Zehn häufige Ursachen für Gliederschmerzen ohne Fieber – und wann man einen Arzt aufsuchen sollte

Nehmt die Anzeichen eures Körpers ernst. - Copyright: Milos Dimic/Getty Images
Nehmt die Anzeichen eures Körpers ernst. - Copyright: Milos Dimic/Getty Images

Gliederschmerzen betreffen den ganzen Körper. Sie sind ein häufiges Symptom für Viruskrankheiten wie einer Grippe. Wenn eine Krankheit die Ursache für die Schmerzen sein sollte, habt ihr wahrscheinlich auch Fieber. Doch unter bestimmten Bedingungen könnt ihr auch Gliederschmerzen ohne Fieber haben.

Hier sind die häufigsten Ursachen für Gliederschmerzen ohne Fieber.

Scrollen, um mit dem Inhalt fortzufahren
Anzeige

1. Stress

Stress kann Gliederschmerzen verursachen, doch die Symptome unterscheiden sich von krankheitsbedingten Schmerzen, sagt Nate Favini, der ärztliche Leiter von Forward, einer Praxis für präventive Allgemeinmedizin.

Stressbedingte Gliederschmerzen äußern sich typischerweise im Nacken, in den Schultern und im Rücken. Es sei jedoch auch möglich, dass sich diese Schmerzen in anderen Körperteilen wie den Beinen, dem Bauch oder der Brust bemerkbar machen, so Favini. Krankheitsbedingte Körperschmerzen sind in der Regel flächendeckend und treten schnell auf, wobei die Intensität innerhalb eines kurzen Zeitraums – in der Regel Stunden oder Tage – ihren Höhepunkt erreicht.

Stressbedingte Muskelschmerzen hingegen können langsamer auftreten. Stress führt dazu, dass sich die Muskeln anspannen. Sobald ihr euch entspannt, entspannen sich eure Muskeln, aber anhaltender oder chronischer Stress kann zu andauernden Muskelanspannungen führen.

In einer Studie aus dem Jahr 2015 wurde ein Zusammenhang zwischen Stress und der Funktion vieler Körpersysteme festgestellt. Der Studie zufolge kann sich Stress negativ unter anderem auf das Muskel-Skelett-System, das Nervensystem sowie die Atemmuskulatur auswirken und sich in Form von körperlichen Beschwerden wie Muskelschmerzen und Kopfschmerzen äußern.

Andere Symptome von Stress sind:

  • Schlafschwierigkeiten

  • Übelkeit

  • Durchfall

  • Plötzliche Gewichtszunahme oder -abnahme

  • Erschöpfung

Wenn ihr glaubt, dass Stress die Ursache für eure Schmerzen ist, können euch Entspannungstechniken wie Meditation, tiefes Atmen oder Yoga helfen.

2. Schlafmangel

Schlaf ist wichtig für die Zellregeneration – den Prozess des Körpers, bei dem beschädigte Zellen und Gewebe ersetzt oder wiederhergestellt werden. Zu wenig Schlaf kann die Fähigkeit des Körpers, neue Zellen zu produzieren, beeinträchtigen, was zu körperlicher Erschöpfung und Schmerzen führen kann.

Zu den Symptomen von Schlafmangel gehören neben Gliederschmerzen auch:

  • Konzentrationsschwierigkeiten

  • Stimmungsschwankungen, einschließlich verstärkter Depressionen oder Angstzustände

  • Magen-Darm-Symptome wie Übelkeit und Diarrhöe

  • Schwierigkeiten beim Planen und Organisieren

Wenn ihr Probleme habt, sieben bis acht Stunden pro Nacht zu schlafen, empfiehlt Favini:

  • Mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen keine Bildschirme. Blaues Licht von Laptops, Telefonen oder Fernsehern kann den natürlichen Schlafzyklus des Körpers stören.

  • Legt eine abendliche Routine fest, um euch auf den Schlaf vorzubereiten. Integriert eine entspannende Routine in euren Abend, wie zum Beispiel ein warmes Bad oder das Lesen eines Buchs.

  • Geht jeden Tag zur gleichen Zeit schlafen und wacht zur gleichen Zeit auf. Dadurch wird der natürliche Schlafzyklus eures Körpers gestärkt.

Angst vor der Arbeit belastet mehr als die Hälfte der Deutschen.
Angst vor der Arbeit belastet mehr als die Hälfte der Deutschen.

3. Chronische Müdigkeit (CFS)

Chronische Müdigkeit ist eine Erkrankung, die zu extremer Erschöpfung und Schläfrigkeit führt und das tägliche Leben beeinträchtigt. Schätzungsweise eine Million US-Amerikaner sind von dieser Krankheit betroffen. In Deutschland sind es laut "Deutschlandfunk" etwa 250.000 Menschen.

