So passt Coutinho ins Bayern-System

Maximilian Lotz
Sport1

Sich selbst sieht Philippe Coutinho am liebsten auf der Position des Spielgestalters.

"Meine Lieblingsposition ist die Zehnerposition, weil ich mich dort am besten bewegen kann", sagte der Neuzugang des FC Bayern bei seiner Vorstellung am Montag.


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Das Problem: Die Zehnerposition gibt es aktuell so nicht, da Trainer Niko Kovac in dieser Saison vornehmlich auf eine 4-3-3-Grundordnung setzt.

Aber auf welcher Position kommen Coutinhos Stärken dann am besten zur Geltung? Und wer muss möglicherweise um seinen Platz in der Startelf zittern? 

SPORT1 analysiert anhand der Statistiken von opta die Einsatzgebiete des Brasilianers, der schon im kommenden Bundesligaspiel beim FC Schalke 04 (Bundesliga: FC Schalke 04 - FC Bayern, Samstag, 18.30 Uhr im LIVETICKER) sein Debüt feiern könnte. Eine Kostprobe seiner technischen Fähigkeiten gab Coutinho bei seinem ersten Training an der Säbener Straße am Dienstag.

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"Er kann der zentrale Punkt in unserem Spiel werden", betonte Sportdirektor Hasan Salihamidzic. "Er wird unsere Mannschaft verstärken und kann unserem Spiel auch die spektakuläre Note geben."

Coutinho glänzt als Distanzschütze

Salihamidzic dürfte dabei auch auf Coutinhos gefürchtete Fernschüsse abzielen. Seit seinem Wechsel von Inter Mailand zum FC Liverpool im Januar 2013 erzielte Coutinho für die Reds und ab Januar 2018 für den FC Barcelona 75 Tore - darunter stolze 29 Distanztreffer (inklusive sechs Freistoßtore). 39 Prozent seiner Treffer in diesem Zeitraum erzielte Coutinho von außerhalb des Strafraums.


Sein typischer Bewegungsablauf erinnert dabei an den berühmten Arjen-Robben-Move, nur auf der anderen Seite. Statt wie sein Vorgänger im Trikot mit der Nummer 10 vom rechten Flügel nach innen zu ziehen und abzuschließen, nimmt Coutinho gerne von linksaußen Fahrt auf, um dann mit seinem starken rechten Fuß das Tor anzuvisieren.

Coutinho anstelle von Coman?

Dieses Profil spricht auf den ersten Blick für einen klassischen Linksaußen und damit die Position, die momentan in Bayerns 4-3-3 von Kingsley Coman besetzt wird. Doch Coutinho ist kein klassischer Flügelflitzer und Flankengeber.


In der vergangenen Saison flankte Coutinho in 54 Pflichtspielen für Barca insgesamt nur elf Mal - davon kamen lediglich drei Flanken an den Mann. Keine einzige Torvorlage brachte Coutinho daher in seinen vergangenen 29 Pflichtspielen für die Katalanen zustande, bei denen er unter Trainer Ernesto Valverde vorwiegend als offensiver Linksaußen im 4-3-3 aufgeboten wurde.

"In Barcelona sind die Sachen nicht so gelaufen, wie wir das gewollt haben. Aber das ist jetzt Geschichte", hakte Coutinho dieses Kapitel ab.


Müller muss um Platz fürchten

Beim FC Bayern will er eine zentralere Rolle einnehmen, auch auf dem Spielfeld. Naheliegend wäre daher die Besetzung der linken Halbposition in der 4-3-3-Grundordnung, so wie in der brasilianischen Nationalmannschaft, mit der Coutinho im Sommer bei der Copa América triumphierte.

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Leidtragender könnte Thomas Müller sein, der beim 2:2 gegen Hertha BSC dort neben Corentin Tolisso auflief. Allerdings kann Bayerns Raumdeuter auch neben Coutinho als Achter halbrechts auflaufen, dort drängt allerdings auch Nationalspieler Leon Goretzka ins Team.


Coutinho selbst äußerte sich sehr respektvoll gegenüber seinen Konkurrenten im Mittelfeld. "Müller ist ein großartiger Spieler, er ist mit Deutschland Weltmeister geworden. Ich bin sehr glücklich, ihn als meinen Teamkollegen bezeichnen zu können, mit den anderen großartigen Spielern in meiner Mannschaft", sagte der 27-Jährige.

Der Kampf um die Positionen hinter den Spitzen hat sich durch die Verpflichtung Coutinhos noch mal verschärft. Neben Goretzka, Müller und Tolisso kämpfen auch Neuzugang Michael Cuisance, sowie Renato Sanches als Achter um einen Startelfplatz. Dazu auch noch Thiago, wenn Javi Martínez in die Rolle des defensiven Sechsers schlüpft.

Systemumstellung für Coutinhos Lieblingsposition

Alternativ würde Coutinho natürlich eine mögliche Systemumstellung auf ein 4-2-3-1 zugutekommen, dann könnte er auf seiner Lieblingsposition agieren, so wie er es schon erfolgreich im Trikot der Reds getan hat.


Insgesamt glänzte er auf Klubebene seit Januar 2013 sowohl für Liverpool als auch für Barca als passstarker Ballverteiler (83 Prozent erfolgreiche Zuspiele) mit durchschnittlich 78 Ballaktionen pro 90 Minuten - ein starker Wert für einen Offensivspieler seiner Art.

Zudem schloss er mehr als die Hälfte seiner Dribblings erfolgreich ab (56 Prozent). Ausbaufähig ist hingegen seine Zweikampfquote von 46 Prozent.

Coutinho mit starker Einsatzquote

"Wo ich spiele, hängt vom Trainer ab", erklärte Coutinho. "Ich werde natürlich mein Bestes geben, um immer fit zu sein und zu spielen."

Das ist ihm in den vergangenen Jahren bestens gelungen, von größeren Verletzungen blieb er verschont.


Seit seiner ersten vollen Saison bei Liverpool (2013/14) kam er in jeder Spielzeit auf mindestens 36 Pflichtspiele. In seinen fünf Jahren bei Liverpool kam er in 201 der 260 Pflichtspiele der Reds zum Einsatz. Das entspricht einem Anteil von 77 Prozent. Beim FC Barcelona bestritt Coutinho sogar 83 Prozent der Pflichtpartien (76 von möglichen 92).

Bezogen auf die Vorsaison, kommt er zusammen mit seinen Einsätzen für die Selecao auf insgesamt 70 Spiele - kein anderer Spieler in Europas Topligen stand häufiger auf dem Feld.

Auch Salihamidzic weiß: "Er brennt darauf, auf den Platz zu gehen."

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