Darum kann Zverev Djokovic gefährlich werden

SPORT1
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Zum Abschluss einer turbulenten Tennissaison beginnt am Sonntag die inoffizielle Tennis-Weltmeisterschaft, die ATP-Finals.

Bei dem mit neun Millionen US-Dollar dotierten Hartplatzturnier treffen vom 15. bis 22. November die acht besten Tennisspieler der Welt aufeinander.

Zum zwölften und vorerst letzten Mal findet das Turnier in London statt. Denn Turin sicherte sich die Austragungsrechte für die kommenden fünf Jahre.

Schwartzman ersetzt Federer

Der Modus sieht zwei Gruppen zu je vier Spielern vor. Diese spielen innerhalb ihrer Gruppe jeweils einmal gegen jeden Gegner. Die beiden Gruppenbesten qualifizieren sich dann für das Halbfinale.

Die Gruppe "Tokio 1970", benannt nach dem ersten Austragungsort des Turniers, wird vom Weltranglistenersten Novak Djokovic angeführt, die Gruppe "London 2020" vom Weltranglistenzweiten Rafael Nadal.

Nicht dabei ist in diesem Jahr Rekordchampion Roger Federer. Der Schweizer fehlt aufgrund einer langwierigen Knieverletzung. Für Federer rückt der Weltranglistenneunte Diego Schwartzman nach.

SPORT1 verrät, wer in Abwesenheit des Schweizers die größten Chancen auf den Titel hat.

Das SPORT1-Powerranking:

8. DIEGO SCHWARTZMAN (ARGENTINIEN/ 28 JAHRE/ WELTRANGLISTENPLATZ 9):

Stärken: Unheimlich beweglich an der Grundlinie. Gerade auf Sand ein sehr schwer zu bezwingender Gegner. Sein Return zählt zu den besten auf der Tour, hat oft ein herausragendes Timing.

Schwächen: Aufgrund seiner geringen Größe (1,70 Meter) hat er eine stark eingeschränkte Reichweite. Sein Aufschlag ist kein Punktegarant. Der schnelle Belag in London kommt seinem Spiel auch nicht entgegen. Mit Ausnahme des Sieges gegen Nadal vor den French Open zieht er gegen die absoluten Topspieler fast immer den Kürzeren.

Erfolge: Feierte erst drei Turniererfolge. Ist 2020 noch ohne Turniersieg. Erreichte bei den US-Open erstmals ein Grand-Slam-Halbfinale. Gehört erstmals in seiner Karriere zu den Top10-Spielern.

Aktuelle Form: Wie schon so oft ist der Argentinier auch momentan unglaublich konstant, ohne jedoch den großen Coup zu landen. Erreichte bei den letzten fünf Turnieren stets mindestens das Viertelfinale. Musste sich im Halbfinale der French-Open-Open nach hartem Kampf dem späteren Sieger, Dominic Thiem, geschlagen geben.

Historie beim Masters: Feiert sein Debüt bei den ATP-Finals. Profitiert als Weltranglistenneunter vom Ausfall von Roger Federer.

7. DOMINIC THIEM (ÖSTERREICH/ 27 JAHRE/ WELTRANGLISTENPLATZ 3):

Stärken: Thiem hat neben Stan Wawrinka die beste einhändige Rückhand. Sein Kick-Aufschlag gehört zu den gefürchtetsten auf der Tour. Erinnert mit seinem Vorhand-Topspin an Nadal, kann aber noch glatter durchziehen. Seine Fitness ist ebenfalls beeindruckend.

Schwächen: Spielt ähnlich wie Zverev hin und wieder zu defensiv. Dazu immer wieder mit größeren Konstanz-Problemen. Wenn er nicht im Rhythmus ist, streut er schon einmal zahlreiche Fehler in kurzer Zeit ein.

Erfolge: Gewann in seiner Karriere bislang 17 Titel. Zwar kam in diesem Jahr nur einer dazu, allerdings war es mit dem Gewinn der US Open der erste Grand-Slam-Titel seiner Karriere.

