Zoff um Verstappen: Wird Mercedes wirklich benachteiligt?

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Zoff um Verstappen: Wird Mercedes wirklich benachteiligt?
Zoff um Verstappen: Wird Mercedes wirklich benachteiligt?

„Diplomatie hat ausgedient.“

Mercedes-Teamchef Toto Wolff fand klare Worte, nachdem die Rennleitung das Verteidigungsmanöver von Max Verstappen (Red Bull) gegen Mercedes-Star Lewis Hamilton nicht an die Rennkommissare weitergeleitet hat.

Der Wiener zeigte schon während des Rennens sein Unverständnis mit einer eindeutigen Geste in die Kameras. Später warf er Rennleiter Michael Masi vor, Mercedes zu benachteiligen. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Formel 1)

„Max‘ Verteidigung war über dem Limit. Er hätte eine 5-Sekunden-Strafe verdient. Aber das einfach unter den Teppich zu kehren, ist die Spitze des Eisbergs {…} Peinlich für die Rennleitung. Das wird jetzt alles aufgearbeitet. Das können wir nicht auf uns sitzen lassen. Ich war immer diplomatisch, aber Diplomatie hat heute ausgedient.“

Formel 1: Darum gab es keine Strafe für Verstappen

Rennleiter Michael Masi lässt sich davon nicht beeindrucken.

Er erklärt die Entscheidung, NICHT einzugreifen, so: „Wir dürfen nicht vergessen, dass wir sie Rennen fahren lassen wollen. Das haben wir hier angewandt. Beide Autos haben die Strecke verlassen, aber ihre Position nicht verloren. Die Kommissare haben sich wie immer alle verfügbaren Bilder genau angesehen.“

Dabei waren allerdings keine Onboard-Video-Aufnahmen. (DATEN: Die Fahrerwertung der Formel 1)

Masi: „Diesen Zugang haben wir während des Rennens nicht. Um ehrlich zu sein, habe ich über die schwarz-weiße Flagge (Verwarnung, Anm. d. Red.) für Verstappen nachgedacht, mich aber dagegen entschieden.“

Masi reagiert auf Kritik nach Spielberg-Rennen

Der Australier hat damit offenbar auch auf die Kritik nach dem Rennen in Spielberg reagiert.

Da wurden sowohl Sergio Pérez (Red Bull) als auch Lando Norris (McLaren) mit Zeitstrafen belegt, weil sie Angreifer auf der Außenbahn von der Strecke gedrückt haben.

Damals war sich die Formel-1-Gemeinde einig: Solche Strafen schaden dem Sport. (DATEN: Die Teamwertung der Formel 1)

Bei SPORT1 erklärte beispielsweise Ex-Mercedes-Sportchef Norbert Haug: „Außen rum lässt man als kluger Rennfahrer also eher bleiben. Wenn der zu Überholenden von seiner Ideallinie abweicht, dann macht er die Tür auf, muss lupfen und macht dem Gegner Platz. Du kannst von einem Rennfahrer nicht erwarten, dass er freiwillig die Tür aufmacht und den Gegner vorbeilässt.“

F1: Mercedes fühlt sich ungerecht behandelt

Mercedes fühlt sich dennoch ungerecht behandelt. Zu Recht?

Fest steht: Nach dem Qualifying wurde Lewis Hamilton disqualifiziert, weil sein Heckflügel bei der Prüfung nicht den technischen Regeln entsprach.

Das Problem: Bei solchen Entscheidung gibt es nur Schwarz oder Weiß. Ist das Auto nicht regelkonform, wird der Fahrer disqualifiziert. (DATEN: Der Rennkalender der Formel 1)

Erst eine weitere Strafe für Hamilton

Abgesehen davon hat der britische Champion 2021 nur eine weitere Strafe bekommen: Zehn Sekunden, als er Verstappen in Silverstone bei seiner Attacke so berührte, dass der Red Bull-Star in die Bande flog.

Mehr noch: Die FIA reagierte im Laufe dieser Saison gleich auf zwei Mercedes-Anfragen: So musste Red Bull auf Druck des Gegners vor dem Rennen in Baku die Heckflügel nachrüsten.

Und: Seit der zweiten Saisonhälfte sind zudem automatisierte Freigaben bei Boxenstopps verboten. Das war der Schlüssel zu den megaschnellen Reifenwechseln des Verstappen-Teams.

Von Mercedes-Benachteiligung keine Spur

Von einer Mercedes-Benachteiligung also keine Spur.

„Aber es ist doch schön, dass auch Toto Wolff jetzt Emotionen zeigt“, sagt Sky-Experte Ralf Schumacher. „Das war nicht immer so. Das zeigt aber auch, wie groß der Druck auf dem Kessel ist.“

Auch zur ausgebliebenen Strafe für Verstappen zeigt der ehemalige Formel-1-Star klare Kante: „Rein vom Reglement her hätte Max bestraft werden müssen. Aber ich mag diese Regel nicht. Wir wollen alle hartes Racing und Emotionen sehen. Und genau das haben wir in Brasilien bekommen.“

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