Zorc konsterniert: Rom-Pleite des BVB "nicht zu erklären"

Patrick Berger
·Lesedauer: 2 Min.

Hans-Joachim Watzke hatte tagsüber noch gute Laune.

Am Dienstagmittag flanierte der Vorstandsvorsitzende des BVB gemeinsam mit Sportchef Michael Zorc und Marketingchef Carsten Cramer durch das sonnige Rom. In einem kleinen Café im Schatten des Trevi Brunnen ließ er sich dann nieder, schlürfte einen Cappuccino und gönnte sich hinterher noch ein Eis.

Sein Gemütszustand veränderte sich etwa acht Stunden später aber schlagartig. Kopfschüttelnd verließ der Boss von Borussia Dortmund in der Nacht das Stadio Olimpico. Die Darbietung seiner Mannschaft, die bei Lazio Rom mit 1:3 verlor, dürfte ihm gar nicht gefallen haben.

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Zorc: "Ein enttäuschendes Spiel"

Die Dortmunder verkrachten den Start in die neue Champions-League-Saison bei den Römern um Ex-BVB-Spieler Ciro Immobile (ein Tor, eine Vorlage) gewaltig.

Es war wie so oft in der Vergangenheit: Geht es gegen einen körperlich robusten Gegner, fehlt dem BVB die Galligkeit. "Wir waren nicht da. Verteidigen, laufen – das hat alles gefehlt", monierte Trainer Lucien Favre.

Und Sportchef Michael Zorc ergänze am Tag danach im Gespräch mit SPORT1: "Insgesamt war das viel zu wenig von uns. Vor allem hat das Element Leidenschaft völlig gefehlt. Im ersten Champions-League-Spiel der Saison erwarte ich eine andere Leistung."

Man habe die Lazio-Spieler vielmehr begleitet und Abstand gehalten, als dass man sie attackiert habe. "Wir sind - insbesondere in der ersten Halbzeit - überhaupt nicht in die Zweikämpfe gekommen. Das war ein sehr enttäuschendes Spiel."

Kehl spricht von desolater Abwehr

Allen voran die Abwehr-Leistung war "desolat", wie auch Lizenzspielerchef Sebastian Kehl befand. Vor allem Thomas Meunier erwischte einen rabenschwarzen Abend (19 Fehlpässe!).

Einziger Spieler mit Normalform war Torschütze Erling Haaland. "Erling", sagte Zorc, "war nicht der einzige von dem man die nötige Einstellung gesehen hat, aber einer der ganz wenigen."

Über Meunier, der vor der Saison ablösefrei aus Paris geholt wurde, sagte der Sportchef: "Das war keine gute Vorstellung von ihm. Aber er war bei weitem nicht der einzige. Zu viele unserer Spieler waren deutlich unter Niveau. Eigentlich ist diese Leistung des Teams nicht zu erklären nach dem umkämpften Sieg zuvor in Hoffenheim."

Nach der Rom-Pleite sind die Schwarzgelben unter Zugzwang. "Unser Ziel ist uns bleibt weiterhin das Weiterkommen", fordert Zorc. "Klar ist aber, dass wir nach einer Auftaktniederlage unter Druck stehen."

Im Derby am Samstag gegen Schalke fordert Zorc eine Steigerung: "Eine Leistung drei Tage vorher hat keine Auswirkungen auf das Derby. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Das sind zwei paar Schuhe. Unsere Spieler können eine Reaktion zeigen."