WWE zeigt Undertaker am Tiefpunkt: So half Triple H

Martin Hoffmann
Sport1

Der legendäre Undertaker, einer der größten Showkampf-Stars aller Zeiten - zusammengesunken Häufchen Elend hinter den WrestleMania-Kulissen.

Die neu angelaufenen WWE-Doku "Undertaker: The Last Ride" scheut nicht davor zurück, ihr wandelndes Denkmal in einem besonders wunden Moment, an einem Tiefpunkt seiner Karriere zu präsentieren.

In der ersten Folge der Serie ist zu sehen, wie der Taker - erdrückt von der psychischen Last seines dramatisch schiefgelaufenen Matchs gegen Brock Lesnar im Jahr 2014 - kaum in der Lage zu sein scheint, seinen nächsten großen Kampf über die Bühne zu bringen.

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WWE-Vorstand Paul Levesque alias Triple H, einer seiner größten Ring-Rivalen, richtete den "Dead Man" dann allerdings wieder auf und half, den Fight gegen Bray Wyatt bei WrestleMania 31 durchzuziehen - und sein Alterswerk bei WWE fortzusetzen.

Traumatische Erfahrung gegen Brock Lesnar

Hintergrund der denkwürdigen Szene: Der Taker (bürgerlich: Mark Calaway) hatte im Jahr zuvor bei WrestleMania XXX ein traumatisches Erlebnis erlitten.

Bei der Niederlage gegen Lesnar, die seinen berühmten "Streak", die Siegesserie bei der wichtigsten WWE-Show beendet hatte, erlitt der damals 49-Jährige eine erst nach dem Match erkannte schwere Gehirnerschütterung. Er musste ins Krankenhaus, hatte Gedächtnisprobleme, wusste zwischenzeitlich seinen Namen nicht mehr (nur noch den seiner Frau Michelle McCool) - und hat nach eigenen Angaben bis heute keine Erinnerung an den Kampf.


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"Ich habe mein Selbstvertrauen verloren", gestand der Taker schon Ende 2019 in einem viel beachteten Interview mit dem früheren WWE-Kollegen Stone Cold Steve Austin, mit den Tränen ringend.

Triple H richtete den Undertaker wieder auf

Wie mitgenommen der Taker tatsächlich war, wird in den nun offenbarten Backstage-Momenten offensichtlich. Vor seinem Comeback-Match gegen den aufstrebenden Wyatt läuft er sichtlich verunsichert durch die Katakomben, kauert am Boden, wirkt nicht bereit für seinen Auftritt.

Ein Freund und Weggefährte erkannte dann aber, was los war und fand die richtigen Worte zur richtigen Zeit: "Es war Triple H, der es richtig erkannt hat, wie ich von Selbstzweifeln zerfressen auf den Einmarsch wartete", berichtet der Taker.


"Es hat mich umgehauen", schildert Triple H die Szene aus seiner Sicht: "Das ist der verdammte Undertaker ("the fucking Undertaker"), es war schwer zu fassen, dass er solche Zweifel hatte."

Was Triple H dann sagte? "Hey, remember who the fuck you are." Erinnere dich, wer zur Hölle du bist.


Gegen Roman Reigns doch nicht "The Last Ride"

Die Worte verfehlten ihre Wirkung nicht - wohl auch deshalb nicht, weil Triple H die Stärken des Undertakers wie kaum ein anderer kennt: Der "Cerebral Assassin" war sein Gegner bei drei WrestleManias, speziell die dramatischen Kämpfe bei WrestleMania 27 und 28 2011 und 2012 gehörten neben den Matches mit Shawn Michaels in den Jahren zuvor zu den Höhepunkten des "Streak".


Nach dem Sieg über Wyatt folgten dann auch wieder bessere Zeiten - unter anderem zwei deutlich gelungenere Rückmatches gegen Lesnar. "Ich hatte mein Selbstbewusstsein zurück", erinnert sich der Taker, benennt aber auch die Kehrseite: "Es ist noch mehr Raubbau hinzugekommen."

Im Zentrum der ersten Last-Ride-Episode (seit heute zu sehen auf dem WWE Network) steht das Match, bei dem dieser Raubbau offensichtlicher denn je wurde: Der scheinbare Abschiedskampf gegen Roman Reigns bei WrestleMania 33 im Jahr 2017: In der Doku ist zu sehen, wie sich der damals vor allem unter heftigen Hüftschmerzen leidende Taker hinkend durch die Kulissen quält, fitgespritzt werden muss und wieder mit deprimierenden Gedanken kämpft, ob er nicht dabei sei zur "Parodie meiner selbst" zu werden.

Am Schluss der Folge ist zu sehen, wie der Taker nach dem Kampf gegen Reigns - zu diesem Zeitpunkt noch auf dem Standpunkt, dass es sein letzter war - hinter den Kulissen wieder auf Triple H trifft und ihn lange umarmt.

Unter anderem, weil der Taker sein Match gegen Reigns gründlich misslungen fand, gab es danach entgegen der vorherigen Planungen eine weitere Fortsetzung der Karriere - die bis heute anhält. Sie wird in den vier weiteren Last-Ride-Episoden Thema sein.

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