Vor dem Restart: Das ist das größte Problem der NBA

Franziska Wendler
Sport1

Die Entscheidung ist gefallen.

Wie die NBA am Donnerstag bekannt gab, wird die wegen der Coronakrise unterbrochene Saison fortgesetzt, dafür stimmten 29 der 30 Teams. Lediglich die Portland Trail Blazers waren nicht einverstanden. Bei dem Neustart werden jedoch nicht alle Teams involviert sein. Wer ist dabei, wie ist der Modus und wie wirkt sich der Restart auf die nächste Saison aus?

SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen rund um den geplanten NBA-Neustart.

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Wie wird der Neustart geplant?

Der Spielbetrieb in der besten Basketball-Liga der Welt soll am 31. Juli wieder aufgenommen werden. Ort des Geschehens ist das Disney World in Orlando/Florida. Dabei werden jedoch nur 22 der 30 Teams dabei sein. Für die schlechtesten acht Franchises ist die Saison bereits vorbei.

Namentlich sind das die Charlotte Hornets, Chicago Bulls, Minnesota Timberwolves, Cleveland Cavaliers, Atlanta Hawks, Detroit Pistons, New York Knicks und Meister Golden State Warriors.

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Die anderen 22 Teams beginnen am 30. Juni mit dem Training und reisen eine Woche später nach Florida.

Wie läuft die Vorbereitung ab?

Zunächst kehren am 15. Juni alle Spieler, die sich nicht in den USA befinden, zu ihren Teams zurück. Anschließend werden sich diese nach aktuellem Stand einer 14-täigigen Quarantäne unterziehen müssen. Das gilt auch für Luka Doncic von den Dallas Mavericks, der nach dem Abbruch der Saison in seine Heimat Slowenien geflogen ist.

Die erste Corona-Testreihe wird am 22. Juni gestartet.

Welcher Modus wird gespielt?

In Disney World werden alle 22 Mannschaften je acht Regular-Season-Spiele absolvieren. Dabei ist es zunächst egal, wie viele Partien die jeweiligen Teams in der Saison bereits absolviert haben. Die Dallas Mavericks haben mit 67 Spielen bislang die meisten Spiele absolviert, bei den Los Angeles Lakers stehen dagegen erst 63 Partien in der Statistik.

Durch die Verkürzung der Regular Season stehen bereits weitere Teilnehmer an den Playoffs fest. Bislang hatten sich die Lakers, Bucks, Celtics und Raptors für die Postseason qualifiziert. Durch den neuen Modus sind nun auch die Miami Heat, Indiana Pacers, Philadelphia 76ers, L.A. Clippers, Denver Nuggets, Oklahoma City Thunder und die Houston Rockets sicher dabei. 


Die Mavericks benötigen nur noch einen Sieg, um zum ersten Mal seit 2016 wieder die Playoffs zu erreichen. 

Während die ersten sieben Plätze regulär vergeben werden, soll der achte Platz in den beiden Conferences durch ein Play-In-Turnier ermittelt werden. Dabei spielt der Achte gegen den Neunten. Wobei es auch hier eine Einschränkung gibt. Sollten die Teams mehr als vier Spiele voneinander getrennt sein, findet das Duell nicht statt und der Achte spielt in den Playoffs.

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Findet das Play-In-Turnier statt, werden bis zu zwei Spiele ausgetragen. Dabei muss das besser platzierte Team nur ein Spiel gewinnen. Will die Franchise auf Rang neun in die Playoffs, muss sie beide Partien für sich entscheiden.

Stehen alle Teilnehmer der Postseason fest, wird diese im normalen Modus ausgetragen. Best-of-seven-Serien in beiden Conferences an deren Ende die NBA-Finals stehen.

Die TV-Gelder spielten bei der Auswahl des Modus eine wichtige Rolle. Durch die acht zusätzlichen Regular-Season-Partien kommen die Teams mindestens auf die magische Zahl von 70 Spielen, wodurch es zu einer Ausschüttung weiterer TV-Gelder kommt und die Gehaltszahlungen der Spieler gesichert sind. 


Zudem sind die acht Spiele vor den Playoffs ein Zugeständnis an die Gewerkschaft der Spieler, die einige Partien absolvieren wollen, bevor es mit den Playoffs weiter geht.

Warum sind genau 22 Teams dabei?

Bei dieser Frage lohnt sich ein Blick auf die New Orleans Pelicans mit Zion Williamson. Die NBA hat naturgemäß ein großes Interesse daran, möglichst viele Stars in den Playoffs dabei zu haben. Williams als größte Hoffnung der Liga soll dabei nicht fehlen.

Die Pelicans rangieren aktuell auf Platz zehn im Westen, haben aber die gleiche Bilanz wie die Sacramento Kings auf Rang elf.

Um offiziell die Chancengleichheit zu bewahren, musste auch dem Osten eine Türe offen gehalten werden, weswegen auch die im Prinzip chancenlosen Wizards (5,5 Spiele hinter den achtplatzieten Magic) dabei sind. Als Reaktion darauf mussten auch die Spurs und Suns im Westen dabei sein, da diese eine bessere Bilanz als die Wizards vorweisen.


Durch das Play-In-Turnier könnte Platz neun reichen, um die Playoffs zu erreichen - ein Zugeständnis an die Pelicans mit Williamson, Portland mit Damian Lillard und die Sacramento Kings. Auf "normalem" Weg wäre es fast unmöglich einen 3,5-Spiele-Rückstand aufzuholen.

Was ist noch unklar?

Derzeit gibt es noch viele Dinge, die nicht geklärt sind. Das größte Problem, das die NBA lösen muss: Nicht alle Teams haben die gleiche Anzahl an Spielen absolviert. So kommt es, dass beispielsweise die Trail Blazers zwei Partien mehr haben als die Pelicans und Kings, aber alle den gleichen Rückstand auf die davor platzierten Grizzlies. Dennoch hat Portland die bessere Siegquote.

Auch gibt es keine Antwort darauf, wie der Spielplan gestaltet wird und was passiert, wenn zwei Teams am Ende die gleiche Bilanz haben. Gelten dann die normalen Regeln, obwohl der Spielplan unausgeglichen ist? Entscheidet am Ende die Siegquote oder die Differenz zwischen Siegen und Niederlagen?

Auch zur wichtigen Frage der Gesundheit gibt es noch keine Klarheit. Was passiert, wenn ein oder mehrere Spieler oder Betreuer eines Teams positiv auf das Coronavirus getestet werden?

Wird dieses Team dann vom Turnier ausgeschlossen oder werden die Spiele verschoben?


Wie sind die Auswirkungen auf die nächste Saison?

Auch die nächste Saison wird durch die aktuellen Entwicklungen beeinflusst. Die NBA plant die Draft Lottery am 25. August zu veranstalten, dafür sollen die Bilanzen vor dem Abbruch verwendet werden. Auch der Combine soll im August steigen.

Nach den Finals, am 15. Oktober, soll dann der eigentliche Draft stattfinden, gefolgt von einer verkürzten Free-Agency-Phase. Die Trainingslager für die Saison 2020/21 sollen dann am 10. November starten, am 1. Dezember wiederum soll die neue Saison beginnen.

Was genau die acht bereits ausgeschiedenen Teams während des gesamten Sommers machen sollen, ist ebenfalls unklar. Laut ESPN gibt es Diskussionen, dass diese eventuell an möglichen Sommer-Camps teilnehmen könnten. Dies müsste jedoch erst als Teil des Tarifvertrags ausgehandelt werden, was in den nächsten Wochen geschehen soll.

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