BVB-Anschlag: Verdächtiger festgenommen - Bartra mit Nachricht an die Fans

Polizisten sichern nach dem Anschlag den beschädigten Mannschaftsbus des BVB (Bild: AP Photo/Martin Meissner)

Nach mehreren Bombenexplosionen vor dem Mannschaftsbus von Borussia Dortmund haben die Ermittler einen Verdächtigen festgenommen, das bestätigte die Bundesanwaltschaft am Mittwochmittag. Am Dienstagabend war das Champions League-Match zwischen dem BVB und dem AS Monaco abgesagt worden. Bei den Vorfällen wurde der Bus des deutschen Vizemeisters schwer beschädigt, BVB-Innenverteidiger Marc Bartra wurde schwer am Arm verletzt und in der Folge im Krankenhaus operiert. Der 26-Jährige befindet sich auf dem Wege der Besserung und wandte sich am Mittwochnachmittag per Instagram-Post an seine Fans und die Mannschaftskollegen.

Wie Frauke Köhler, Sprecherin der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe, bestätigte, gebe es insgesamt zwei Verdächtige, einer von den beiden wurde schon festgenommen. Die Spur führe in die islamistische Szene, Köhler sprach entsprechend von einem terroristischen Hintergrund der Tat.

Zuvor prüften Ermittler die Authentizität von zwei Bekennerschreiben. Ein in der Nähe des Tatorts gefundenes Schreiben deutete früh auf einen islamistischen Hintergrund der Tat hin. Zudem sei im Internet ein zweites Bekennerschreiben aufgetaucht, das der antifaschistischen Szene zugerechnet wurde. Eine Beteiligung an dem Anschlag wurde von linken Gruppen jedoch heftig dementiert. In einer Gegendarstellung auf der offenen Plattform indymedia, wo zuvor das angebliche Bekennerschreiben veröffentlicht und dann von einem Moderator wieder gelöscht wurde, wird es als “offenkundiger Schwachsinn” bewertet.

Mutmaßliches Bekennerschreiben nimmt Bezug auf Tornado-Einsatz in Syrien

Nach Informationen der “Süddeutschen”, des “WDR” und des “NDR” soll das erste mutmaßliche Bekennerschreiben mit den Worten “Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen” beginnen und direkten Bezug auf die Beteiligung deutscher Tornados an den Militäreinsätzen gegen den so genannten “Islamischen Staat” in Syrien nehmen. Als Reaktion auf den Militäreinsatz in Syrien werden deswegen nun gezielt Sportler und Stars “in Deutschland und anderen Kreuzfahrer-Nationen” ins Visier genommen, mutmaßlich wurde eine so genannte “Todesliste” erstellt. Eine Unterschrift fehlt auf dem Schreiben.

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“Verdacht auf ein versuchtes Tötungsdelikt”

Auf jeden Fall geht die Polizei von einem gezielten Angriff auf den Bus der Dortmunder aus und sprach vom Verdacht auf ein versuchtes Tötungsdelikt. Es werde in alle Richtungen ermittelt. Aufgrund des Inhalts des  mutmaßlichen Bekennerschreibens hat am Mittwochmorgen nach Informationen der “Welt” die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen in dem Fall übernommen. Deutschlands oberste Strafverfolgungsbehörde kommt in “staatsgefährdenden” Fällen zum Einsatz, dazu zählen unter anderem Spionage, Extremismus und Terrorismus.

Das Spiel wurde am Mittwochabend um 18:45 nachgeholt und endete 2:3.

Der BVB-Vorstandsvorsitzende Hans-Joachim Watzke erklärte gegenüber “Sky Sport” und den Fans im Signal Iduna Park, dass “direkt vor der Ausfahrt vom Mannschaftshotel ein Sprengstoffanschlag gegen den Mannschaftsbus” verübt wurde, BVB-Innenverteidiger Marc Bartra wurde dabei verletzt und sofort “notärztlich versorgt”. Später wurde bestätigt, dass Bartra einen Bruch der Speiche erlitten hatte und operiert werden musste.

So äußerte sich der BVB-Chef in der Nacht:


Hans-Joachim Watzke zur aktuellen Situation #bvbasm

Posted by Borussia Dortmund on Tuesday, April 11, 2017

Die Spieler und auch Trainer Thomas Tuchel befänden sich nach den Explosionen “in Schockstarre”. Weiter hieß es: “Solche Bilder bekommst du nicht aus dem Kopf heraus. Ich hoffe, dass die Mannschaft einigermaßen in der Lage ist, morgen wettbewerbsfähig auf dem Feld zu stehen.” Aber: “In solch einer Krisensituation rücken alle Borussen zusammen.”

Die Explosionen haben sich kurz nach 19 Uhr auf der Wittbräucker Straße ereignet, wenige Kilometer vom Stadion entfernt. Die Sprengsätze waren wohl am Wegesrand in einer Hecke deponiert.



Ausblick auf das Spiel am Mittwoch

Nun wollen Trainer Thomas Tuchel und die Vereinsspitze das geschockte Team für das Champions-League-Spiel am Mittwoch gegen den AS Monaco wieder aufrichten.

In einem Gespräch mit der «Bild»-Zeitung sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke: «Der Verein ist ohnehin unfassbar geschlossen. Aber wir müssen die Mannschaft in einen spielfähigen Zustand versetzen. Das ist eine Herkulesaufgabe.»

Watzke will gemeinsam mit Sportdirektor Michael Zorc am Morgen bei der Mannschaft sein. «Den Rest muss dann Thomas Tuchel lösen», sagte Watzke. «Wir müssen schnell zur Normalität zurückkehren, dazu gibt es keine Alternative.»

Für das Nachholspiel werden verschärfte Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. «Wir werden alles Menschenmögliche dafür tun, dass das Spiel morgen sicher ablaufen kann», sagte Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange. Die Ermittler sicherten in der Nacht weiter Spuren.

Neben Bartra auch Polizist verletzt

Die Polizei teilte am frühen Mittwoch mit, dass neben BVB-Verteidiger Marc Bartra auch ein Beamter durch die drei Explosionen gegen 19.15 Uhr neben dem Mannschaftsbus verletzt worden war. Der Polizist fuhr auf einem Motorrad vor dem Bus, um ihn zum Stadion zu begleiten, wie ein Sprecher sagte. Er habe ein Knalltrauma und einen Schock erlitten und sei nicht dienstfähig.

Bei dem Anschlag war Bartra schwer an der Hand verletzt worden. Der Spanier wurde noch in der Nacht in einem Dortmunder Krankenhaus wegen eines Bruchs operiert. Auf die Frage nach dessen Zustand sagte Watzke: “Ich weiß auch nur, dass er gerade operiert wird und dass er erstmal nicht einsatzfähig sein wird.” Watzke geht dennoch mit einem Gefühl der Sicherheit in das Spiel gegen Monaco (18.45 Uhr). “Mein persönliches Sicherheitsgefühl ist sehr gut.”

Der BVB erhielt Solidaritätsbekundungen aus der Sportwelt und der Politik. “Meine Gedanken sind bei der Mannschaft”, wurde Bundesinnenminister Thomas de Maiziere am Abend über den Twitter-Account seines Ministeriums zitiert.

Mit Material des SID und der dpa

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