Thomas Müller: Ein Unikat muss sich neu erfinden

Immer ein Lachen auf den Lippen, so kennt man Thomas Müller. (Bild: Getty)

Thomas Müllers Karriere kannte lange nur eine Richtung: steil bergauf. Seit der EM 2016 befindet sich der 27-Jährige in einem heftigen Formtief und war zuletzt nur zweite Wahl bei Trainer Carlo Ancelotti – eine neue, unangenehme Erfahrung für die Münchner Identifikationsfigur. Wenn sich das wieder ändern soll, braucht Müller nicht nur die Lockerheit vergangener Tage, sondern muss sich auch ein Stück weit neu erfinden.

2016 kann man für Thomas Müllers Verhältnisse getrost als Seuchenjahr bezeichnen. Der Ur-Bayer hat die durchwachsenste Hinrunde seiner Karriere hinter sich. Müller schien sich in Ancelottis 4-3-3 System noch nicht wirklich zurechtzufinden, wirkte vor allem bei seinen Auftritten auf der Außenbahn oftmals verloren und litt unter einer bisher nie dagewesenen Torflaute. Die Folge: Beim wohl wichtigsten Hinrundenspiel gegen RB Leipzig saß Münchens Identifikationsfigur 90 Minuten auf der Bank. Ein Zustand, der Müller so gar nicht geschmeckt hat und der auch Klub-Chef Karl-Heinz Rummenigge mit ungewöhnlich deutlichen Worten auf den Plan rief: “Das ist dann auch Motivation, dass die Spieler 2017 das ein oder andere vielleicht besser machen müssen. Und das ist hier der Fall.”

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Die Verletzung von Thiago, der die Position hinter den Spitzen in der Hinrunde mit Bravour ausfüllte, spült Müller nun vorerst wieder in die erste Elf. Es dürften entscheidende Wochen für den 27-Jährigen werden: Müllers Anspruch ist es, immer zu spielen. Wenn er möchte, dass Louis van Gaals Credo wieder uneingeschränkt gilt, muss er nicht nur das Formtief von EM und Hinrunde überwinden, sondern sich auch ein Stück weit neu erfinden. Weniger laufen, mehr spielen, könnte die Devise für den Weltmeister und Champions League-Sieger lauten. Müllers Gespür für die richtigen Laufwege ist einzigartig im Weltfußball, im Spiel mit dem Ball offenbarte er in den letzten acht Monaten hingegen ungeahnte Schwächen. Genau diese Qualität wird als Ersatz für den ungemein ballsicheren und spielstarken Thiago jedoch von ihm verlangt werden.

Dass Müller dazu in der Lage ist, steht außer Frage. In puncto Spielwitz, Leichtigkeit und fußballerischer Intelligenz können ihm an guten Tagen nur wenige das Wasser reichen. Trotzdem bleibt Müller das größte Fragezeichen im Kader. Denn: Wenn die Bayern in der ersten Saison unter Ancelotti höchste Ziele erreichen wollen, führt dieser Weg nur über einen formstarken Müller, der das macht, was er am besten kann: Die gegnerischen Verteidigungsreihen zur Verzweiflung laufen und spielen.


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