Zweitagesformat wie in der Formel 1? MotoGP-Fahrer gespaltener Meinung

Gerald Dirnbeck
·Lesedauer: 3 Min.

Die Formel 1 hat in diesem Jahr an einem Rennwochenende ein neues Format ausprobiert. In Imola wurde der Freitag komplett gestrichen. Am Samstag gab es am Vormittag zunächst ein Freies Training. Anschließend folgte das Qualifying. Das Rennen fand wie gewohnt am Sonntag statt.

Man musste wegen der speziellen Kalenderplanung im Corona-Jahr 2020 auf dieses außergewöhnliche Format wechseln. Am Wochenende vor Imola wurde in Portimao gefahren. Die LKWs brauchten Zeit, um von Portugal nach Italien zu fahren.

Dann musste im Fahrerlager und in der Box alles aufgebaut werden. Um genug Zeit für Transport und Aufbauarbeit zu haben, wurde der Trainingsfreitag gestrichen. Trotz der geringeren Trainingszeit lief das verkürzte Wochenende reibungslos ab.

Alles hat Vor- und Nachteile

Wäre so ein Zweitagesformat auch für die MotoGP denkbar? "Für mich wäre das kein Problem, denn dann würde man mehr Zeit daheim verbringen", lacht Weltmeister Joan Mir. "Es ist eine Entscheidung der Organisation."

Eine so wesentliche Änderung im Ablauf eines Rennwochenendes hätte viele Auswirkungen. "Es kann gut und schlecht sein", grübelt Fabio Quartararo. "Einerseits liebe ich es, mit dem Motorrad zu fahren. Auf der anderen Seite kann es auch toll sein, was die Formel 1 in Imola gemacht hat."

"Wir haben für unser Motorrad eine gute Basis und ändern normalerweise nicht viel. Deshalb denke ich, dass es gut sein könnte und eine Veränderung im Kalender bedeuten würde." Zwischen Formel 1 und MotoGP gibt es wesentliche Unterschiede.

Morbidelli findet, dass zu wenig Trainingszeit eine Gefahr bergen könnte

Morbidelli findet, dass zu wenig Trainingszeit eine Gefahr bergen könnte<span class="copyright">Motorsport Images</span>
Morbidelli findet, dass zu wenig Trainingszeit eine Gefahr bergen könnteMotorsport Images

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In der MotoGP gibt es keine Simulatoren

In der Formel 1 wird im Hintergrund viel mit Simulationen gearbeitet. Die Fahrer können sich im Simulator auf die Strecken einschießen. Auch die Abstimmung des Autos wird im Vorfeld im Detail ausgearbeitet.

In der MotoGP gibt es keine Simulatoren. Die Fahrer müssen in der Realität mit einem MotoGP-Bike fahren, um die Strecke kennenzulernen. Nur dann erhalten auch die Ingenieure verwertbare Daten, um an den Motorrädern arbeiten zu können.

"Es wäre schwierig, die Zeit zu finden, um das Motorrad abzustimmen", findet deshalb Maverick Vinales. "Auf der anderen Seite könnte es auch interessanter sein. Ich mag es aber so wie es jetzt ist. Aber wenn es nur zwei Tage gäbe, wäre es für mich auch okay."

Gar nicht begeistert von einem Zweitagesformat ist Franco Morbidelli. "Wir fahren im Laufe des Wochenendes immer besser. Deswegen glaube ich, dass ein Format mit nur zwei Tagen auch gefährlich sein könnte", stellt der Italiener ein Sicherheitsargument in den Raum.

"Mir persönlich gefällt das nicht. Wir fahren unser gesamtes Leben am Freitag, Samstag und Sonntag. Mir gefällt das. In der Formel 1 ist das auch eher möglich. Wir brauchen mehr Zeit, um das Motorrad abzustimmen und uns auf die Strecke einzustellen."

Zudem ist der dichtgedrängte Zeitplan ein Faktor. Mit Moto3, Moto2 und MotoE beziehungsweise anderer Rahmenserien herrscht von früh bis spät Fahrbetrieb auf der Strecke. Das auf zwei Tage zusammenzukürzen, wäre sehr schwierig. In Imola hatte die Formel 1 nur den Formel-Renault Eurocup als Rahmenserie.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.