Aktuelle Form: Nach dem Gewinn der French Open scheiterte der Österreicher zuletzt zweimal in Folge im Viertelfinale (French Open und Wien). In seiner Heimat hatte er mit einer schmerzhaften Blase zu kämpfen und verlor gegen Andrey Rublev in zwei Sätzen. Für London sollte er aber wieder fit sein.

Historie beim Masters: Wie Nadal noch ohne Turniersieg bei den ATP-Finals. Unterlag im vergangenen Jahr im Finale Stefanos Tsitsipas. Für den Österreicher ist es die fünfte Teilnahme.

6. STEFANOS TSITSIPAS (GRIECHENLAND/ 22 JAHRE/ WELTRANGLISTENPLATZ 6):

Stärken: Ein echter Allrounder mit einem guten Aufschlag gesegnet. Für seine Größe (1,96 Meter) unheimlich beweglich. Seine größte Stärke ist wohl, dass er keine allzu große Schwäche hat.

Schwächen: Seine Rückhand bedarf dennoch Besserung, auch sein 2. Aufschlag hat noch Luft nach oben. Altersbedingt mangelt es dem 22-Jährigen zudem noch an der nötigen Erfahrung.

Erfolge: Gewann in den vergangen drei Jahren fünf Titel, darunter 2019 die ATP-Finals.

Aktuelle Form: Zeigte zuletzt schwankende Leistungen. Auf einen Finaleinzug in Hamburg und einen Halbfinaleinzug bei den French Open folgte zuletzt zweimal das frühe Aus - allerdings gegen stark aufspielende Gegner.

Historie beim Masters: Feierte 2019 nicht nur sein Debüt bei den Masters, sondern auch seinen ersten ATP-Finals-Titel.

5. ANDREY RUBLEV (RUSSLAND/ 23 JAHRE/ WELTRANGLISTENPLATZ 8):

Stärken: Starker erster Aufschlag. Verfügt über eine unheimlich präzise und schnelle Vorhand.

Schwächen: Zweiter Aufschlag fällt (zu) stark vom ersten Service ab. Kann sein Temperament manchmal nicht kontrollieren. Muss auch körperlich noch weiter zulegen, um die ganz großen Namen zu schlagen.

Erfolge: Triumphierte in diesem Jahr bereits fünf Mal. Insgesamt steht der Russe bei sieben Turniererfolgen.

Aktuelle Form: Befindet sich seit dem Restart des Tennis-Zirkus' in der Form seines Lebens. Gewann in den vergangenen drei Monaten drei Titel, erreichte ferner das Viertelfinale bei den French Open. Musste zwar bei der ATP-Finals-Generalprobe, den Paris Masters, früh die Segel streichen - mit der Pause sollte er jedoch wieder zu seiner Topform gefunden haben.

Historie beim Masters: Nimmt in diesem Jahr erstmals bei den Masters teil. Rublev ist erst der fünfte Russe, der sich für die ATP Finals qualifiziert.

4. RAFAEL NADAL (SPANIEN/ 34 JAHRE/ WELTRANGLISTENPLATZ 2):

Stärken: Gemeinsam mit Djokovic der wohl beste Grundlinienspieler der Welt. Bringt eine unheimlich Physis mit. Sein Topspin ist einzigartig.

Schwächen: Hat einen kräftezehrenden Spielstil, der auf schnellen Indoor-Plätzen wie in London etwas an Gefährlichkeit verliert. Kann - wie in Paris von Zverev - auf diesem Belang schon einmal überpowert werden.

Erfolge: Der Spanier steht derzeit bei 86 Einzel-Titeln. Nur Roger Federer hat genau so viele Grand-Slam-Siege wie der Linkshänder (20). Ist mit 13 Titeln zudem Rekordsieger der French Open.

Aktuelle Form: Nachdem er seinen 13. French-Open-Titel in beeindruckender Art und Weise im Finale gegen Djokovic gewann, gönnte er sich eine Pause. In Paris kämpfte er sich auf dem schnellen Belang bis ins Halbfinale, war gegen Zverev dann aber weitgehend chancenlos.

