1:3 in Monaco: Mit dem BVB verabschiedet sich ein großes Team aus Europa

Die Fans unterstützten den BVB wieder großartig.

Aus und vorbei! Mit Dortmund ist auch der letzte deutsche Teilnehmer aus der Champions League rausgeflogen. Davor stand wieder ein Schockmoment – und eine leidenschaftliche Leistung der Schwarz-Gelben. Eine große Mannschaft hat sich am Mittwochabend aus Europa verabschiedet.

Die Aufstellungen:

Monaco wieder mit seinem offensiv ausgerichteten 4 – 4 – 2. Das Stürmerpaar Falcao/Mbappé wird durch die schnellen Außen Lemar und Silva unterstützt. Im Zentrum ziehen Joao Moutinho und Bakayoko die Fäden.

Große Überraschung beim BVB: Marco Reus ist wieder da!  Nach Kurzeinsatz am Wochenende steht der Superstar in der Startelf. Nicht dabei: Kapitän Marcel Schmelzer. Im 3 – 4 -3 mit Aubameyang als zentraler Spitze will der BVB sofort Druck erzeugen. Auf rechts gibt Tuchel dem etwas defensiver ausgerichteten Erik Durm den Vorzug vor Ousmane Dembélé. Eine Entscheidung, die schon nach 27 Minuten werden muss.

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Die Taktik:

Aufgrund des Blitztores Monacos mussten die taktischen Grundideen beider Teams schnell überdacht werden. Die Monegassen zogen sich in der klassischen 4 – 4 – 2 Grundkonstellation etwas stärker zurück, standen kompakt und ließen den BVB ihre Verteidigungsreihen bespielen – nur, um im Moment der Balleroberung in hohem Tempo das vertikale Spiel aufzuziehen und über die schnellen Außen zu Torchancen zu kommen.

Dortmund wollte auf dem Papier zu Beginn nicht volles Risiko gehen, auf den Außen begannen im 3 – 4 – 3 die personell defensiveren Varianten Guerreiro und Durm. Alles für die Katz – spätestens als Falcao auf 2:0 erhöhte. Die Einwechslung des umtriebigen Dembélé richtete den BVB deutlich offensiver aus. Der Youngster bewegte sich viel zwischen den Linien und versuchte im Dreieck mit Reus und Aubameyang immer wieder, möglichst schnell in die Spitze zu kommen.

Der Spielverlauf:

Blitzstart für Monaco, Nackenschlag für den BVB: Schon in der 3. Spielminute nutzt Kylian Mbappé einen Abpraller von Bürki zum 1:0. Dortmund also schon früh unter Zugzwang, drei Tore müssen her. Der BVB braucht zunächst einige Minuten, um sich zu fangen., erringt jedoch die Kontrolle über das Spiel. Zwei dicke Chancen von Reus (10.) und Sahin (14., Pfosten!) führen jedoch nicht zum Torerfolg.

Monaco bleibt aber weiterhin gefährlich, vor allem über die schnelle linke Seite. Und dann der nächste Schock: Nach Flanke von links trifft Falcao per Kopf zum 2:0! (17.) Die gesamte BVB-Hintermannschaft verteidigt viel zu passiv und kriegt dafür die Quittung. Der BVB ist daraufhin geschockt, irgendetwas muss passieren. Tuchel reagiert, indem er Ousmane Dembélé schon nach 27. Minuten aufs Feld bringt, für ihn muss Erik Durm weichen.

Die Borussen bleiben bis zur Halbzeit nahezu komplett harmlos, das Spiel in die Tiefe findet kaum statt, während Monaco immer mal wieder zu Kontern kommt, die immer gefährlicher wirken als alles vom BVB.

Zu Beginn der 2. Halbzeit erhöht der BVB merklich den Druck. Das zahlt sich aus, Reus trifft nach starker Einzelleistung von Dembélé zum Anschluss! (47.) Die erhoffte Initialzündung? Nicht ganz, zunächst kommt Monaco postwendend zur nächsten Riesenchance, der Kopfball wird von Bürki gerade so entschärft. Der BVB ist defensiv immer noch nicht stabil.

Dafür in der Folge aber dominant, mit viel Ballbesitz und Breite im Spiel. Doch die Zeit läuft davon – und Monaco bleibt bei Kontern immer brandgefährlich. In der 65. Minute ist das Spiel fast entschieden, aber Falcao lupft den Ball Zentimeter über das Tor. Und der BVB ist nach vorne einfach nicht zwingend genug, große Chancen sind Mangelware.

