Der Wunderheiler von der Stamford Bridge

Fabian Schreiner
·Lesedauer: 4 Min.
Der Wunderheiler von der Stamford Bridge
Der Wunderheiler von der Stamford Bridge

Acht Siege, drei Unentschieden: Die Bilanz von Thomas Tuchel beim FC Chelsea liest sich seit seinem Amtsantritt Ende Januar beeindruckend.

In der Champions League verschafften sich die Blues durch ein 1:0 bei Atlético Madrid zudem eine gute Ausgangsposition im Kampf um den Einzug ins Viertelfinale.

Der jüngste Höhepunkt: der 2:0-Heimsieg gegen den FC Everton. Es war das fünfte Heimspiel für Tuchel und zum fünften Mal stand hinten die Null. Damit sorgte der Deutsche für einen neuen Rekord. Doch damit nicht genug. (Die Tabelle der Premier League)

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Nur Maurizio Sarri (12 Spiele mit Chelsea in der Saison 2018/2019) und Frank Clark (11 Spiele mit Nottingham Forest 1994/1995) haben ihre Premier League-Trainerkarriere mit einer längeren Serie begonnen als Tuchel. Die nächsten Gegner heißen Leeds, West Bromwich, Crystal Palace und Brighton. Gut möglich, dass Tuchel auch da einen neuen Rekord aufstellt.

Dank Tuchel: Chelsea ist wieder ein Spitzenteam

Unter Tuchel hat sich Chelsea von einer zuvor verunsicherten Mannschaft zu einem absoluten Spitzenteam entwickelt.

Lob gibt es deshalb auch von Chelsea-Legende Ashley Cole, der etwa nach dem Sieg in Liverpool sagte: "Für mich war es eine der besten Leistungen, die ich von Chelsea je gesehen habe, gerade im Hinblick auf Spieleröffnung, Mut, Ruhe bei Ballbesitz." (Spielplan und Ergebnisse der Premier League)

In seinen Augen hätten die Spieler Tuchel "sehr schnell verstanden. Er ist sehr klar in seinen Vorstellungen. Es ist ein anderer Stil als Frank Lampard ihn hatte, allerdings mit demselben Personal. Es ist der deutsche Stil. Sie machen so viel Druck, dass das zu dem Ergebnis führt, dass der Gegner nur hinterherrennt."

Für Tuchel hatte zunächst die Defensive Priorität. Er kehrte zu einem 3-4-2-1 zurück. Diese Formation ist bereits bei einigen Spielern wie Marcos Alonso, Kurt Zouma, Cesar Azpilicueta und N'Golo Kanté vertraut gewesen. Denn Antonio Conte ließ in der Saison 2016/2017, als Chelsea zuletzt Meister wurde, oftmals mit diesem System spielen.

Chelsea kassierte erst zwei Tore unter Tuchel

In elf Spielen kassierte Chelsea lediglich zwei Gegentreffer. Seit Tuchel da ist, hat kein Torhüter in den Top-5-Ligen Europas so oft zu null gespielt wie Edouard Mendy, der insgesamt sieben Mal seinen Kasten sauber hielt.

Außerdem hat sich die Intensität im Anlaufverhalten, die Genauigkeit in den Pressingmomenten sowie die defensive Staffelung bemerkenswert verändert. Auch wenn offensiv mit 13 Treffern noch durchaus Luft nach oben ist, sind auch da Fortschritte zu erkennen.

Tuchel versteht es, auch mal das System zu verändern. So agierte sein Team gegen Liverpool defensiver und lauerte auf Kontersituationen, was prima funktionierte. Gegen Everton wiederum dominierte Chelsea mit 65 Prozent Ballbesitz das Geschehen. Auch das hatte Erfolg.

Und wie schlagen sich eigentlich die drei Deutschen? Kai Havertz stand gegen Everton zum ersten Mal seit Ende Januar in der ersten Elf. Der ehemalige Leverkusener zahlte das Vertrauen prompt als vorderste Spitze zurück und überzeugte.

Havertz überzeugt beim Startelf-Comeback

"Ich war sehr zufrieden mit Kai. Wir haben ihm viel Vertrauen entgegengebracht und er hat seine Chance sehr gut genutzt. Er hat seine Rolle erfüllt und hat eine hervorragende Leistung gezeigt", lobte Tuchel seinen Schützling und fügte hinzu:

"Er ist ein Typ, der alle Qualitäten und alle Talente hat, um eine dominante Figur in der Offensive zu sein. Ich bin sehr zufrieden mit ihm und freue mich, dass er so eine Leistung wie heute Abend gezeigt hat, was meiner Meinung nach unterstreicht, was er in dieses Team einbringen kann."

Auch Antonio Rüdiger, der unter Lampard keine Beachtung mehr erhielt, hat sich zu einer festen Größe entwickelt und stabilisiert die Hintermannschaft. Tuchel gönnte ihm nun gegen Everton eine kleine Pause, denn zuvor stand der Innenverteidiger in jedem Premier-League-Spiel in der Startelf.

Und obwohl Timo Werner unter Tuchel erst einmal getroffen hat, zeigt auch seine Formkurve nach oben. Tuchel fordert und fördert den Torjäger, auch wenn es manchmal Kritik hagelt.

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Tuchel kritisiert Timo Werner

"Timo, wie lange spielst du noch links? Du spielst rechts. Du spielst seit einer Viertelstunde links. Ich verstehe es nicht", schrie Tuchel während der ersten Hälfte gegen Everton.

Doch genau durch dieses aktive und ehrgeizige Coaching weiß Tuchel auf der Insel zu gefallen - und hat innerhalb weniger Wochen zahlreiche neue Anhänger für sich gewonnen.