Historie beim Masters: Konnte die ATP-Finals noch nie gewinnen. Seine letzte Finalteilnahme datiert bereits aus dem Jahr 2013. Verpasste im vergangen Jahr den Sprung in die K.o.-Phase.

3. DANIIL MEDVEDEV (RUSSLAND/ 24 JAHRE/ WELTRANGLISTENPLATZ 4):

Stärken: Spielt sehr konstant, macht kaum Fehler. Seine Vorhand verfügt über jede Menge Unterschnitt. Ist auch aus dem Lauf extrem präzise.

Schwächen: Anfällig bei Tempo- oder Sprintwechseln. Lässt sich noch zu häufig per Slice in der Vorhandecke düpieren.

Erfolge: Gewann seit 2018 acht Titel, darunter drei Masters. Feierte all seine Triumphe auf Hartplatz.

Aktuelle Form: Kommt nach einem lange Zeit enttäuschenden Jahr zum Jahresende noch mal richtig in Fahrt. Feierte nach dem Erreichen des Halbfinals der US-Open bei den ATP-Masters in Paris Anfang November seinen ersten Titel im Jahr 2020.

Historie beim Masters: Nimmt erst zum zweiten mal an den ATP-Finals teil. Verlor 2019 in sehr müdem Zustand all seine drei Gruppenspiele.

2. ALEXANDER ZVEREV (DEUTSCHLAND/ 23 JAHRE/ WELTRANGLISTENPLATZ 7):

Stärken: Bekommt mit seinem Service viele freie Punkte. Dominiert von der Grundlinie das Geschehen - sofern er sich auch aggressiv verteidigt.

Schwächen: Anfällig für Doppelfehler. Am Netz sehr verbessert, aber immer noch mit Luft nach oben. Neigt dazu, sich mitten in einer Partie zu weit hinter die Grundlinie zurückfallen zu lassen.

Erfolge: Feierte bei den ATP-Finals 2018 mit dem Turniersieg seinen bislang größten Erfolg. Stand bei den US-Open erstmals in einem Grand-Slam-Finale.

Aktuelle Form: Befand sich nach seiner vermeidbaren Finalpleite bei den US Open (2:0-Satzführung) und dem frühen Aus bei den French Open trotz aller Negativ-Schlagzeilen abseits des Courts zuletzt in Topform. Erreichte das Finale der Paris Masters, gewann zuvor zwei Turniere in Köln.

Historie beim Masters: Ist zum vierten Mal in Folge für die ATP-Finals nominiert. Kürte sich 2018 zum inoffiziellen Weltmeister. Scheiterte vergangene Saison im Halbfinale an Dominic Thiem.

1. NOVAK DJOKOVIC (SERBIEN/ 33 JAHRE/ WELTRANGLISTENPLATZ 1):

Stärken: Agiert von der Grundlinie unheimlich dominant. In der Defensive macht dem Serben dank seiner überragenden Beinarbeit keiner etwas vor. Kann quasi jeden Aufschlag entschärfen.

Schwächen: Sucht man spielerisch fast vergeblich. Einzig bei seinem Aufschlag könnten noch mehr freie Punkte rausspringen.

Erfolge: Der Serbe gewann in seiner Karriere bereits 81 Einzel-Titel. Allein bei den Grand Slams sicherte sich der Weltranglistenerste 17 Titel.

Aktuelle Form: Schied zuletzt in Wien überraschend bereits im Viertelfinale aus. Wirkte dabei lustlos und erklärte danach auch, dass er sein Ziel (Nummer 1 am Jahresende) erreicht habe. Schaffte es jedoch zuvor ins Finale der French Open. Kämpft verbissen darum, Federer und Nadal in der GOAT-Debatte zu überholen, weshalb er in dem Turnier wieder alles reinlegen wird.

Historie beim Masters: Scheiterte vergangene Saison bereits in der Gruppenphase. Gewann das Turnier aber bereits fünf Mal. Der letzte Sieg datiert aus dem Jahr 2015. Könnte mit einem Sieg zu Rekordgewinner Roger Federer aufschließen.