Und es kommt, wie es kommen musste. Einer der vielen Konter bringt letztlich die Entscheidung, Germain besorgt in der 81. Minute den Endstand. Dortmund ist raus – und Deutschland steht seit langer Zeit mal wieder ohne CL-Halbfinalteilnehmer da.

Youngster Kylian Mbappé drückte dem Spiel wieder seinen Stempel auf.

Die Szene des Spiels:

Die 3. Spielminute zeigte den Spielverlauf schon ganz eindeutig vor. Der BVB war nach den unangenehmen Momenten vor dem Spiel (siehe „Aufreger des Spiels“) noch nicht ganz auf dem Platz, als Mendy auf links durch das Mittelfeld marschierte. Seinen Abschluss aus 20 Metern kann Bürki nur abprallen lassen, Mbappé reagiert als Schnellster und macht das 1:0. Alle taktischen Ideen waren über den Haufen geworfen und dauerhaft konnte sich das angeschlagene BVB-Team nie von dem Schock des frühen Gegentores erholen.

Der Aufreger des Spiels:

Geschah schon vor dem Spiel. 15 Minuten mussten BVB-Spieler und –Trainerstab vor der Abfahrt zum Stadion in ihrem Bus ausharren, ohne zu wissen, was los war. Die Sicherheitskräfte hielten den Mannschaftsbus fest, versäumten es aber, dringend benötigte Informationen zu den Gründen zu liefern. Thomas Tuchel betonte schon zuvor, wie belastend die neuerlichen Probleme waren – und die Unsicherheit des jungen BVB-Teams zeigte sich in der ersten Halbzeit ganz eindeutig. Im Kopf war das Spiel für viele einfach nur Nebensache – und das ist nur menschlich. Man kann von niemandem in einer solchen Situation verlangen, sportliche Höchstleistungen zu vollbringen.

Ein großes Team verabschiedet sich aus Europa

Die Stars des Spiels:

Ja, Mehrzahl. Natürlich darf man hier den besten Spieler der Monegassen nicht außen vor lassen: Kylian Mbappé. Der Shootingstar führt seinen märchenhaften Aufstieg im europäischen Fußball fort. Mbappé war für den BVB zu keiner Zeit zu verteidigen, Riss mit seinen Dribblings und seinem Tempo große Löcher – und erzielte das immens wichtige 1:0, weil er schneller reagierte als der Rest.

Aber, und das soll nicht gegen die AS Monaco gerichtet sein: Der wahre Star dieser Paarung war das gesamte BVB-Team. Wer so ein Ereignis zu verkraften hat, dafür eigentlich gar keine Zeit hat – und dann trotzdem eine so leidenschaftliche, engagierte, emotionale Leistung über zwei Spiele abliefert, hat allen Respekt verdient. Eine große Mannschaft hat sich am Mittwochabend aus Europa verabschiedet.

Der Schiedsrichter: Damir Skomina

Ordentliche Leistung des slowenischen Unparteiischen – hatte aber auch keine allzu knifflige Partie zu pfeifen. Leistete sich dafür aber auch, abgesehen von ein paar Wacklern in der Zweikampfbewertung, keine großen Fehler.

Der Versager des Spiels:

Einen BVB-Akteur hier aufzulisten, wäre nach dem vorigen Abschnitt blanker Hohn. Und Auch bei der AS Monaco drängte sich nach diesen 90 Minuten keiner auf. Letztlich bleibt nach einer für BVB-Spieler und Fußball-Fans in aller Welt extrem emotionalen Woche nur zu sagen, dass auf der negativen Seite wohl in erster Linie das unterirdische Verhalten der UEFA-Offiziellen zu nennen ist.

Keine Empathie in einer absoluten Notsituation, die Spieler alleingelassen, den Verein vor vollendete Tatsachen gestellt. Der Verband hat auf extrem unangenehme Weise bewiesen, worum es ihm bei der Champions League vor allem geht: Geld. Sportliches und schon gar Emotionales hat da einfach keinen Platz. Und das muss angeprangert werden, immer und immer wieder, bis sich etwas getan hat. Ein Gutes, dass Vereine und Fans sich davon nicht  haben anstecken lassen, sondern das Champions League-Viertelfinale zu einem großen Fest gemacht haben.

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