Daunenjacken sind nachhaltiger als gedacht, doch es gibt einen Haken

Hannah KlaiberFreie Journalistin

Natürliche Daunen in Jacken und Mänteln sind nachhaltiger als Polyester, heißt es in einer neuen Analyse. Doch wie steht es um das Wohl der Tiere? Wir geben einen Überblick und stellen andere Alternativen vor.

Nicht nur Influencer wie Lisa Hahnbueck setzen im Winter auf wärmende Daunen. Doch welche Modelle können in Sachen Nachhaltigkeit und Tierwohl punkten? (Bild: Getty Images)
Nicht nur Influencer wie Lisa Hahnbueck setzen im Winter auf wärmende Daunen. Doch welche Modelle können in Sachen Nachhaltigkeit und Tierwohl punkten? (Bild: Getty Images)

Die Ergebnisse der Analyse klingen zunächst logisch: Natürliche Daunen, wie sie etwa für Winterjacken oder Kissenfüllungen verwendet werden, haben – betrachtet man den Lebenszyklus des Materials – eine 18-mal geringere Auswirkung auf den Klimawandel als Polyesterfüllungen. In den fünf Bereichen menschliche Gesundheit, Ökosysteme, Ressourcen, kumulierter Energiebedarf und Klimawandel haben die natürlichen Materialien demnach 85 bis 97 Prozent geringere Auswirkungen je Tonne als das synthetische Textil.

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Eruiert wurden diese Zahlen von Long Trail Sustainability, einem Unternehmen, das sich auf Ökobilanzen und Nachhaltigkeitsberichte spezialisiert hat. So weit, so glaubwürdig – allerdings ging das Unternehmen, das vom Handelsverband der Daunen- und Federindustrie (englisch: International Down and Feather Bureau, kurz IDFB) beauftragt worden war, ganz konkret auf die Unterschiede zwischen Daunen und Polyester ein. Ist das aus Sicht des Umweltschutzes nicht ein Vergleich zwischen Pest und Cholera?

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"Da Daunen eine natürliche Ressource sind, hatten wir einen positiven Einfluss auf die Umwelt erwartet", wird Stephen Palmer, Präsident des IDFB, von “Businesswire” zitiert. "Die Studie haben wir in Auftrag gegeben, um die Nachhaltigkeit von Daunen im Vergleich zu synthetischen Alternativen wie Polyester einer unabhängigen Prüfung zu unterziehen."

Der Verbrauchertrend gehe hin zu natürlichen und nachhaltigen Produkten und "entspricht genau dem Wertversprechen von Daunenprodukten." Untersucht wurde per Vergleich die Gegebenheiten von Aufzucht der Enten und Gänse bis hin zur Verarbeitung der Daunen hinsichtlich Energie-, Wasser- und Waschmittelverbrauchs. Bei der Analyse des Polyestermaterials wurde die Verarbeitung des Polyesters einschließlich Polymer Polyethylenterephthalat (PET), Wärme und Elektrizität berücksichtigt.

Tierwohl und Nachhaltigkeit gehen Hand in Hand

Allerdings: Tierschutzorganisationen wie der Welttierschutzgesellschaft e.V. zufolge geht Tierwohl Hand in Hand mit Nachhaltigkeit – das eine ist ohne das andere nicht möglich. Daunen, die häufig nebulös als sowieso entstehendes Neben- oder gar Abfallprodukt der Lebensmittelindustrie tituliert werden, stammen allerdings häufig von Tieren, die unter katastrophalen Bedingungen gezüchtet und aufgezogen wurden (Stichwort: Stopfleber und Lebendrupfung).

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Tierschützer empfehlen deshalb vegane Alternativen, die keinerlei tierische Produkte enthalten und aus innovativen Biostoffen oder recycelten Materialien hergestellt wurden. Stoffe wie Bio-Baumwolle, recyceltes Polyester (das ein Drittel weniger Co2-Emissionen als konventionell hergestelltes Polyester verursacht), Tencel bzw. Lyocell aus Eukalyptusholz, Kork, Leinen und Hanf müssen dabei dem Nachhaltigkeitsanspruch ebenso genügen wie den fairen Arbeitsbedingungen bei der Produktion.

Als Füllung ihrer Winterjacken verwenden nachhaltige Brands wie Bleed oder Thokkthokk gerne Kapok, auch Pflanzendaunen genannt, dessen Samen flaumige Hohlfasern enthalten und der Baumwolle ähneln. Auch auf umweltschädliche Imprägnierer sollte verzichtet werden: So ist besonders der Imprägnier-Stoff PFC, den viele Outdoor-Jacken enthalten, laut Umweltbundesamt kaum abbaubar und als gesundheitsschädlich einzuschätzen.

Zertifizierte Daunenjacken und -Mäntel gibt es mittlerweile von vielen bekannten Brands. (Bild: Getty Images)
Zertifizierte Daunenjacken und -Mäntel gibt es mittlerweile von vielen bekannten Brands. (Bild: Getty Images)

Recycling- oder zertifizierte Daunen

Wer nicht auf die wärmende Daune verzichten will, kann auch auf zertifizierte Varianten zurückgreifen. Brands wie Vaude, Fjällräven, The North Face und Mountain Equipment bieten diese rückverfolgbaren Daunen an und haben ihren eigenen Produktionen spezielle strenge Daunen-Kodexe (z.B. Downpass , RDS , Global TDS) auferlegt. Unter anderem Patagonia verwendet auch so genannte Recycling-Daunen, eine Mischung aus Gänse- und Entendaunen mit guter Füllkraft, die von Kissen, Bettwäsche und sonstigen Artikeln stammen, die nicht mehr weiterverkauft werden. Solche Daunen sind vom Hersteller gesondert gekennzeichnet und werden häufig mit recyceltem Polyester oder Nylon aus Fischernetzen kombiniert.

Die nachhaltigste Variante ist es sicherlich, seine bisherige Winterjacke noch eine weitere Saison zu tragen. Denn bei jeder Herstellung neuer oder auch recycelter Ware werden Wasser und Energie verbraucht sowie Stoffe verwendet, die die Umwelt belasten. Bewusster Konsum hilft der Umwelt am meisten.

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