Schmerzen sind bei Menschen mit chronischer Müdigkeit weit verbreitet, auch wenn die Schwere der Schmerzen von Person zu Person unterschiedlich ist, sagt Robert Berghorn, DPT, Inhaber von Ascent Physical Therapy in New York.

"Schmerz soll eigentlich ein Schutzmechanismus sein. Im Falle des chronischen Müdigkeitssyndroms oder anderer chronischer Schmerzzustände wirkt er jedoch eher wie ein unkontrolliertes Lauffeuer", sagt Berghorn. "Bei dieser Art von Erkrankung kommt es zu einem 'remapping' oder zu Veränderungen in der Art und Weise, wie der Betroffene Schmerz und Aktivität wahrnimmt, sodass selbst die einfachsten Dinge wie das Öffnen einer Tür sehr schmerzhaft sein können, ohne dass es einen konkreten Grund für die Schmerzen in der Hand gibt."

Weitere Symptome von chronischer Müdigkeit sind:

  • Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten

  • Kopfschmerzen

  • Muskelschwäche

  • Wiederkehrende Halsentzündungen

Es gibt keine Heilung für chronische Müdigkeit, doch viele Symptome lassen sich mit Medikamenten oder einer Änderung der Lebensweise in den Griff bekommen. Wenn ihr glaubt, dass ihr an einem chronischen Müdigkeitssyndrom leidet, solltet ihr mit eurem Arzt über die für euch beste Behandlung sprechen.

4. Fibromyalgie

Fibromyalgie ist eine Krankheit, die Schmerzen und Steifheit im ganzen Körper verursacht. Etwa vier Millionen Erwachsene in den USA sind von dieser Krankheit betroffen. Laut eines Berichts des "Südwestdeutschen Rundfunks" sind in etwa zwei Prozent der Erwachsenen in Deutschland an Fibromyalgie erkrankt.

Zu den Risikofaktoren für Fibromyalgie gehören eine Autoimmunerkrankung wie Lupus oder rheumatoide Arthritis, eine Vorgeschichte mit stressigen oder traumatischen Ereignissen und eine familiäre Vorbelastung mit dieser Krankheit. Außerdem sind Frauen doppelt so häufig von Fibromyalgie betroffen wie Männer. Zu den Symptomen gehören:

  • Kopfschmerzen

  • Kribbeln oder Taubheitsgefühl in Händen und Füßen

  • Müdigkeit

  • Konzentrationsschwierigkeiten

  • Gedächtnisprobleme

  • Depressionen und Angstzustände

Die Erkrankung kann mit Medikamenten, Entspannungstechniken und kognitiver Verhaltenstherapie behandelt werden.

5. Medikamente

Einige Medikamente können auch Gliederschmerzen verursachen, sagt Favini. Zu den häufigsten gehören:

  • Statine wie Lipitor oder Altoprev, die zur Senkung des Cholesterinspiegels eingesetzt werden

  • Fluticason, das zur Behandlung von Asthma eingesetzt wird

  • Carvedilol, ein Blutdruckmedikament

Wenn ihr ein Medikament einnehmt, von dem ihr glaubt, dass es die Ursache für eure Körperschmerzen ist, sprecht mit eurem Arzt über eure Symptome und darüber, welche anderen Möglichkeiten zur Verfügung stehen.

6. Dehydrierung

Eine unzureichende Wasseraufnahme verringert die Fähigkeit des Körpers, entzündliche Chemikalien aus dem Gewebe zu entfernen, was zu Schmerzen und Wundsein führt, sagt Berghorn.

Zu den Symptomen der Dehydration gehören:

  • Schwindel

  • Verwirrung

  • Erschöpfung

  • Extremer Durst

  • Dunkler Urin

Eine der besten Möglichkeiten, Dehydration zu vermeiden, besteht darin, eine Wasserflasche bei sich zu haben und regelmäßig daraus zu trinken, sagt Berhorn. Wenn ihr Anzeichen von Dehydrierung bemerkt, hilft ein Sportgetränk mit etwas Zucker und Elektrolyten, euch schneller zu rehydrieren.

7. Nährstoffmangel

Vitamin- und Nährstoffmängel können ebenfalls zu Gliederschmerzen verursachen, sagt Berghorn. Einige der häufigsten sind:

  • Vitamin D

  • Kalium

  • Kalzium

  • Eisen

Unser Körper braucht eine bestimmte Menge an Vitaminen und Nährstoffen, um ordnungsgemäß zu funktionieren und ein Mangel kann das Zusammenspiel der Gewebe verändern und Schmerzen verursachen.

