Alles Show: Wie die UFC den Lesnar-"Eklat" inszenierte

Martin Hoffmann
Sport1
Daniel Cormier (r.) besiegte Stipe Miocic bei UFC 226 und forderte dann Brock Lesnar (2.v.l.) heraus
Daniel Cormier (r.) besiegte Stipe Miocic bei UFC 226 und forderte dann Brock Lesnar (2.v.l.) heraus

WWE-Star Brock Lesnar ist zurück bei der realen Kampfliga UFC - als Teil einer Inszenierung, die sich nicht hinter seinem aktuellen Arbeitgeber zu verstecken braucht.

Lesnar war vor Ort bei der Veranstaltung UFC 226 in Las Vegas, in deren Hauptkampf Halbschwergewichts-Champion Daniel Cormier das Schwergewicht Stipe Miocic um dessen Titel herausforderte.

Daniel Cormier knockt Stipe Miocic aus

Der 39 Jahre alte Cormier siegte durch K.o. in der ersten Runde, wurde damit zum zweiten Doppel-Champ nach Conor McGregor und forderte anschließend Lesnar auf, zu ihm in den Octagon-Käfig zu kommen.


Lesnar tat das, schubste Cormier und nahm schließlich das Mikrofon. Er beschimpfte diverse UFC-Stars und kündigte schließlich an, Cormier zu besiegen. Cormier - selbst übrigens großer Wrestling-Fan - antwortete, dass Lesnar sich vorsehen solle: Das Jahr 2010, als Lesnar selbst UFC-Schwergewichts-Champ war, sei lange vorbei. Lesnar wurde schließlich von UFC-Boss Dana White aus dem Käfig eskortiert.

Verwirrung um USADA-Status

Die Szenen wirkten durchchoreographiert und waren es auch: Schon vorab gab es Meldungen, dass die UFC Interesse daran hätte, Lesnar nach dem Cormier-Miocic-Match auftreten zu lassen.

Cormier und Miocic mussten also offensichtlich nicht nur auf ihr sportliches Aufeinandertreffen vorbereiten, sondern auch darauf, im Fall des Sieges hinterher mit Lesnar eine gute Show zu liefern.

Ersten Medienberichten zufolge sollte das Cormier-Lesnar-Duell im November steigen, bei einem UFC-Gastspiel im Madison Square Garden. Weiter hieß es, dass Lesnar sich schon vor einiger Zeit wieder beim Testpool der US-Anti-Doping-Agentur USADA angemeldet hätte - was Voraussetzung dafür ist, dass seine noch laufende Doping-Sperre nach dem annullierten Kampf gegen Mark Hunt 2016 rechtzeitig vorüber ist.

Der Wrestling Observer meldete nun aber, dass Lesnar noch nicht im Pool sei, also weder für den November noch für UFC 232 im Dezember verfügbar sei, sondern erst im kommenden Jahr.

Ein USADA-Vertreter lehnte am Samstag einen Kommentar dazu ab, es sei Lesnars Sache, den Stand der Dinge zu verkünden. Auch White behauptete bei der Pressekonferenz nach der Show nicht genau zu wissen, wie die Lage sei - was einigermaßen aberwitzig ist.

Brock Lesnar hat noch einen Kurzzeit-Deal mit WWE

Der 40 Jahre alte Lesnar ist seit April 2017 amtierender Universal Champion der Showkampf-Liga WWE, mit der er aber nur noch einen Kurzzeit-Deal hat. Es wird erwartet, dass er beim WWE SummerSlam 2018 am 19. August noch einmal dabei ist, gegen den Sieger des Extreme-Rules-Hauptkampfs zwischen Roman Reigns und Bobby Lashley antritt und verliert.

Allerdings ist auch möglich, dass Lesnar wie 2016 als Doppel-Jobber für UFC und WWE antritt und der Cormier-Lesnar-Fight als Duell der MMA- und Wrestling-Champions vermarktet wird. In beiden Ligen war er ein kommerzielles Zugpferd, beide profitierten vom Erfolg Lesnars in der jeweils anderen und pflegen zueinander gute Beziehungen.

Die UFC kann Lesnars Star-Power aktuell gut gebrauchen: Mit der sportlich abgestürzten und nun zu WWE gewechselten Ronda Rousey hat die Liga zuletzt ein großes Zugpferd verloren, auch die Zukunft von Conor McGregor ist nach seinem Box-Megafight gegen Floyd Mayweather ungewiss.

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