WM-Referees über Sexismus: "Zu 90 Prozent von Frauen"

Das Warten hat ein Ende: Am heutigen Dienstag startet die Handball-Weltmeisterschaft in Polen und Schweden (11. bis 29. Januar) - und auch ein deutscher Traum wird dann bald in Erfüllung gehen.

Erstmals sind bei dem Turnier die aus Baden-Württemberg stammenden Tanja Kuttler und Maike Merz als Schiedsrichterinnen im Einsatz.

Handball-WM: Deutsche Schiedsrichterinnen vor Premiere

Die Schwestern hatten unlängst bereits das WM-Testspiel zwischen Deutschland und Island (30:31) geleitet, womit zum ersten Mal ein Heimspiel der deutschen Männer von Frauen gepfiffen wurde.

Nun steht mit der Premiere bei einer Männer-Endrunde also der nächste Karriere-Höhepunkt bevor.

Eigentlich ein Grund zur Freude - dennoch beklagen Kuttler und Merz im Vorfeld des Turniers Ungleichbehandlung zwischen den Geschlechtern - zumindest war es bisher so.

Dem Mannheimer Morgen berichtete Kuttler von ihrem beschwerlichen Weg: „Uns wurden zu Beginn viele Steine in den Weg gelegt, da brauchen wir kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Es wurde uns schlichtweg nicht zugetraut, den Weg bis ganz nach oben zu gehen.“

Viel Widerstand gegen Tanja Kuttler und Maike Merz

Eine Aussage, die Merz bekräftigt: „Als wir begonnen haben, waren Frauen an der Pfeife nicht der Normalfall, sondern eine Ausnahme. Wir waren Exotinnen. Wenn wir in eine Halle reingekommen sind, mussten wir uns häufiger etwas anhören.“

Sexistische Sprüche von Spielern oder Trainern gab es dabei zwar noch nie, wie das seit vier Jahren in der Bundesliga und seit 2008 überhaupt pfeifende Duo der Sportbild verriet.

Aber: „Von Zuschauern kommt da eher etwas“, sagte Merz. „Da hört man mal: ‚Geht lieber wieder an den Herd!‘ Kurioserweise zu 90 Prozent von Frauen.“

Mittlerweile habe sich jedoch einiges entwickelt und die Situation sei eine andere, betonte Kuttler im Mannheimer Morgen: „Es hat sich sehr viel zum Guten verändert.“

„Öffnete vielen Funktionären die Augen“

„Wir empfinden es als Wertschätzung unserer Arbeit, für diese WM nominiert worden zu sein“, so Kuttler.

„Ganz viele Funktionäre wollten uns einfach schützen“, meinte Kuttler in der Sportbild über die Vergangenheit. „Die haben diesen riesigen medialen Druck gesehen, dem man in den hohen Männer-Ligen als Schiedsrichterinnen ausgesetzt sein würde. Sie hatten Angst, dass wir daran zerbrechen.“

Eigeninitiative brachte schließlich doch die ersehnte Beförderung: „Wir fragten forsch nach, warum andere Kollegen trotz vergleichbarer Leistung an uns vorbeizogen. Das öffnete vielen Funktionären die Augen“, meinte Merz.

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