"Jede Muskelkontraktion erfordert einen angemessenen Gehalt an Kalzium, Kalium und Natrium", sagt Berghorn. "Wenn einer oder mehrere Werte zu niedrig sind, kann dies zu
einer verminderten Kontrolle der Muskelbewegungen und Muskelkrämpfen führen."

Überstürzt jedoch nicht die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln; Experten sagen, dass die meisten frei verkäuflichen Vitaminpräparate reine Geldverschwendung seien. Wenn ihr befürchtet, dass ihr einen Vitaminmangel habt, solltet ihr mit eurem Arzt sprechen, euch testen lassen und dann den spezifischen Behandlungsplan befolgen. Die meisten Menschen erhalten alle Vitamine, die sie brauchen, wenn sie sich gesund und ausgewogen ernähren.

8. Autoimmunerkrankung

Eine Autoimmunerkrankung liegt vor, wenn das Immunsystem des Körpers sich selbst angreift. Einige Autoimmunerkrankungen können Gliederschmerzen verursachen. Es gibt viele verschiedene Arten von Autoimmunkrankheiten. Einige der häufigsten, die Gliederschmerzen verursachen können, sind:

Lupus: Eine Erkrankung, bei der der Körper gesundes Gewebe angreift. Lupus befällt am häufigsten die Haut, die Gelenke und die inneren Organe. Sie kann Muskel- und Gelenkschmerzen verursachen.

Multiple Sklerose (MS): Eine Erkrankung, bei der das körpereigene Immunsystem die Fettsubstanz angreift, die die Nervenfasern in Gehirn und Rückenmark schützt. Der Verlust dieser Schutzschicht kann Kribbeln, Taubheit und Schwäche in den Gliedmaßen sowie plötzliche Schmerzen bei Bewegungen des Halses verursachen.

Dermatomyositis: Eine Erkrankung, die Muskelschwäche verursacht, was zu Gelenkschmerzen führen kann.

Es gibt keine Heilung für Autoimmunkrankheiten. Medikamente können jedoch helfen, die mit diesen Erkrankungen verbundenen Schmerzen und Entzündungen zu lindern.

9. Lyme-Borreliose

Die Lyme-Borreliose ist eine durch Zecken übertragene Krankheit, die durch das Bakterium Borrelia Burgdorfer verursacht wird. Zu den Symptomen der Lyme-Borreliose gehören:

  • Körperschmerzen

  • Kopfschmerzen

  • Geschwollene Lymphknoten

  • Ausschlag

  • Müdigkeit

  • Schüttelfrost

  • Fieber

Zeit im Freien zu verbringen, verbessert die körperliche und geistige Gesundheit.
Zeit im Freien zu verbringen, verbessert die körperliche und geistige Gesundheit.

Die Lyme-Borreliose wird mit Antibiotika behandelt. Die meisten Menschen sprechen gut auf die Behandlung an und erholen sich vollständig.

Um Zeckenbisse von vornherein zu vermeiden, solltet ihr lange Hosen tragen und euch regelmäßig nach Zecken absuchen, wenn ihr euch im Freien in einem Gebiet aufhaltet, in dem Borreliose häufig vorkommt.

10. Virusinfektion

Gliederschmerzen und Fieber sind häufige Symptome von Virusinfektionen – aber sei ist möglich, eine Virusinfektion wie die Grippe zu haben, auch ohne Fieber zu bekommen, sagt Favini. Andere Virusinfektionen können auch Gliederschmerzen ohne Fieber verursachen, wie zum Beispiel eine Erkältung oder auch Covid-19. Zu den Symptomen einer Virusinfektion gehören:

  • Laufende Nase

  • Verstopfung

  • Kopfschmerzen

  • Müdigkeit

  • Husten

  • Niesen

  • Halsschmerzen

Eine Virusinfektion kann bis zu ein oder zwei Wochen dauern. Rezeptfreie Medikamente wie Ibuprofen oder Paracetamol können viele der Symptome lindern.

Wann ihr euren Arzt aufsuchen solltet

Wenn eure Gliederschmerzen schwerwiegend sind, länger als ein paar Tage andauern und euer tägliches Leben beeinträchtigen, solltet ihr einen Arzt aufsuchen, so Favini. Ein Arzt kann euch helfen, die genaue Ursache der Symptome zu bestimmen und eine geeignete Behandlung zu finden.

Zusammenfassung zu Gliederschmerzen

Gliederschmerzen sind ein häufiges Symptom von Virusinfektionen, wie zum Beispiel einer Grippe, aber sie können auch andere Ursachen haben, wie zum Beispiel Autoimmunerkrankungen oder einen Nährstoffmangel. Wenn euer Alltag durch anhaltende Körperschmerzen beeinträchtigt wird, solltet ihr euch an euren Arzt wenden, um eine angemessene Diagnose und Behandlung zu erhalten.

Dieser Artikel wurde aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.