Yamaha-Doppelspitze am Freitag: "Rossi wird ein starker Gegner sein"

Juliane Ziegengeist
motorsport.com

Für das Yamaha-Werksduo endete der Trainingsfreitag der MotoGP in Jerez mit dem bestmöglichen Ergebnis: Maverick Vinales und Valentino Rossi belegten im Gesamtklassement die Plätze eins und zwei. Auf die Tagesbestzeit von 1:37.063 Minuten fehlten Rossi am Ende nur 0,142 Sekunden.

"Ich hatte heute ein gutes Gefühl, denn wir haben das Set-up des Motorrads geändert. Damit fühle ich mich wohler und kann besser fahren. Ich war schnell über die Distanz, aber auch auf der fliegenden Runde", bekundet der Italiener. Noch vor einer Woche lag er nach den ersten zwei Trainings nur auf Platz 13.

Scrollen, um mit dem Inhalt fortzufahren
Anzeige

Diesmal lief es deutlich besser. Was genau den Knoten platzen ließ, verrät Rossi nicht. Doch es wurde offensichtlich, dass er vor allem mit den Reifen besser zurechtkam. "Am Nachmittag haben wir uns auf die Arbeit mit gebrauchten Reifen konzentriert", sagt er. "Ich denke, die Streckenbedingungen sind in dieser Woche besser, also wird die Wahl des Reifens offener sein - zwischen soft und medium."

Yamaha-Duo überdenkt Reifenwahl nach Jerez 1

Vor einer Woche war der "Doktor" im Rennen mit soft-soft unterwegs. Am Freitag drehte er viele Runden mit dem harten Vorder- und dem Medium-Hinterreifen. Auf diese Kombi setzte auch Vinales am Nachmittag. Er gibt zu: "Ich habe viel über den weichen Hinterreifen nachgedacht. Gegen Ende des Rennens hatten wir damit Probleme."

Wie Rossi fuhr er vorne wie hinten soft - und wurde damit Zweiter. Für das zweite Jerez-Wochenende evaluiert er Alternativen. "Ich denke, der weichere Reifen hat das bessere Potenzial. Wir haben den Medium-Reifen aber heute Nachmittag unter Rennbedingungen getestet, um zu sehen, wie er sich verhält", erklärt Vinales. "Ich habe auch viel mit dem harten Vorderreifen gearbeitet."

Insgesamt zieht der Yamaha-Pilot ein positives Fazit des ersten Tages: "Ich spüre eine Verbesserung vom vergangenen Wochenende zu heute, insbesondere beim Rhythmus. Am Morgen ist mir eine gute Rundenzeit gelungen, und das relativ entspannt. Es war ein viel besserer Freitag als zuletzt."

Vinales studiert Quartararo - und umgekehrt

Am Nachmittag heftete er sich für einige Runden ans Hinterrad von Markenkollege Fabio Quartararo, der das erste Rennen in Jerez gewinnen konnte. "Ich habe versucht zu verstehen, wo seine und wo meine Stärken liegen. Es ist immer gut, andere schnelle Fahrer zu studieren", so Vinales, der auch die Telemetriedaten des jungen Franzosen fleißig analysiert. Quartararo stört das aber nicht.

"Ich kann auch mit seinen Daten spielen", sagt der Petronas-Pilot. "Ich kann sie checken, genauso wie die von Valentino oder Franco. Letzten Endes hat jeder die Daten des anderen. Für ein zweites Rennen auf derselben Strecke kann man ohnehin nicht wirklich irgendwelche Trümpfe ausspielen. Man muss das Rennen abwarten. Wir wissen, dass wir im Rennen stark sind und uns schnell anpassen können."

Im Freitagsklassement landete Quartararo zwar nur auf dem 13. Platz, zur Spitze fehlten ihm 0,829 Sekunden. Doch das lag vor allem daran, dass er es - anders als in vielen Sessions des Vorjahres - gar nicht auf die Bestzeit abgesehen hatte. "Für uns war der heutige Tag mehr wie ein Testtag", erklärt der 21-Jährige.

