Wolf wehrt sich gegen Groener: "Was sind professionelle Bedingungen?"

SID
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Nach dem enttäuschenden siebten Platz der deutschen Handballerinnen bei der EM in Dänemark mehrt sich der Unmut der Vereine über die Forderung von Bundestrainer Henk Groener nach professionellen Strukturen in Deutschland. "Viele Vereine haben sich in den letzten 20 Jahren enorm weiterentwickelt und arbeiten hochprofessionell", sagte Renate Wolf, Geschäftsführerin und langjährige Trainerin des Bundesliga-Rekordmeisters Bayer Leverkusen, dem SID: "Eine Trainerdiskussion Groener interessiert mich nicht, aber die Kritik an der Arbeit der Vereine lasse ich mir nicht gefallen."

Groener hatte nach der EM im Gespräch mit dem Portal Sport4Final erklärt, man habe zu viele Spielerinnen, die "nicht tagtäglich im Training oder Spiele auf höchstem Niveau spielen". Das will Renate Wolf nicht so stehen lassen: "Im EM-Kader waren fast ausschließlich Spielerinnen aus Bietigheim, Dortmund, Metzingen und dem Ausland, die alle Champions League oder European Cup spielen. Trainieren die schlecht? Spielen die schlecht?"

Zudem sei die einzige, die sich in der Partie gegen Kroatien gegen die Niederlage gestemmt habe, Rückraumspielerin Julia Maidhof gewesen, die vor ihrem kürzlichen Wechsel nach Bietigheim "sechs Jahre lang von Trainerin Heike Ahlgrimm in Bensheim geformt wurde". In Deutschland, so Wolf, sei es nun mal so, dass eine Spielerin vom Frauenhandball allein nicht leben könne: "Aber obwohl alle studieren oder arbeiten, trainieren wir in Leverkusen neunmal pro Woche. Was genau sind denn für Henk Groener professionelle Bedingungen?"

Auch das Argument Corona lässt Wolf nicht als Entschuldigung für das schwache Auftreten der deutschen Mannschaft bei der EM gelten. "Corona ist ja kein deutsches Problem", sagte die frühere Nationalspielerin: "Kroatien ist eben wegen einiger Coronafälle im Team mit einer B-Auswahl angereist und hat trotzdem gegen uns gewonnen. Das ist alles eine Frage der Einstellung."

Vor Wolf hatte sich bereits Herbert Müller, Trainer des siebenmaligen deutschen Meisters Thüringer HC, ähnlich geäußert und fehlenden "Siegeswillen und Mentalität" im deutschen Team ausgemacht: "Als es in der Hauptrunde darauf ankam, unsere Matchbälle für das Halbfinale zu verwandeln, haben wir alles vermissen lassen."

Wolf fordert von Groener vor allem ein wenig Selbstkritik: "Ein Trainer muss sich immer an Ergebnissen messen lassen. Außerdem wäre Selbstkritik in seiner Position durchaus hilfreich im Hinblick auf die künftige Zusammenarbeit mit den Vereinen."