Bayern München schrammt am Wunder von Madrid vorbei

Tommy Gaber
Editor Yahoo Sports
Großer Frust herrschte nach dem Spiel bei den Bayern-Spielern

Eine heroische Leistung des FC Bayern hat nicht gereicht. Die Münchner verloren das Rückspiel im Viertelfinale der Champions League bei Real Madrid mit 2:4 (2:1, 0:0) nach Verlängerung und verpassten somit den sechsten Halbfinaleinzug im Folge. Die Yahoo-Analyse einer epischen Schlacht mit einigen skandalösen Szenen.

Die Aufstellungen

Wie erwartet ersetzt bei Real Madrid Isco den an der Wade verletzten Bale. Dadurch ändert sich das System der Königlichen vom 4-3-3 zu einem 4-4-2 mit der Doppelspitze Ronaldo/Benzema.

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Beim FC Bayern werden aus allen Fragezeichen Ausrufezeichen! Hummels, Boateng und Lewandowski stehen in der Startelf. Trainer Ancelotti kann somit auf seine nominell beste Elf zurückgreifen.

Die Taktik

Der Dreiersturm von Real wird ohne Bale aufgeweicht, mit Isco verstärkt Trainer Zidane das Mittelfeldzentrum. Bei gegnerischem Ballbesitz bildet Madrid zwei klassische Viererketten, bei eigenem Ballbesitz rückt Isco auf die Zehn, Kroos in den linken Halbraum, während Casemiro als einziger Sechser absichert.

Die Bayern gehen angesichts der 1:2-Hypothek aus dem Hinspiel volles Risiko: Sehr hochstehende Viererkette, offensive Außenverteidiger. Eine Schlüsselrolle kommt Vidal zu, der aus der Tiefe immer wieder mit in die Spitze gehen soll, insbesondere dann, wenn die Bayern ihre Angriffe über die Flügel vorbereiten.

Der Spielverlauf

Starke Anfangsphase der Bayern. In der ersten Viertelstunde zogen sie ihr geplantes dominantes Spiel auf. Alonso und Vidal verlagerten das Spiel mit langen Diagonalbällen auf die Flügel, Lahm und Alaba machten auf ihren Seiten lange Läufe und hatten am Real-Sechzehner einige Bälle auf dem Fuß, um Lewandowski und Vidal in der Mitte zu bedienen. So entstand auch die erste dicke Chance, als erst Lewandowski im Abschluss von Ramos geblockt wurde und anschließend Robben frei vor dem Tor nur das Außennetz traf. Real war zu Beginn sichtlich beeindruckt, die Mannschaft zog sich zurück und kam nicht in die Zweikämpfe.

Doch die Bayern ließen die Königlichen mit einigen leichten Ballverlusten im Mittelfeld ins Spiel kommen. Real wurde aggressiver und stellte die Passwege besser zu, was vor allem Xabi Alonso nicht bekam. Der Spanier spielte im Umschaltspiel einige Bälle Real in die Füße, wodurch sich gefährliche Konterchancen für die Madrilenen ergaben. Ab der 30. Minute erarbeitete sich Real ähnlich wie in der zweiten Halbzeit des Hinspiels etliche Torchancen, ließ diese aber teilweise kläglich liegen. Alleine Kroos hatte drei riesen Dinger auf dem Fuß, traf aber einmal nur Boateng auf der Linie und verzog zweimal.

Von den Bayern kam bis zur Pause offensiv kaum noch was. Die wenigen brauchbaren Vorstöße endeten mit teils lächerlichen Flanken in die Mitte, vor allem von Alaba.

Die Bayern haben es Casemiro zu verdanken, dass sie urplötzlich wieder ins Spiel kamen. Reals Mittelfeldspieler brachte Robben im Strafraum zu Fall, Schiedsrichter Kassai zeigte auf den Elfmeterpunkt. Harte, aber vertretbare Entscheidung. Lewandowski ließ sich nicht zweimal bitten und schoss die Bayern in Führung (52.).