Jerez-Sieger der Vorwoche arbeitet an Feinheiten

"Wir haben verschiedene Dinge mit der Elektronik ausprobiert, weil wir von vergangener Woche wissen, dass unsere Basis gut ist. Morgen werden wir dann etwas mehr auf Zeitenjagd gehen und in FT4 letzte Feinheiten am Set-up vornehmen, um noch etwas mehr zu finden", schildert er den Fahrplan fürs Wochenende.

Nach seinem ersten Sieg direkt noch einmal auf dieselbe Strecke zurückzukehren, habe sich gut angefühlt, so der Franzose. Zumal er bestätigt, was auch Rossi sagt: "Für mein Empfinden war das Griplevel besser als in der Vorwoche. Das sieht man auch daran, dass ich meine beste Rundenzeit mit gebrauchten Reifen aufgestellt habe."

Wie das Yamaha-Werksduo konzentrierte er sich dabei auf den Medium-Hinterreifen: "Vergangene Woche haben wir ihn nur zusammen mit dem Medium-Vorderreifen probiert, und damit fühlte ich mich nicht so gut. Wir werden das in FT4 weiter testen, um zu sehen, welcher für das Rennen vielversprechender ist. Aber die Pace mit dem Medium-Hinterreifen war heute schon sehr gut."

Morbidelli mit besserem Gefühl als zuletzt

Um diese im Rennen umsetzen zu können, wird es auch auf einen guten Start ankommen. Der funktionierte trotz Holeshot Device beim letzten Mal mehr schlecht als recht. "Tatsächlich war mein Start im Rennen der schlechteste von allen, die ich im Laufe des Wochenende gemacht habe. Heute lief es schon wieder besser."

Quartararos Teamkollege Franco Morbidelli kommt noch nicht in den Genuss der Starthilfe. Der Italiener verrät aber: "Wir werden sie sobald wie möglich haben." Den Freitag in Jerez beendete er auf einem starken vierten Platz, nur 0,353 Sekunden von der Spitze entfernt. Entsprechend zufrieden lautet sein Fazit.

Franco Morbidelli beendete den Trainingsfreitag in Jerez als Vierter

Franco Morbidelli beendete den Trainingsfreitag in Jerez als Vierter <span class="copyright">Motorsport Images</span>
Franco Morbidelli beendete den Trainingsfreitag in Jerez als Vierter Motorsport Images

Motorsport Images

"Es war ein guter Freitag. Wir konnten das Gefühl im Vergleich zum vergangenen Wochenende sofort verbessern, was positiv ist. Ich habe mehr gepusht, weshalb andere Probleme zum Vorschein getreten sind, die wir morgen früh versuchen werden zu lösen. Es wird wichtig sein, direkt in Q2 einzuziehen und eine gute Runde im Qualifying zu fahren, sodass ich weniger Bikes vor mir habe", sagt Morbidelli.

Morbidelli schätzt Rossi als starken Gegner ein

Denn im Rennen vergangene Woche hatte er im Rennen vor allem mit dem Verkehr und überhitzenden Reifen zu kämpfen. An diesem Freitag wiederum haderte auf der Bremse: "In dem Bereich muss ich mich verbessern. Die anderen Yamahas scheinen auf der Bremse momentan besser zu sein."

Auf Rossis Steigerung im Vergleich zur Vorwoche angesprochen, zeigt sich Morbidelli wenig überrascht. "Wir wissen alle, dass er ein neunfacher Weltmeister ist und immer noch schnell sein kann", hält er fest. "Am vergangenen Wochenende hatte er mit der Abstimmung zu kämpfen, aber diesmal ist er sofort gut zurechtgekommen. Er wird an diesem Wochenende ein starker Gegner sein."

Weitere Co-Autoren: Lewis Duncan. Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

Lesen Sie auch