"Wurden zu Unrecht an den Pranger gestellt"

Rasmus Godau
Sport1

Am kommenden Samstag startet auch der VfL Wolfsburg in ein neues Kapitel der Vereinsgeschichte. 

Beim FC Augsburg wird der Werksklub zum ersten Geisterspiel zu Gast sein. Für die Wölfe geht es im außergewöhnlichen Schlussspurt der Saison um einen internationalen Startplatz. 

Sportdirektor Marcel Schäfer, der jüngste Sportdirektor der Bundesliga, freut sich auf die Wiederaufnahme des Spielbetriebs. Der 35-Jährige weiß aber auch um die Gefahr der Situation.

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Im Interview mit SPORT1 erzählt Schäfer von den Ängsten der Spieler, der hohen Verantwortung des Fußballs und den weiteren Verlauf der Saison.

Marcel Schäfer über:

... den Bundesliga-Restart:

"Wir haben uns sehr gefreut, dass die Bundesliga wieder losgeht und wir endlich wieder unter Wettkampfbedingungen trainieren dürfen. Im Moment ist der einzige Wermutstropfen, dass wir ohne Zuschauer spielen müssen. Das ist aber alles, was möglich ist. Die vergangenen Wochen waren für uns alle sehr schwierig. Jetzt geht es dahin, dass erste Lockerungen unter gewissen Einschränkungen vorgenommen werden. Dem ist eben in der Bundesliga auch so und deswegen freuen wir uns."


... die Kritik aus Bremen oder Mainz über die unterschiedliche Handhabung:

"Dass es immer Kritiker gibt und gewisse Sachen diskutiert werden, kann ich natürlich verstehen. Nur war es in den vergangenen Wochen so, dass man oftmals aus meiner Sicht zu Unrecht an den Pranger gestellt wurde. Der Fußball hat deutlich klargestellt, dass er keine Sonderrolle in Anspruch nehmen möchte. Auch, dass wir alles, was es an Regeln und Maßnahmen gibt, bestmöglich einzuhalten versuchen. Wir haben das beim VfL Wolfsburg hervorragend gemacht. Alle haben hier toll mitgezogen. Das war natürlich viel Aufwand und viel Arbeit unter solchen Einschränkungen.  In so einer Ausnahmesituation darf man sich selbstverständlich Gedanken machen, wie man darauf reagiert und wie es mit dem Fußball weitergehen kann. Das hat der Fußball getan. Auch das wurde teilweise kritisiert – und das fand ich nicht immer ganz fair."

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... die hohe Verantwortung der Spieler und Mitarbeiter: 

"Diese Zeit ist sehr geprägt von Verantwortung, Disziplin und gegenseitiger Rücksichtnahme, vor allem gegenüber der etwas älteren Bevölkerung. Das betrifft ja nicht nur den Fußball, auch wenn wir in der Öffentlichkeit stehen. Es betrifft derzeit alle Menschen. Keine Frage, wir haben in der Öffentlichkeit dabei eine Vorbildfunktion. Der sind wir uns auch bewusst und der wollen wir gerecht werden. Bis heute hat der VfL Wolfsburg und fast die ganze Liga das sehr gut umgesetzt."


"Sorgen sind mehr als berechtigt"

... Sorgen innerhalb der Mannschaft:

"Aktuell sind Sorgen natürlich mehr als berechtigt. Man versucht, Antworten zu geben und zu unterstützen, wo man kann. Aber bei manchen Fragestellungen können wir höchstens eine Empfehlung geben, weil selbst sogenannte Experten keine schlüssige Antwort darauf geben können. Das gibt diese Zeit nun einmal so her. Wir versuchen für die Spieler, deren Familien und die Mitarbeiter so gut es geht da zu sein. Wir informieren sie über viele Schritte und Dinge regelmäßig. Damit wollen wir ein Bewusstsein erschaffen, was diese Situation erfordert und mit sich bringt."


... den weiteren Verlauf der Saison:

"Was das Virus betrifft, bin ich kein Experte. Ich bin einer, der Dinge umsetzt. Der Spieltag ist fixiert. Ich versuche die Maßgaben so zu handhaben, dass wir den Spielbetrieb wieder aufnehmen dürfen. Dafür bin ich zuständig. Wir versuchen unsere Spieler so zu sensibilisieren, dass wir unsere gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen und auch die nächsten sechs bis acht Wochen in großer Vorsicht bestreiten müssen, um die Gefahr einer Ansteckung deutlich zu minimieren. Insbesondere auch, weil das für unsere Spieler die eine oder andere Konsequenz hätte."

... mögliche fünf Auswechslungen:

"Grundsätzlich ist der Fußball gut aufgestellt, wie er ist. Unter diesen besonderen Umständen gehen wir mit wenig Vorbereitung in den Bundesliga-Neustart. Wir hatten lange Zeit kein Mannschaftstraining, geschweige denn Spiele und Wettkampfbedingungen. Das ist für alle komplett neu. Zumindest das ist für alle gleich. Gleichzeitig kommen Gedanken an eine eventuelle höhere Verletzungsanfälligkeit auf. Deshalb ist der Gedanke an fünf Auswechslungen mehr als berechtigt."

 

 

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