hat mit Jelena Rybakina eine Spielerin gewonnen, die zwar für Kasachstan startet, aber in Moskau geboren ist, deren Eltern noch dort wohnen und die selbst in der russischen Hauptstadt noch ihren Lebensmittelpunkt haben soll. Dafür würde sprechen, dass sie laut dem britischen Sportjournalisten Sam Street immer noch Einkommenssteuer in Russland bezahlt.

Und die jetzt auch eine Wimbledon-Trophäe ihr Eigen nennen darf - überreicht von niemand Geringerem als Kate Middleton, Duchess of Cambridge, Ehefrau von Prinz William. Laut Street dürfte es sich dabei um den „schlimmsten Alptraum“ für Großbritannien handeln.

Jelena Rybakina hat nichts falsch gemacht

Um das trotzdem zu betonen: Rybakina selbst hat nichts falsch gemacht. Die 23-Jährige startet bereits seit 2018 für Kasachstan. In der Öffentlichkeit steht sie auch zu ihrer neuen sportlichen Heimat. Diese habe ihr damals die wirtschaftlichen Voraussetzungen geboten, um Profitennis zu spielen.

„Ich habe lange Zeit für Kasachstan gespielt. Sie haben an mich geglaubt. Es besteht kein Zweifel daran, wie ich mich fühle, und ich habe bereits als Kasachin an den Olympischen Spielen teilgenommen“, erklärte sie auf einer Pressekonferenz während Wimbledon auf Nachfrage zu ihrer Nationalität.

Somit gehört sie nicht zu den russischen Athleten, die aufgrund der aktuellen Sanktionen wegen des Ukrainekriegs auf andere Nationalitäten ausgewichen sind. In Wimbledon startete unter anderem Natela Dzalamidze im Doppel. Die 29-Jährige - wie Rybakina ebenfalls in Moskau geboren - wechselte in den georgischen Verband, um in London antreten zu können.

Fans reagieren auf Erfolg Rybakinas

Und dennoch: Bei den Fans hinterlässt Rybakinas Erfolg einen faden Beigeschmack. „Es ist eine Ironie des Schicksals, dass ein Turnier, an dem Russen nicht teilnehmen dürfen, von einer in Moskau geborenen Vollblutrussin gewonnen wird“, erklärte ein Fan bei Twitter.

Ein anderer schlug in dieselbe Kerbe: „Rybakina: Geboren in Moskau. Lebt in Moskau. Trainiert in Moskau. Lol!!!!“

Russland vereinnahmt den Erfolg für sich

Mehr als die Tweets werden sich die Veranstalter jedoch an der Reaktion von Schamil Tarpischtschew, dem Präsidenten des russischen Tennisverbands RTF, stören. Dieser hatte Rybakina bereits zum Einzug ins Endspiel gratuliert. „Sie ist unser Produkt. Natürlich liegt uns etwas an ihr“, sagte er gegenüber der russischen Nachrichtenagentur RIA und fügte hinzu: " Es ist ganz natürlich (dass sie Kasachstan wegen des Geldes gewählt hat, Anm. d. Red.). Irgendwann waren die finanziellen Probleme für sie gelöst. Jeder hat das Recht, seine eigene Entscheidung zu treffen. Wir werden sie unterstützen. Viel Glück.“

Nach dem Finaltriumph meldete er sich erneut zu Wort. „Das ist so toll! Gut gemacht, Rybakina! Wir haben Wimbledon gewonnen“, zeigte er sich in einem staatlichen russischen Medienunternehmen euphorisch.

Worte, die die altehrwürdigen Lawn Tennis Championships erschüttern dürften.

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