Zündstoff vor Titel-Showdown: Setzt Abt Frijns auf Rast an?

Sven Haidinger
·Lesedauer: 4 Min.

Wird Robin Frijns beim DTM-Showdown in Hockenheim zum Zünglein an der Waage? Der Abt-Audi-Pilot hat mit 41 Punkten Rückstand nur noch absolute Außenseiterchancen im Titelkampf, war aber in Sachen Tempo diese Saison stets in der Lage, an der Spitze mitzumischen. Und er ist gut mit Herausforderer Nico Müller befreundet, dem vor dem Finale in Hockenheim 19 Punkte auf Rene Rast fehlen.

Wird er nun gegen Rast beim Finale die Ellbogen ausfahren? "Ich hätte klar gedacht, dass man Frijns von Abt-Seite so positioniert, damit er alles tut, um Rene Rast zu beschäftigen, und einfach so hart wie möglich gegen ihn fährt", meint Ex-DTM-Champion Timo Scheider im Podcast von 'ran.de'.

Zumal der Truppe die Blockade an Müller durch Rast-Teamkollege Jamie Green noch in den Gliedern sitze. "Das spielt im Hinterkopf immer noch eine gewisse Rolle", meint Scheider. Doch Frijns hat im Gegensatz zu Rast und Müller noch keinen Audi-Vertrag für 2021. Auch das könnte sich laut dem Ex-Audi-Piloten auswirken.

Warum Frijns in der Zwickmühle steckt

"Der hat sein Ziel und muss irgendwie mit Audi weiter Motorsport betreiben. Deswegen wird er keinen Scheiß bauen - auf der einen Seite. Auf der anderen Seite wird sein Chef Thomas Biermaier sagen: 'Junge, wir erwarten von dir das uns das'."

Frijns selbst hält sich vorerst zurück, als er gefragt wird, ob er Müller unterstützen werde. "Ich mache meinen Job und werde sehe, wo ich lande", sagt der 29-Jährige. "Ich habe zwar mathematisch noch eine Chance auf den Titel, aber das könnte sich nach dem ersten Rennen schnell erledigt haben. Dann werden wir sehen, wie sich das zweite Rennen entwickelt."

Sollte Müller in diesem zweiten Rennen ein Problem haben, dann könne er ihm nicht helfen, meint Frijns. "Aber wenn es um Positionen geht, werde ich ihm das Leben nicht schwer machen, so wie es andere getan haben", kann er sich einen kleinen Seitenhieb auf Green nicht verkneifen.

Biermaier über Frijns: "Fährt bereits ganzes Jahr aggressiv"

Aber wie wird Frijns agieren, wenn er sich angenommen im zweiten Rennen nicht mehr im Titelkampf befindet und Rast plötzlich hinter ihm liegt? Könnte es dann zu harten Bandagen kommen? "Robin fährt das ganze Jahr schon aggressiv - egal ob gegen einen Rockenfeller, Rast oder sonst wen", sagt Abt-Audi-Sportchef Thomas Biermaier im Gespräch mit 'Motorsport.com'.

"Das ist sein Fahrstil, er fährt aber fair. Er hat noch keinen umgedreht. Wenn es einen dreht, dann dreht es ihn selber, wie am Nürburgring." Eine Anspielung auf Frijns' Attacke gegen Rast, die ihn selbst in einen Dreher zwang, während Rast-Teamkollege Green beim Re-Start Müller umdrehte.

Biermaier verspricht abschließend: "Wir werden das fair zu Ende bringen. Das ist ganz klar. Wir werden alles dran setzen, dass wir Rene einen harten, aber fairen Kampf liefern." Fairness verlangt der Abt-Sportdirektor aber auch von Rosberg-Audi und Green.

Rast glaubt nicht an "unfairen" Frijns

"Ich hoffe, dass sich Jamie in Hockenheim raushält und die zweieinhalb Meisterschaftsanwärter - denn solange Robin eine Chance hat, hofft man auch auf ihn noch -, in Ruhe ihr Rennen fahren können. Er muss die anderen nicht vorbeiwinken, das ist auch klar. Aber ich wünsche mir, dass er nicht besonders hart kämpft."

Aber wie schätzt eigentlich Rast die Gefahr ein, die von Frijns ausgeht? "Ich glaube nicht, dass Robin gegen mich unfair fahren würde. Oder dass Jamie mit Absicht unfair gegen Nico fahren würde. Das erwarte ich nicht und das glaube ich auch nicht", sagt der DTM-Leader gegenüber 'ran.de'. "Dafür sind wir alle zu sehr Profis. Und so etwas können wir unserem Arbeitgeber Audi auch nicht antun. Von dem her wird das mit Sicherheit professionell ablaufen."

Rast: So könnten Teamkollegen eine Rolle spielen

Ganz ausschließen möchte Rast allerdings nicht, dass die Teamkollegen beim Finale eine Rolle spielen werden. Denn es könnte durchaus passieren, dass neben Green auch Frijns beim Sonntagsrennen keine Titelchancen mehr hat. "Er müsste theoretisch beide Rennen gewinnen, beide Male auf Pole fahren - und wir müssten beide Male ausfallen. Es ist schon schwierig, dass er den Titel gewinnt", sagt er. "Das heißt, er könnte mit Sicherheit eine Rolle spielen und Nico helfen, aber auch Jamie könnte mir helfen."

Welche Möglichkeiten es dazu gebe? Rast meint, er habe darüber noch nicht mit seinen Ingenieuren gesprochen, überlegt aber trotzdem. "Sie könnten im Qualifying auf der langen Geraden Windschatten geben. Aber da wir dieses Jahr ohnehin mit DRS und Push-to-pass fahren, hat das glaube ich wenig Effekt", sieht er im Qualifying wenig Spielraum.

"Im Rennen könnte man natürlich die Strategie von Robin und auch von Jamie so wählen, dass sie für Nico oder mich nicht wirklich förderlich ist, aber nicht in einer unfairen Art und Weise", meint der 34-Jährige, der in der kommenden Saison kurioserweise für den Titelrivalen Abt in der Formel E an den Start gehen wird.

Mit Bildmaterial von Audi.