Fortan entwickelte sich ein rassiges Spiel mit unendlich vielen intensiven Zweikämpfen. Die Bayern bleiben am Drücker, ohne zu früh die Abwehr zu entblößen, warten stattdessen geduldig auf ihre Chance. Zidane reagierte, brachte Asensio für den blassen Benzema und stellte auf ein 4-5-1 um.

Was sich dann im Estadio Santiago Bernabeu abspielte, war schlicht und ergreifend legendär. Ronaldo erzielte den Ausgleich per Kopf (76.), praktisch im Gegensatz stocherte Ramos den Ball unhaltbar für seinen eigenen Keeper Navas über die Linie. Vidal flog vom Platz, die Bayern retteten sich in die Verlängerung. Dort schnürte Ronaldo mit den Treffern zum 2:2 und 3:2 einen Hattrick, ehe Asensio den Endstand besorgte.

Das war nicht mal knapp.

Die Szene des Spiels

Es lief die 105. Minute. Kroos flankte den Ball aus dem linken Halbfeld in den Strafraum zu Ronaldo, der die Kugel aus neun Metern mit rechts unhaltbar für Neuer zum 2:2 ins Tor nagelte. Allerdings stand der Portugiese dabei locker mal einen Meter im Abseits.

Der Aufreger des Spiels

Vidal bekam schon nach wenigen Minuten die Gelbe Karte, angesichts seiner Wichtigkeit für die Bayern als aggressiver Zweikämpfer ein großes Problem. Vidal warf sich aber trotzdem in jedes Duell, oft an der Grenze der Legalität. In der 48. Minute übertrieb es der Chilene im Kampf um den Ball mit Casemiro. Vidal kam deutlich zu spät – eine klare Gelbe Karte und folgerichtig eigentlich Platzverweis für Vidal. Doch Schiedsrichter Kassai ließ Gnade vor Recht walten. In der 84. Minute war es dann aber soweit. Vidal grätschte Asensio den Ball vom Fuß und kassierte die Ampelkarte. Der Chilene wollte es nicht wahrhaben, schimpfte minutenlang auf Kassai ein und musste von Ramos vom Feld geschubst werden. Kassai wertete den Einsatz als Foulspiel – ein Fehler, denn Vidal traf klar den Ball.

Das Innenverteidiger-Duo machte ein ganz großes Spiel.

Der Spieler des Spiels

Klar, Cristiano Ronaldo entschied die Partie mit seinem Dreierpack. In beiden Spielen gegen die Bayern traf der Portugiese damit fünf Mal. Aber was das Duo Hummels/Boateng nach den ganzen Problemen in der Spielvorbereitung über 120 Minuten abspulte, verdient allerhöchsten Respekt. Ancelotti ging ein hohes Risiko mit beiden ein, aber niemand weiß es besser als der Bayern-Trainer, wie unersetzbar beide sind. Boateng fasste sich schon nach knapp einer Stunde an den Oberschenkel, biss aber auf die Zähne und machte sehr viel richtig. Hummels schleppte sich durch die Verlängerung, hielt aber auch bis zum Ende durch.

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Der Versager des Spiels

Viktor Kassai. Einer der besten Schiedsrichter der Welt lieferte am Mittwochabend in Madrid eine fast schon skandalöse Leistung ab. Der Ungar warf früh mit Gelben Karten um sich, ließ Vidal erst auf dem Platz, um ihn dann später unberechtigterweise runterzustellen, pfiff Lewandowski, der alleine auf dem Weg zum Tor war, wegen einer angeblichen Abseitsstellung zurück und gab Ronalddos 2:2, obwohl der Portugiese einen Meter im Abseits stand. Kassai und seine Assistenten haben das Spiel maßgeblich beeinflusst, letztlich zum Leidwesen des FC Bayern.

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