Der Wolff-Flüsterer: Wie Gislason seinen Keeper hungrig macht

Christian Paschwitz
·Lesedauer: 3 Min.
Der Wolff-Flüsterer: Wie Gislason seinen Keeper hungrig macht
Der Wolff-Flüsterer: Wie Gislason seinen Keeper hungrig macht

Wahrscheinlich hat Alfred Gislason nach Schlusspfiff, als die entsprechenden Fragen kamen, ganz tief drinnen mal wieder in sich hineingelacht und sich seinen Teil gedacht.

Jaja, entgegnete der Bundestrainer ziemlich lässig, wie er denn seinen Schlussmann Andreas Wolff erlebt habe bei dem Gala-Auftritt der deutschen Handball-Nationalmannschaft, die nach dem 36:27 (22:12)-Kantersieg gegen Slowenien das Olympia-Ticket fast sicher hat.

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"Andi hat überragend gehalten. Das war ein großes Plus und hat uns das Leben leichter gemacht", meinte Gislason. In der Tat parierte Wolff grandios, nachdem der 30-Jährige bei dem Qualifikationsturnier für die Spiele in Tokio tags zuvor beim Remis gegen Vizeweltmeister Schweden (25:25) überraschend außen vor geblieben war.

"Das war auch ein bisschen Zocken von mir", gab Gislason zu und sprach von einer "schlaflosen Nacht". (NEWS: Alles zum DHB-Team)

EM-Qualifikation: Deutschland besiegt Slowenien

Ob man Letzteres dem Bundesttrainer abnehmen durfte, sei nun mal dahingestellt. Zu lange kennen sich der 61-Jährige und Wolff schließlich aus gemeinsamen wie erfolgreichen Zeiten beim THW Kiel - und wissen miteinander umzugehen.

Zur Erinnerung: Auch beim Eröffnungsspiel der am Ende wenig ruhmreichen Weltmeisterschaft unlängst gegen Uruguay hatte Gislason seinen Schlussmann kurzzeitig ausgebootet, um ihn dann in der Partie darauf wieder zwischen die Pfosten einrücken zu lassen.

"Ich kenne Andi ja nun gut genug", hatte der Isländer seinerzeit erklärt und von seinen Erfahrungen mit Wolff gesprochen - was denn zum Beispiel passiert, "wenn er auf einen etwas unorthodoxen Gegner trifft, und dann kullert ein Ball irgendwie bei ihm rein, dann fängt er an, sich zu ärgern. Und dann sollte man ihn besser schonen."

Worte, die davon zeugen, dass Gislason ("Er hat es locker aufgenommen, er ist ein Weltklassetorhüter") zu dem 30 Jahre alten Bartträger, inzwischen in Diensten beim polnischen Topclub Vive Kielce, offenbar ein ganz besonderes Verhältnis pflegt.

Keeper Wolff nach Zwangspause überragend

Und ihn damit durchaus wieder zu kitzeln vermag, was Trotzreaktion und Leistungsvermögen angeht.

Gislason als Wolff-Flüsterer: Nach seiner Zuschauerrolle gegen Schweden glänzte der Torwart im Duell mit dem EM-Vierten Slowenien nun mit einer überdurchschnittliche Quote, wie von 27 Würfen zehn abgewehrte belegten, darunter auch ein gehaltener Siebenmeter.

"Die Slowenen sehen da wohl nur noch 'nen roten Pullover", hatte Ex-Nationalspieler Sven-Sören Christophersen bereits in der Halbzeit-Analyse im ZDF gewitzelt.

Wolff legte damit das Fundament zum vielleicht besten Länderspiel des seit Jahren, ließ die Auswahl des Deutschen Handball-Bunds (DHB) über ein 5:5 (10. Minute) auf 11:6 in Richtung Sieg davonziehen.

Gislason stellt auch Innenblick erfolgreich um

Nicht zuletzt pushten sich der Keeper und die davor veränderte Abwehr mit Hendrik Pekeler und Johannes Golla im Innenblock gegenseitig - auch da drückte Gislason also die richtigen Knöpfe, drehte erfolgreich an personellen Stellschrauben.

Der Flensburger Golla hatte vor THW-Routinier Patrick Wiencek überraschend den Vorzug bekommen - und erhielt mit seinem Kollegen viel Lob. "Sie haben das überragend gemacht", sagte Teammanager Oliver Roggisch, "heute passt alles."

Wenn es morgen (ab 15.45 Uhr im LIVETICKER) im abschließenden Duell gegen Außenseiter Algerien, das am Samstagabend Schweden mit 25:36 unterlag, bereits ein Unentschieden gibt, ist sowieso alles in Butter: Für Gislason, Wolff und allem voran den deutschen Handball.