Youtube-Song von einem Notfallsanitäter trifft einen Nerv

Jennifer CaprarellaFreie Autorin

Felix Haehne ist meist als Erster beim Patienten - viel tun kann er allerdings nicht, bis der Notarzt da ist. Und das kann dauern. Rechtlich sind ihm die Hände gebunden, nicht einmal Schmerzmittel darf er verabreichen. DieseTücke seines Berufsstandes prangert er nun auf Youtube an.

Notfallsanitätern bewegen sich in ihrem Arbeitsalltag in einer rechtlichen Grauzone (Symbolbild: Getty Images)
Notfallsanitätern bewegen sich in ihrem Arbeitsalltag in einer rechtlichen Grauzone (Symbolbild: Getty Images)

“Der Krankenwagenbelademeister” heißt der Song, den Felix Peter mit seiner Ukulele auf Youtube singt. Die Akkorde sind simpel, Ton und Melodie fröhlich und beschwingt - doch der Text ist absolut ernst gemeint.

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“Guten Tag ich heiße Felix Peter/ Und ich bin heute Ihr Notfallsanitäter/ Der Notarzt kommt ne halbe Stunde später/ Und bis dahin unterhalten wir uns nett hier am Bett”, singt Felix Haehne - so heißt der singende Sanitäter in Wahrheit. Er prangert seine vom Gesetzgeber auferlegte Tatenlosigkeit an: “Würd’ Ihnen die Schmerzen ja gern nehm’/ Da kann ich Sie verstehn‘/ Doch danach lande ich vor Gericht.”

Rechtliche Grauzonen erschweren die Arbeit

Das Problem: Trotz Ausbildung und Berufserfahrung darf Haehne ohne ärztliche Genehmigung keinerlei medizinische Eingriffe vornehmen. Zwar sind sie verpflichtet, lebensrettende Maßnahmen vorzunehmen. Doch die Kompetenzen der Sanitäter sind vom Gesetz nicht klar geregelt und teilweise sogar widersprüchlich festgelegt.

Sanitäter versorgen Patienten - dann finden sie Notiz am Rettungswagen

Die Folge: Die in Deutschland tätigen Notfallsanitäter arbeiten “in einem rechtlichen Graubereich" wie Marco König, erster Vorsitzender des Berufsverbands Rettungsdienst e.V., dem “Spiegel” erklärt. "Natürlich verabreicht ein Notfallsanitäter auch selbstständig Adrenalin, wenn ein Patient einen Herzstillstand erleidet. Wir verstoßen deshalb bei unseren Einsätzen mehrere Tausend Mal am Tag gegen geltendes Recht", sagt König.

Haehnes Lied findet großen Anklang bei Kollegen und Bürgern

Frust über diesen Zustand spürt auch Haehne. "Ich würde gern das anwenden, was ich in meiner dreijährigen Ausbildung gelernt habe. Bevor der Notarzt nicht da ist, darf ich dem Patienten aber noch nicht einmal Schmerzmittel verabreichen", sagte er dem “Spiegel”. Stattdessen kommt es ihm teilweise so vor, als würde seine Hauptaufgabe darin bestehen, Patienten in und aus dem Krankenwagen zu manövrieren - daher auch der Titel seines Songs.

Rettungsgasse? Fehlanzeige: Wenn Helfer im Notfall nicht durchkommen

Mit dem habe er lediglich Kollegen amüsieren wollen, doch das Lied traf einen Nerv und ging prompt viral. 260.000 Mal wurde es auf Youtube bereits aufgerufen und findet großen Anklang. “Ich denke du sprichst zehntausenden Berufskollegen aus dem Herzen. In so manchem Dienst, mit hin und wieder bis zu sechs "Taxifahrten" am Stück, wenn der fussläufige "Patient" schneller ausgestiegen ist als ich mich abschnallen konnte”, schreibt ein Kollege auf Youtube. “Dein Lied ist meine persönliche Hymne des Notfallsanitäter (sic).”

“Schmerzlich wahr - als Arzt bin ich solidarisch und wünsche mir, daß die Arbeit der Erstversorger gesetzlich und finanziell aufgewertet wird!” heißt es in einem weiteren Kommentar. “Willst du nicht mal im Bundesrat oder der BÄK vorsingen?”, fragt ein anderer Youtube-User.

Sinnvoll wäre das durchaus. Erst vor Kurzem lag dem Bundesrat ein Gesetzesentwurf vor, der die Kompetenzen von Notfallsanitätern neu regeln sollte - doch der scheiterte.

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