WM-Sensation! Kult-Opa Lim schreibt Geschichte

Christian Paschwitz
·Lesedauer: 5 Min.

Seine Fan-Gemeinde hatte es ihm so gewünscht - und sie wurde belohnt fürs Daumendrücken: Kultspieler Paul Lim hat bei der Darts-WM 2021 für eine neuerliche Sensation gesorgt. (Darts-WM von 15. Dezember bis 3. Januar LIVE im TV auf SPORT1, im LIVESTREAM und LIVETICKER)

Der inzwischen 66 Jahre alte "Singapore Slinger" bot im Erstrunden-Match seiner nunmehr 25. Weltmeisterschaft einer bemerkenswerte Energieleistung und warf nach einem 3:2-Thriller den Engländer Luke Humphries aus dem Turnier.

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Darts-Opa Lim, der vor drei Jahren in der ersten Runde den zweimaligen WM-Halbfinalisten Mark Webster ausgeschaltet hatte, triumphierte am Ende auch dank seine Nervenstärke - trotz insgesamt schwacher Checkout-Quote (11 von 36 Versuchen / 30 Prozent im Vergleich zu 23 Prozent bei Humphries).

Weil auch sein Widersacher am Ende in Double Trouble geriet und Lims Scoring ordentlich blieb (Drei-Darts-Average von 89 zu 92), gab es tatsächlich ein Happy End für den Asiaten, der am Dienstag nun auf Dimitri Van den Bergh (Belgien) trifft. (Spielplan und Ergebnisse der Darts-WM 2021)

Zur Erinnerung: 1990 hatte Lim, damals schon 36 Jahre alt, das allererste perfekte Spiel (mit neun Darts von 501 auf 0) bei einer Weltmeisterschaft gespielt - bis heute der einzige Neun-Darter bei einer WM der BDO (British Darts Organisation). Für diesen Erfolg erhielt er damals ein Bonus-Preisgeld in Höhe von 52.000 Pfund und damit mehr als doppelt so viel wie der spätere Turniersieger Phil Taylor (24.000 Pfund).

Kultspieler Paul Lim schafft Sensation gegen Humphries

"Du darfst niemals aufgeben, ich habe immer an mich geglaubt", sagte Lim hinterher bei SPORT1. "Erfahrung ist auch wichtig, doch es kommt auch auf die Tagesperformance an." (Statistiken zu Luke Humphries gegen Paul Lim)

Dabei hatte Humphries lange Zeit einen Tick stärker gewirkt, schien auch mental stabil, nachdem sein seit 1973 aktiver Kontrahenten nach zuvor bereits drei ausgelassenen Möglichkeiten im dritten Durchgang ein frühes Break schaffte, danach auch den Satz eintütete und viel Druck aufbaute.

"Cool Hand Luke", im Vorjahr bis ins WM-Viertelfinale eingezogen, blieb fokussiert, konterte mehrmals. Dann allerdings setzte Lim unter anderem mit einer gelöschten 121 (20, T17, Bullseye) ein weiteres Achtungszeichen, packte nach einem 14-Darter (bei erstem Matchdarts gegen sich) tatsächlich den Satzausgleich.

Somit geriet das Match vollends zum Thriller und nahm immer dramatischere Züge an: Humphries ging in Führung, hatte im zweiten Leg ein Dutzend Chancen davonzuziehen - um schließlich doch mit leeren Händen dazustehen.

Irre, wie die Nummer 34 der Welt es dabei im vorletzten Leg mit elf (!) Pfeilen verpasste, die 8 auszuchecken. Umso mehr strahlte dafür Lim am SPORT1-Mikrofon: "Schade nur, dass die Fans nicht anwesend waren. Ich habe sie auch vermisst."

Van Duijvenbode bremst Brooks noch aus

Zuvor hatten sich Bradley Brooks und Dirk van Duijvenbode einen Krimi geliefert: Der erst 20 Jahre alte Engländer Brooks lag bei seiner Turnier-Premiere angesichts einer 2:0-Satzführung bereits auf Siegeskurs und durfte von einem Duell mit Ex-Weltmeister Rob Cross träumen. (Statistiken zu Bradley Brooks gegen Adam Hunt)

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Doch am Ende drehte van Duijvenbode den Spieß noch um und triumphierte mit 3:2, nachdem er gegen den Junioren-Weltmeister, der sich auch schon für den Grand Slam of Darts qualifiziert hatte, neun Legs in Folge gewann.

Ausschlaggebend war nicht zuletzt, dass "The Titan" seinen Drei-Darts-Average am Ende auf 93 steigerte, während "Bamm Bamm" Brooks von 110 im ersten Durchgang mit der Zeit immer mehr schwächelte, auch nervlich der Aufholjagd seines Kontrahenten nicht mehr viel entgegen zu setzen hatte.

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John Henderson wiederum verbuchte einen mühevollen 3:2-Sieg gegen Marko Kantele. (Statistiken zu John Henderson gegen Marko Kantele)

Der "Highlander" aus Schottland machte sich dabei selbst das Leben schwer, brachte sich mit einem schwachen Checkout vor allem im zweiten Durchgang (nur 2 von 15) immer wieder in Double Trouble (insgesamt 13 von 40), ehe das Weiterkommen klar war, wo es nun gegen Jonny Clayton aus Wales geht.

Auch ein sehr ordentlicher Average von mehr als 91 (gegenüber 79) brachte kaum wirkliche Sicherheit gegen den Finnen Kantele. Symptomatisch, dass Henderson erst den vierten Matchdarts auf die Doppel 12 nutzen konnte.

James Wade lässt nichts anbrennen

Kurzen Prozess machte dagegen James Wade bereits in der 2. Runde:

Im Duell mit Callan Rydz ließ der Halbfinalist von 2009, 2012 und 2013 die Muskeln spielen, erteilte seinem englischen Landsmann eine 3:0-Lehrstunde. (Statistiken zu James Wade gegen Callan Rydz)

Hughes: Erster gesetzter WM-Spieler raus

In der Nachmittagssession hatte Jamie Hughes gegen Lisa-Ashton-Bezwinger Adam Hunt (alle England) als erster gesetzter Spieler die Segel streichen müssen.

Der Nordire Mickey Mansell war beim 3:0 über Haupai Puha (Neuseeland) in mehrfacher Hinsicht historisch aufgetrumpft, verlor kein einziges Leg - ein kompletter Whitewash war bis dato in der WM-Historie nur 31 Mal gelungen, darunter Legende Phil Taylor und Dominator Michael van Gerwen.

Die Spiele am Freitag im Überblick (alle Best of 5 Sets):

Abendsession:

1. Runde:
Dirk van Duijvenbode (Niederlande) - Bradley Brooks (England) 3:2
John Henderson (Schottland) - Marko Kantele (Finnland) 3:2
Luke Humphries (England) - Paul Lim (Singapur) 2:3

2. Runde:
James Wade (England) - Callan Rydz (England) 3:0

Nachmittagssession:

1. Runde:
Mickey Mansell (Nordirland) - Haupai Puha (Neuseeland) 3:0
Darius Labanauskas (Litauen) - Chengan Liu (China) 3:0
Wayne Jones (England) - Ciaran Teehan (Irland) 3:2

2. Runde:
Jamie Hughes (England) - Adam Hunt (England) 0:3