Experten: Keine Corona-Übertragung durch Zecken-Bisse

Moritz PiehlerFreier Autor
Yahoo Nachrichten Deutschland

Experten erwarten 2020 ein Rekordjahr für Zecken. Doch können die Spinnentiere neben anderen Infektionskrankheiten auch das Coronavirus übertragen?

Der Sommer 2020 wird vermutlich einen neuen Zecken-Rekord bringen. (Illustration: Getty)
Der Sommer 2020 wird vermutlich einen neuen Zecken-Rekord bringen. (Illustration: Getty)
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Laut einer Civey-Umfrage ist mehr als die Hälfte der Deutschen schon mindestens einmal von einer Zecke gebissen worden. Gerade in der Corona-Krise, in der die Freizeitbetätigungen eingeschränkt sind, zieht es die Menschen vermehrt in die Natur, damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, Zecken zu begegnen. Denn den Voraussagen entsprechend könnte der trockene Sommer 2020 einen neuen Zecken-Rekord bringen. Das birgt unangenehme Gefahren, denn etwa jede fünfte Zecke ist mit Borrelien infiziert, die beim Menschen Borreliose auslösen können. Zwar ist diese mit Antibiotika gut behandelbar, kann aber dennoch einen schweren Verlauf nehmen.

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Gefährlicher ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), eine Erkrankung der Hirnhaut und des zentralen Nervensystems, die nicht medikamentös behandelt werden kann. Besonders hoch ist das Risiko, durch einen Zeckenbiss infiziert zu werden in den vom Robert-Koch-Institut (RKI) bestimmten FSME-Risikogebieten. Momentan zählen hauptsächlich süddeutsche Stadt- und Landkreise dazu. Vor allem Bayern, Baden-Württemberg, Südhessen sowie Teile von Sachsen und Thüringen sind betroffen. Aber können Zecken auch das Covid-19-Virus übertragen?

Das sagen Experten zu Zecken und Corona

Prof. Dr. Jan Münch, vom Institut für Molekulare Virologie an der Uniklinik Ulm ist sich sicher, dass dies nicht möglich ist. In einem interview mit der Bild sagte der Virologe: “Zecken ernähren sich von Blut. Das Virus ist nicht oder nur selten im Blut nachzuweisen. Selbst wenn der sehr unwahrscheinliche Fall eintritt, dass eine Zecke das Virus aufnimmt, so würde dieses in der Zecke höchstwahrscheinlich inaktiviert werden, da es nicht an die Zecke als Wirt angepasst ist.” Das gleiche gilt übrigens höchstwahrscheinlich auch für andere Blutsauger wie Mücken.

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Ähnlich sieht es auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die betont, dass es bisher keine Hinweise darauf gibt, dass Insekten das Covid-19-Virus auf den Menschen übertragen können. Die Übertragung passiere vor allem durch Tröpfchen, die beim Husten oder Niesen einer infizierten Person entstehen, oder durch Speicheltröpfchen oder Ausfluss aus der Nase, heißt es von Seiten der WHO. Dennoch empfiehlt sich beim Spaziergang durch Wälder und hohes Gras das Tragen von langen Hosen und das genaue Kontrollieren des Körpers nach Zeckenbissen. Denn auch Borreliose und FSME sind ernstzunehmende Krankheiten.

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