Zahlreiche Häuser in South Dakota müssen evakuiert werden, weil sie auf einer uralten Mine stehen

Johannes GieslerFreier Autor
Yahoo Nachrichten Deutschland

Im US-Bundesstaat South Dakota wurden Häuser stillschweigend verkauft, die über einer ehemaligen Gipsmine stehen. Im April hat plötzlich der Boden nachgegeben, zahlreiche Menschen wurden daraufhin evakuiert. Jetzt verklagen die Anwohner und Anwohnerinnen alle beteiligten Parteien, vom Staat bis zu den Maklern und Maklerinnen.

Über einer ehemaligen Gipsmine in South Dakota wurden Jahrzehnte später Häuser gebaut. Die Besitzer wussten davon jedoch nichts. Jetzt mussten sie evakuiert werden, weil der Erdboden nachgegeben hat. Foto: Symbolbild / gettyimages / Cheri Alguire
Über einer ehemaligen Gipsmine in South Dakota wurden Jahrzehnte später Häuser gebaut. Die Besitzer wussten davon jedoch nichts. Jetzt mussten sie evakuiert werden, weil der Erdboden nachgegeben hat. Foto: Symbolbild / gettyimages / Cheri Alguire

Bevor Shaun und Courtney Erk ihr Haus in Black Hawk, einer Stadt im US-Bundesstaat South Dakota, kauften, inspizierten sie es ganz genau. Sie prüften die Leitungen und das Fundament, testeten sogar auf eine Kontaminierung durch Radon – ein Edelgas, das sehr selten aus Böden austritt und sich in Kellern ansammelt. Es wird mit Krebserkrankungen in Zusammenhang gebracht. „Wir haben wirklich alles gecheckt“, erzählte Courtney im Gespräch mit dem Rundfunknetzwerk South Dakota Public Broadcasting (SDPB) Mitte Mai. Zwei Wochen zuvor war das Paar aus seinem Haus evakuiert worden – es galt plötzlich als lebensgefährlich.

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Das war passiert: In der gleichen Straße, nur zwei Häuser weiter, hatte sich am 27. April der Boden aufgetan und ein riesiges Loch direkt neben der Einfahrt der Nachbarn hinterlassen. Zunächst gingen alle von einer Sinkhöhle aus – die Gegend ist dafür bekannt, dass der Boden manchmal nachgibt und kleinere Löcher freigibt. Doch die Sinkhöhle entpuppte sich als Zugang zu einer Jahrzehnte alten Mine.

Nur noch ein halber Meter Boden unter den Häusern

„Ich bin sprachlos, dass es überhaupt erlaubt war, hier zu bauen“, sagte Courtney Erk im Gespräch mit SDPB. Denn öffentlich einsehbare Dokumente der United States Geological Survey, der nationalen Behörde für amtliche Kartografie und geologische Strukturen, zeigen, dass die Mine unter dem Bauland bekannt war. Dort wurde bis in die späten 1930er Jahre Gips gefördert. Wie SDPB schreibt, ist keine der betroffenen Familien gegen einen solchen Schaden versichert.

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Mittlerweile haben Höhlenforscher – sie alle sind Mitglied im Paha Sapa Grotto, einem Club, der sich „der Erforschung, Bewahrung und dem Erleben von Höhlen“ verschrieben hat – die Ausmaße der Mine erkundet und genauer kartografiert. Die Fotos, die sie dabei gemacht haben, gingen in den vergangenen Tagen viral.  

Dabei konnten sie nicht die gesamte Mine betreten. Teile sind zwischenzeitlich überflutet, kollabiert oder einsturzgefährdet. Was sie aber herausgefunden haben: Die Mine zieht sich unter mindestens einem Dutzend Häuser in Black Hawk entlang.

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An manchen Stellen trennt gerade mal ein halber Meter Erdboden die Mine von den darüberliegenden Gebäuden. Sämtliche Bewohner und Bewohnerinnen, rund 40 Personen, wurden deshalb in Sicherheit gebracht. Viele leben nun behelfsmäßig in Campern, bei Bekannten oder in Hotels.

Jetzt klagen die Anwohner und Anwohnerinnen

Wie Boredpanda diese Woche berichtet, haben sich die Bewohner und Bewohnerinnen nun zusammengeschlossen und gemeinsam geklagt: Gegen die Kommune, die Bauträger und den Bundesstaat South Dakota: Über 75.000 Dollar beträgt die Summe. Doch es gibt noch weitere Klagen: Gegen an den Verkäufen beteiligte Unternehmen, Anteilseigner und Anteilseignerinnen, Anwälte und Anwältinnen von Vorbesitzern und Vorbesitzerinnen und gegen Makler und Maklerinnen. Insgesamt geht es dabei um viel mehr Geld: rund 75 Millionen Dollar lauten die Forderungen auf Schadensersatz.

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